Zwischen Skyline und Mangroven
Museumskomplex von MAD in Shenzhen
Wer das BauNetz-Archiv nach dem Stichwort „Shenzhen“ durchsucht, stößt auf zahlreiche Meldungen zum Internationalen Hochhaus Preis. In der Metropole am Perlflussdelta, die 1980 zur ersten Sonderwirtschaftszone Chinas erklärt wurde, ist in den letzten Jahrzehnten eine beachtliche Skyline emporgewachsen. Nun haben auch MAD architects (Peking) in Shenzhen geplant, genauer gesagt im Bezirk Nanshan, wo viele Unternehmen aus Technologie, Forschung und Kultur ihren Sitz haben.
Mit dem nach acht Jahren Bauzeit fertiggestellten Shenzhen Bay Culture Square haben sie am Flussufer jedoch keinen weiteren Hochpunkt geschaffen, sondern das Projekt zum Teil in die Erde versenkt. Mit seinem spektakulären Erscheinungsbild steht es anderen Bauten in der Umgebung aber nicht nach: Wie große weiße Steine ragen mehrere abgerundete Volumen aus einer parkartigen Anlage. Das 51.000 Quadratmeter große Grundstück befinde sich komplett auf Land, das dem Wasser abgewonnen wurde, erklären MAD.
Wie der Name des Gebäudes schon sagt, handelt es sich um einen multifunktionalen Kulturkomplex. Er beherbergt ein dem Thema „Design“ gewidmetes Museum mit Ausstellungs- und Bildungsräumen, Restaurant, Café und Bibliothek. Zugleich beinhaltete die Bauaufgabe auch die Gestaltung eines neuen öffentlichen Erholungsraums am Wasser, teilen die Architekt*innen mit. Sie verteilten daher die 188.000 Quadratmeter Bruttogrundfläche so, dass auf dem Dach des Museums eine offene, hügelige Landschaft entstand, die Fußgänger*innen vorbehalten ist. Eine östlich verlaufende Straße wurde ebenso wie weite Teile des Gebäudes unter die Erde verlegt.
Die locker verteilten oberirdischen Auskragungen sind von großen Oberlichtern gekrönt und bestehen aus naturweißem Granit, der in schmale Streifen geschnitten wurde. Zum Wasser hin nimmt die Höhe der gesamten Anlage stufenweise ab. Sie geht nach und nach in ein Mangrovengebiet am Ufer über, in dem MAD zufolge zahlreiche Zugvögel rasten. Die niedrige Bebauung halte daher nicht nur Blickbeziehungen für Parkbesucher*innen offen, sondern sei auch gewählt worden, um den Flugkorridor am Fluss möglichst wenig zu stören.
Durch das unterirdische Innere des Museums mäandern höhlenartige Sichtbetongalerien zwischen Ausstellungshallen, die durch Kassettendecken, ebenfalls aus Beton, charakterisiert sind. Das nördliche Volumen ragt über der Erde 28 Meter in die Höhe, der sichtbare Teil des Südvolumens erstreckt sich dagegen eher in die Breite. Mittelpunkt des Komplexes ist ein ringförmiges Atrium, das die Haupterschließung aufnimmt und beide Gebäudeteile verbindet. (da)
- Fertigstellung:
- 2026
- Architektur:
- MAD Architects
- Ausführendes Büro:
- East China Architectural Design & Research Institute
- Tragwerksplanung:
- Arup International Consultants (Shanghai) Co., Ltd., Shenzhen Branch
- Interior Design:
- Shanghai Xiandai Architectural Decoration & Landscape Design Research Institute Co.
- Landschaftsarchitektur:
- Sasaki, Metrostudio
- Bauherrschaft:
- Shenzhen Municipality
- Fläche:
- 188.000 m² Bruttogrundfläche




