Gigant in Linienform
Kulturzentrum in Shenzhen von Mecanoo
Bei chinesischen Kulturbauten gibt es einen knallharten Überbietungswettbewerb hinsichtlich ikonischer Gestaltung und Größe – Projekte wie Bernard Tschumis Museums-Kraftwerk in Tianjin, das Guanxi Culture & Art Center von gmp in Nanjing, PES-Architects’ abstrakte Jasminblüte in Fuzhou oder das Theater mit rotierender Fassade von Foster + Partners und Heatherwick Studio in Shanghai sind nur einige von vielen Beispielen. Nun mischen auch Mecanoo Architects (Delft/Kaohsiung) mit. Nach Realisierung des Kaohsiung Center for the Arts in Taiwan wurde jetzt ihr erstes Bauwerk in der Volksrepublik China fertiggestellt: das Longgang Cultural Center in Shenzhen.
Normalerweise wird in Chinas rasant wachsenden Agglomerationen nach oben gebaut. Mecanoo gehen in die Horizontale, was dem langen, aber schmalen Grundstück mit strenger Höhenbeschränkung geschuldet ist: Ihre „rote Raupe“ besteht aus vier Teilen, die sich auf fast einem halben Kilometer linienförmig aneinanderreihen. 400 Meter Länge, 50 Meter Breite, 25 Meter Höhe, 95.000 Quadratmeter Bruttogrundfläche – so die genauen Abmaße des Kulturkomplexes, der zahlreiche Funktionen beherbergt. Die verschiedenen Baukörper umfassen ein Kunstmuseum (13.500 Quadratmeter), ein Wissenschaftszentrum (10.000 Quadratmeter), ein Jugendzentrum (8.000 Quadratmeter) sowie eine Bücher-Mall mit Cafés und Restaurants (35.000 Quadratmeter). Dazu kommen 7.000 Quadratmeter Einzelhandelsflächen und 21.500 Quadratmeter unterirdische Parkplätze.
Die Architekten haben ihren Bau als „urban connector“ – also als Bindeglied – konzipiert. Da eine Linie immer auch in zwei Seiten trennt, wie die Luftaufnahmen eindrücklich zeigen, war Durchlässigkeit ein wichtiges Gestaltungskriterium, um den fünfgeschossigen Komplex nicht zur Barriere werden zu lassen. Durch die Aufteilung der Baumasse in mehrere asymmetrisch geformte Volumen mit abgerundeten Ecken und schräg nach oben geneigten Fassaden, die sich auf Dachhöhe fast berühren, entstehen in den Zwischenräumen mehrere überdachte, platzartige Durchgänge. Hier liegen die Eingänge zu den verschiedenen Zentren, zugleich dienen die Passagen im subtropischen Klima Shenzhens auch als willkommener Schutz vor Sonne oder Regen und kanalisieren Luft- und Fußgängerströme gleichermaßen. Im Inneren der Gebäude wird deren Konstruktion aus Ortbeton für die Besucher in Form offenliegender Strukturen eindrücklich in Szene gesetzt. (da)
Fotos: Zhang Chao
Gerade nachdem ich mir Longgang dank Googlemaps mal angeschaut habe ohne hinzufahren, finde ich die Gegend eher wenig einladend bis gruselig (Geistertadt!) Nachdem ich dank Baunetz.de nun was schlaues dazu gesagt habe, kann ich mir eine weite Reise in krasse Welten des "knallharten Überbietungswettbewerb(s) hinsichtlich ikonischer Gestaltung und Größe" sparen, bleibe am Wochenende in meinem urbanen Umfeld und mache einen Frühlings Spaziergang.
Beeindruckendes Projekt!
Dann ist man schlauer und kann auch wirklich was dazu sagen.
Und auch einfach nicht schön. Man muss es fast als subversive Krtik des Fotografen betrachten, wie er im ersten Bild die beiden so konträren Welten im Vordergrund und Hintergrund gegenüberstellt.
So was ähnliches hab ich auch in einer der 500 Meldungen über Kulturzentren in einen der chinesischen Geisterstädte auch gesagt und nur negative Kritik erhalten. Ich gebe Ihnen vollkommen recht. Es vergeht keine Woche wo es keine Meldung über ein neues Zentrum mit 500.000m² BGF vorgestellt wird. Mich würde interessieren was aus den anderen Gebäuden inzwischen geworden ist, ob sie überhaupt genutzt werden oder schon vor sich hin rotten, wie die Sportarenen