Reparatur und Ergänzung
Kreatives Kulturzentrum in Chemnitz von AFF und Georgi
Im Osten der Chemnitzer Innenstadt liegt im Sanierungsgebiet Sonnenberg ein ehemaliger Betriebshof der Stadtreinigung, die sogenannte „Stadtwirtschaft“. Das Gelände war bereits ab 1891 bebaut und in den folgenden Jahrzehnten immer wieder verändert worden. Seit dem Auszug der Stadtreinigung in den 1990er Jahren verblieb das 12.000 Quadratmeter große Areal überwiegend ungenutzt. Gemeinsam mit Nachbar*innen und der Kunst- und Kulturszene, die sich in den letzten Jahren in Sonnenberg angesiedelt hat, entwickelte die Stadt seit 2019 ein neues Nutzungs- und Betreiberkonzept. Die Stadtwirtschaft soll zum Kreativ-Hub werden: Eine Mischung aus handwerklichen Betrieben, sozialer und kreativer Arbeit sowie Bildungs-, Stadtteil- und Kulturinitiativen.
Das Nutzungskonzept aus dem Partizipationsverfahren wurde von KAPOK (Berlin) entwickelt, das Verfahren war seit 2021 vom Bund als Nationales Projekt des Städtebaus gefördert worden. Den Umbau des Bestands entwarfen AFF Architekten (Berlin) und GEORGI architektur und städtebau (Chemnitz). Die fünf Gebäudeteile umfassen etwa 6.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche. Sie stammen allerdings aus unterschiedlichen Bauzeiten, waren in viele kleine Einheiten zergliedert und befanden sich durch den jahrelangen Leerstand bis 2022 in sanierungsbedürftigem Zustand. Dennoch blieben die Gebäude in ihrer Struktur und Gestalt weitgehend unverändert.
AFF sprechen von einer „Minimaltransformation“: Fassaden, Tragwerke und Oberflächen wurden von An- und Einbauten befreit, anschließend wurden Raumzusammenhänge neu geordnet. Der kleinere, etwas privatere Hof im Westen ist als „Kreativhof“ und „Produktionshof“ vorgesehen. In den Gebäuden ringsum versammeln sich Büros, Werkstätten, Ateliers, Labore und Ausstellungsflächen sowie eine kleine Kantine mit eigener Küche. Der größere Hof im Osten wird zum „Eventhof“, der für temporäre Veranstaltungen, Ausstellungen, Performances oder Märkte genutzt werden kann.
Nach Norden zur Jakobstraße erhielt das Gelände ein neues, zentrales Eingangsgebäude, das ebenfalls im Kern aus einem umgewandelten Bestandsgebäude besteht. Dieses Gebäude gibt dem Projekt ein Gesicht, das perfekt zum Namen „Stadtwirtschaft“ passt: Der Neubau nutzt die Holzkonstruktion des Altbaus weiter, sie wurde nur partiell durch einen einfachen Stahlbau verstärkt. Allein die teilweise verfaulten Füße der Holzpfeiler und die beschädigten Fundamente mussten ausgetauscht werden. Über eine Freitreppe und eine breite Brücke verbindet das neue Eingangsgebäude die tieferliegenden Höfe direkt mit dem Stadtraum.
Die neuen Fassaden zeigen sich als Kombination aus schlichter Holz- und industriell wirkender Polycarbonat-Fassade, aus der die alten Holzpfeiler diagonal herausragen. Dies sei auch als Zeichen „gegen Abriss und Ersatzneubau und für eine ressourcenschonende, robuste und sozial wirksame Stadtentwicklung zu verstehen“, schreiben die Büros. (fh)
- Architektur (LPH 3-8):
- ARGE AFF Architekten und GEORGI architektur + stadtplanung
- Städtebauliches Konzept:
- KAPOK
- Bauherrschaft:
- Stadt Chemnitz, vertreten durch KBC KommunalBau Chemnitz
- Landschaftsarchitektur:
- UTA Gerhardt – Büro für Landschaftsarchitektur
- Tragwerksplanung:
- Seel + Hanschke Beratende Ingenieure
- Haustechnik:
- IPT INGPLAN TECHNIK
- Bauphysik:
- Ingenieurbüro Bauklimatik Uwe Meinhol
- Akustik:
- Akustik Bureau Dresden Ingenieurgesellschaft
- Fläche:
- 6.000 m² BGF
















