Schwellenräume für Venedig
Konzept für Deutschen Pavillon konkretisiert
Seit Mitte August steht fest, dass Kawahara Krause Architects aus Hamburg den deutschen Beitrag zur 20. Internationalen Architekturausstellung in Venedig gestalten werden. Als Co-Kurator*innen sind Olga Cobuscean (u. a. Leibniz Universität Hannover) und Andres Lepik (Technische Universität München) beteiligt, das Thema lautet „Convivere – Ein Repertoire des Zusammenlebens“. Nun hat das Team Details zum Konzept bekanntgegeben.
Der Beitrag wird den Blick auf jene Räume des Wohnens richten, die zwischen Wohnung und Stadt liegen: Schwellen, Treppenhäuser, Höfe und Vorplätze. „Wohnen beginnt nicht an der Wohnungstür“, heißt es im kuratorischen Statement. Gerade in diesen Übergängen könnten Begegnung, Nachbarschaft und Zugehörigkeit entstehen. In Zusammenarbeit mit Studierenden der RWTH Aachen, der RPTU Kaiserslautern, der Technischen Universität München und der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart sucht das kuratorische Team Beispiele aus unterschiedlichen Epochen des deutschen Wohnungsbaus, die Interaktion ermöglichen. Im Fokus steht dabei nicht die Architektur als Einzelgestalt, sondern die räumliche Situation.
Die 20. Architekturbiennale wird geleitet von Wang Shu und Lu Wenyu. Unter dem Titel „Do Architecture – For the Possibility of Coexistence Facing a Real Reality“ will das chinesische Kuratorenteam Architektur stärker als konkrete, ortsbezogene Praxis verstehen, die angesichts ökologischer und sozialer Konflikte unterschiedliche Realitäten nicht auflöst, sondern Bedingungen für ihre Koexistenz schafft.
Ausgehend von zunehmender sozialer Isolation, politischer Polarisierung und dem wachsenden Druck, schneller und mehr zu bauen, überführt Convivere diesen Gedanken in den Wohnalltag: Koexistenz zeige sich hier nicht als abstraktes Ideal, sondern in den kleinen, oft übersehenen Räumen. Gerade dort, wo Menschen einander begegnen, ausweichen, verweilen oder miteinander ins Gespräch kommen, könne Architektur einen Beitrag zu gesellschaftlichem Zusammenhalt und demokratischem Leben leisten.
Weitere Details zu den Inhalten der Ausstellung will das kuratorische Team Anfang 2027 vorstellen. Spannend wird auch die Frage sein, ob und wie der konzeptionelle Schwellenraum in den Hallen des 1938 im Sinne nationalsozialistischer Architektur monumental umgebauten Pavillons eine bauliche Entsprechung findet. Die 20. Architektur-Biennale in Venedig findet vom 8. Mai bis zum 21. November 2027 statt. (kms)



