Studieren in der Shoppingmeile
Kaufhaus-Umbau in Den Haag von LIAG und Sweco
Ähnliche Bilder quer durch Europas Großstädte: In besten Lagen stehen große, nicht selten auch riesige Kaufhauskomplexe leer. Was tun mit diesen Zeugnissen des analogen Massenkonsums? Häufig drohen Abrisse, aber auch Umnutzungen werden diskutiert – insbesondere, wenn es denkmalgeschützte Objekte betrifft. In Den Haag wurde nun ein Kaufhaus mit Wurzeln bis in die 1930er Jahre beispielhaft in ein Hochschulgebäude verwandelt. So kommt endlich wieder Leben in die Fußgängerzone. Die räumliche Transformation bis hin zur Fertigstellung des Rohbaus oblag LIAG Architecten mit Sitz vor Ort. Die Gestaltung und Planung des Ausbaus übernahm das niederländische Büro von Sweco mit Niederlassung in De Bilt.
Das Objekt steht mitten in Den Haag an der Spui schräg gegenüber von Richard Meiers Stadhuis. Es handelt sich um eine frühere Niederlassung der längst abgewickelten Kaufhauskette Vroom & Dreesmann. Das Unternehmen gehörte zu den Pionieren der Branche, wobei man von Anfang an viel Wert auf repräsentative Architektur gelegt hatte. Der Haager Komplex stammt von Jan Kuijt, der als Hausarchitekt von Vroom & Dreesmann galt und bis Ende der 1930er für die Gestaltung vieler „Konsumpaläste“ der Kette verantwortlich war. Hier gestaltete er eine bemerkenswerte Fassade, irgendwo zwischen später Amsterdamer Schule, Art déco und sachlichem Expressionismus. Eine spätere Erweiterung aus den 1960ern ist ebenfalls Teil des nun fertiggestellten Projekts. Jenseits der Fassade wurden auch damals schon Abschnitte des Kuijt-Baus ersetzt.
Rund 20.000 von insgesamt 35.000 Quadratmetern Bruttogrundfläche ließen die Projektverantwortlichen für die Hochschulnutzung herrichten. Fünf universitäre Institutionen teilen sich das Gebäude, wobei die Universiteit Leiden neben dem Eigentümer, dem global tätigen Immobilienriesen CBRE, bei der Transformation federführend war. Darüber hinaus nutzen unter anderem die TU Delft und die Open Universiteit Teile des Projekts, das heute als Universiteitsgebouw Spui firmiert. Es entstanden Seminarräume, Hörsäle, Labore, Büros, Freiarbeitsbereiche, gastronomische Angebote und ein Sportzentrum. Die verzweigte Anlage zieht sich durch den gesamten Block und ist von drei Seiten aus zugänglich.
Abgesehen von der bewahrten historischen Fassade am Spui hat sich viel verändert. Den jüngeren Gebäudeteil an der Grote Marktstraat öffneten die Architekt*innen komplett – bei Erhalt der Einzelhandelsflächen in den unteren Geschossen. Und entlang der schmalen Spuistraat entstand ein Neubau mit schlichter Backsteinfassade. Auch im Inneren gab es größere Interventionen, um Licht in die tiefen Grundrisse zu bringen. Nur an wenigen Details wie den Pilzstützen und einigen Treppenhäusern ist überhaupt die Vergangenheit des Gebäudekomplexes abzulesen. Der Ausbau mit dunklem Holz und Messing stellt aber zumindest formal Bezüge zur gravitätischen Ästhetik der 1930er Jahre her.
Bei diesem Projekt in Den Haag ging es also weniger um die spezifischen gestalterischen Qualitäten des Bestands, sondern um sein Potenzial als großformatige räumliche Ressource mitten in der Stadt. Bis zu 4.000 tägliche Nutzer*innen erwarten die beteiligten Institutionen. Dem Zentrum dürfte dies sicherlich nicht schaden. (sb)
- Fertigstellung Ursprungsbau:
- 1930
- Fertigstellung Umbau:
- 2026
- Architektur Bestand:
- Jan Kuijt
- Planung Umbau:
- LIAG architecten
- Innenausbau:
- Sweco Nederland
- Weitere Beteiligte (Umbau):
- Halmos, Zri, EFPC, Designworkplan, Vanderbouw, Stevens van Dijck, CBRE Investment Management, RYSE, IMd, Hiensch, Blonk en Bureau Polderman
- Nutzende:
- Universiteit Leiden, TU Delft, Open Universiteit, Universiteiten van Nederland, LUMC
- Fläche:
- 20.750 m² Bruttogrundfläche
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