Spanische Lampe
SelgasCanos Serpentine Pavillion in London
So bunt war es in den Kensington Gardens noch nie: Der 15. Serpentine-Pavillon dürfte allen Kindern gefallen. Die spanischen Architekten SelgasCano haben für ihr temporäres Erstwerk auf britischem Boden ein farbenfrohes, zeltartiges Konstrukt entwickelt – „betwixt und inbetween“ lautet der Titel. Diesen Donnerstag wird der Pavillon eröffnet.
Knapp 180 Quadratmeter groß ist der fliegende Bau, 27 Meter misst seine längste Seite, etwa fünf Meter die höchste Stelle innerhalb des Pavillons. Über dem dunklen Stahltragwerk spannen sich Wände und Decken aus Strukturgewebe – eine leichte Hülle mit einer doppelten Membran aus opaken und lichtdurchlässigen Kunststoffen, die die Besucher über vier Eingänge betreten können. Jeder Eingang soll eine eigene Reise durch den Pavillon erlauben, Farbe und Licht unterscheiden die verschiedenen Tunnel voneinander.
José Selgas und Lucía Cano wollten in ihrem Serpentine-Pavillon mit „Konstruktion, Licht, Transparenz, Schatten, Form, Sensibilität, Überraschung, Farbe und Material“ arbeiten, mit diesen Schlagworten hatten sie im März ihren Entwurf vorgestellt. Auf den Fotos wirkt die vierköpfige bunte Raupenlampe jedoch noch etwas provisorisch – zu provisorisch für einen derart prominenten Bau, erinnert man sich an die Vorgänger von SANAA (2009), Herzog & de Meuron (2012) oder Sou Fujimoto (2013).
15. Serpentine Pavillon
25. Juni bis 18. Oktober 2015, 10–18 Uhr
Fotos: Iwan Baan
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Übrigens ich finde dieses Stück temporäre Architektur hinreißend, weil es eine wunderbare Leichtigkeit hat. Weil der Bau spielerisch aber nicht kopflos mit Farbe umgeht, ist egal was für Wetter ist. Hier kann man nur gute Laune haben. Es sei den man ist Architekt.
Die Serpentine Pavillions haben sich immer im Spannungsfeld zwischen Architektur, Kunst und Ingenieurbau bewegt. Wenn dann auf mindestens zwei der drei Disziplinen verzichtet wird, ist es berechtigt, sich über die vertane Chance zu ärgern.
Ich weiß nicht, wie oft ich diesen immer wiederkehrenden Ansatz bei Arbeiten von Studierenden schon gesehen habe. Interessant ist aber, dass SelgasCano dieses Konzept tatsächlich 1:1 gebaut haben. Ich kenne bis jetzt nur Modelle dieser Art.
Für mich stehen solche Reaktionen für Engstirnigkeit. Wieso kann Ästhetik nicht auch mal aus dem üblichen Rahmen fallen? Und noch viel schlimmer: Wieso können Architekten dies nicht als Inspiration für ihre Arbeit sehen? Ihr müsst das ja nicht nachbauen, ihr müsst es noch nicht mal toll finden. Aber wie wäre es mit einem respektvollen "interessant"?! Mich wundert an der Stelle mal wieder nicht warum so viel Architektur-Schrott da draußen rum steht. @ Andrea Palladio: Danke für den anregenden Kommentar.