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26.02.2018

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Raumschiff in Plexi und Beton

Kulturzentrum von SelgasCano in Plasencia


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Wie ein Raumschiff oder ein unbekanntes Artefakt inmitten der Natur – so wirkt das Kultur- und Kongresszentrum am Stadtrand von Plasencia, das in der trockenen Graslandschaft der spanischen Region Extremadura gelandet scheint. Der transluzente Kunststoffpolyeder mit seinen gelb- und orangefarbenen Elementen wurde vom Madrider Büro SelgasCano entwickelt. Bereits 2005 begannen die Architekten nach einem gewonnenen Wettbewerb mit dem Rohbau. Durch die Finanzkrise verzögerte sich die Fertigstellung jedoch erheblich. Die Eröffnung des Hauses fand erst im Juni 2017 statt.

Das Gebäude liegt im Westen der 40.000 Einwohner großen Stadt, etwas unterhalb einer künstlich angelegten Steigung mit Straße in einem Expansionsgebiet. Nach den Kunststoffbauten in Badajoz, Cartagena oder dem Serpentine Pavilion in London entstand auch in Plasencisa ein lichtdurchflutetes Objekt, das an die Strukturen der Sechzigerjahre erinnert – etwa die geodätischen Kuppeln von Buckminster Fuller. Außen arbeiteten die Architekten mit transparenten Plexiglaspaneelen, die 40 Prozent der Sonnenstrahlung absorbieren, innen gibt es eine zweite Haut aus Polycarbont und ein Tragwerk aus Ortbeton. Durch die Erschließungszone zwischen diesen beiden Schichten, in der die notwendigen Rampen und Treppen liegen, wurde eine passive Klimaregulierung und der Schutz des Betonkerns vor zu viel Hitze oder Kälte erreicht. Nur bei extremen Temperaturen ist eine zusätzliche technische Klimatisierung notwendig.

Der Baukörper wurde vom Gebäudeschnitt ausgehend konstruiert, so dass nur ein minimaler Fußabdruck in der Natur des Hanggrundstücks entsteht. Angefangen vom großen Auditorium mit 760 Sitzen wurden alle anderen Funktionen wie Ausstellungsräume, ein Restaurant und eine zweite, teilbare Halle für 300 Personen übereinander gestapelt. Insgesamt hat die Plastikwolke eine Oberfläche von 6.500 Quadratmetern. Recyclebar mag sie sein, aber an welcher Stelle der Verwertungskette sie steht, ist eine Frage, die offen bleibt. Die Kritik einiger Besucher, das Material ermögliche keine freie Sicht und man fühle sich wie in einer Plastiktüte, hängt wohl nicht zuletzt vom persönlichen Raumempfinden ab.

Materiell wie auch farblich steht die Architektur von SelgasCano in Plasencia in gewolltem Kontrast zur umgebenden Natur – ganz anders als der von ihnen gestaltete Coworkingspace in Lissabon. Inspiriert von Cedric Price, Archigram und Future Studio, suchen sie in ihren Entwürfen nach Freiheit und Ironie. Als Besucher in Plasencia betritt man den Neubau über eine orange Rampe. Das daran anschließende, ebenfalls in Orange gehaltene Foyer ist ein dreigeschossiger, zwölf Meter hoher Raum mit runden Oberlichtern, die für Tageslicht im Inneren und interessante Lichtspiele sorgen.

Der hohe Foyerraum ist durch den Baukörper gesteckt und mündet auf der anderen Seite in einer Aussichtsplattform: Hier präsentieren sich stolz die Ausläufer der Bergkette Sierra de Gata. Das neue Zentrum ist ein Symbol zwischen Realität und Vorstellungsvermögen, ein Leuchtturm, der bei Tag und Nacht bereits von weitem sichtbar ist. (rc)

Fotos: Iwan Baan


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Kommentare

5

peter | 27.02.2018 15:07 Uhr

nachhaltigkeit?

mich erinnert das eher an ausstellungsarchitektur. es sind schöne ideen daran, aber mir scheint, für den alltäglichen und dauerhafen gebrauch ist dieses bauwerk kaum geeignet.
ich finde, architektur sollte - bei allem verständnis für mehr experimentierfreude - nicht zum wegwerfen geplant und gebaut werden. dafür sind die baustoffe und der herstellungsprozess eines gebäudes einfach zu kostbar.
und wie man so ein treibhaus sinnvoll in der spanischen halbwüstenlandschaft planen kann, ist mir sowieso ein rätsel. 40% absorption hin oder her - 60% der spanischen hitze kommen immer noch ins gebäudeinnere und stören dort.

4

Jan | 27.02.2018 09:59 Uhr

zu kalt?

Die Humbold-Box friert es in Berlin oder sie kann den Anblick des neuen Stadtschlosses verständlicherweise nicht mehr ertragen. Da ist sie einfach mal nach Spanien abgehauen...

3

Stefanie Meyer | 26.02.2018 22:24 Uhr

Kollege Mimimi

Das ist offensichtlich das Forum der jungen jammerden Kollegen die selbst wenig geplant haben. Wie man einen ETFE Pavillon überhaupt mit dem BER vergleichen kann oder Architekturqualität mit einen Haushaltsüberschuss in Bezug setzen kann bleibt mir ein Rätsel.

2

Johann Maier | 26.02.2018 21:00 Uhr

Bingo

Das hat wohl jemand versehentlich in einer spanischen Architekturzeitschrift entdeckt? Das ist ja erst seit 2 Jahren im Umlauf.

Dieses Projekt ist definitiv zu scharf für hier, denn hier ist das Land der Lochfassaden. Basta.

1

mehmet | 26.02.2018 15:42 Uhr

klasse!

Einfach mal mut bewiesen und sowas mitten ins land gestellt. macht freude das zu sehen.

und, wie seit jahren in diesem Forum, weise ich darauf hin, dass solche öffentlichen Kultur-Projekte immer aus Ländern kommen, die seit jahren angeblich kein geld haben, Spanien, Griechenland, Portugal....

in unserem ach so reichen 36 mrd. Euro Überschuss-Deutschland haben wir dagegen grade grosse Probleme mit Schimmel am BER und bekommen sowas nicht mal ansatzweise hin.

Wenn es einen Medaillen-Spiegel für Architektur gäbe, wir wären wohl nicht gut wie bei der Winterolympiade.

 
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Den Neubau betritt man über eine orange Rampe.

Den Neubau betritt man über eine orange Rampe.

Das neue Kulturentrum ist bei Tag und Nacht bereits von weitem sichtbar.

Das neue Kulturentrum ist bei Tag und Nacht bereits von weitem sichtbar.

Das Haus wirkt wie ein Raumschiff, das in der trockenen Graslandschaft gelandet ist.

Das Haus wirkt wie ein Raumschiff, das in der trockenen Graslandschaft gelandet ist.

Zwischen innerer und äußerer Fassadenschicht liegt die Erschließungszone.

Zwischen innerer und äußerer Fassadenschicht liegt die Erschließungszone.

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