Skulpturale Eminenz
Schulerweiterung in Berlin von AFF
Der neue Erweiterungsbau des Dahlemer Arndt-Gymnasiums passt fast ein wenig zu gut zu der altehrwürdigen Schule, die als eine der besten Berlins gilt. Genau genommen fällt der Bau des Haupthauses, das Wilhelm und Friedrich Hennings zur Gründung der Schule im Jahre 1908 fertigstellten, in die Zeit, in der ein Großteil der Berliner Schulbauten entstand. Nichts Besonderes also, doch als ehemals privates Landschulheim für den preußischen Adel pflegen Bau und Inhalt eine elitäre Tradition. AFF Architekten (Berlin) haben in den vergangenen Jahren bereits mit vielen Beispielen gezeigt, wie Schulen in Berlin anspruchsvoll weitergebaut werden können. In der Königin-Luise-Straße legen sie nun nach zwei Jahren Bauzeit mit einer „grauen Eminenz“ nach.
Skulpturale Objekthaftigkeit, klare Formen mit feinen Texturen – das sind die Markenzeichen von AFF. Mit Hans-Christian Schink haben sie einen Fotografen gefunden, der unter anderem mit seinen Porträts der „Verkehrsprojekte Deutsche Einheit“ die objekthafte Schönheit skulpturaler Betonpfeiler in karger Landschaft inszeniert hat. Seine Darstellungsweise bringt auch die Arbeiten der Architekten seit Jahren zur Geltung – sowohl der Fotograf als auch die Bürogründer haben thüringische Wurzeln. Während frühere Projekte wie die Anna-Seghers-Schule in Adlershof oder der Umbau eines Lichtenberger DDR-Typenbaus mit auffälligen Mustern und Farben punkten, hat der Arndt-Neubau größere Ähnlichkeit mit Autobahnbrücken: strenger, grauer Gegensatz und gleichzeitig enge Beziehung zur Landschaft.
Die Zurückhaltung zahlt sich aus: Angesichts der Umgebung aus rotem Sportfeld, dem reichen Baumbestand der Villengegend und dem preußischen Altbau scheint es fast, als wäre Grau die einzig mögliche Farbe gewesen. Die dem Büro eigene Verspieltheit kommt subtil daher. Die Betonelemente der Fenster in der Putzfassade sind vorgefertigte Skulpturen. Im Inneren überraschen objekthafte Möbel. Perforierte Verkleidungselemente an Wand und Decken wandeln das Grau der Sichtbetontreppe in einem etwas wärmeren Farbton.
Auch städtebaulich schreibt der Neubau die umgebende Struktur fort, gliedert das Grundstück und fasst einen „Arkadenhof“ von angenehmer Größe ein. Auf alten Bildern sieht man noch den mittlerweile abgerissenen Anbau aus den Sechzigerjahren, den die Architekten als „städtebaulich ungünstig“ bewerteten. Wegen mangelhaftem Brandschutz schon vor Jahren geschlossen, mussten Container seine Funktion erfüllen, bis der Neubau kam. AFF wollen damit „dem historischen öffentlichen Baustein in Dahlem seine Würde zurückgeben“. (dd)
Fotos: Hans-Christian Schink
Mehr über die Schulbauten von AFF in Berlin gibt es in der Baunetzwoche #425.
die präsentation wurde also von fotograf und architekt mit voller absicht so "krass" und abweisend wie möglich gewählt, das haus maximal "böse" inszeniert. warum? hat aff das nötig? muss man es irgendwem beweisen? das grenzt schon irgendwie an sadismus bzw. andersherum an geradezu panische angst davor, "konventionell" und gefällig zu wirken.
Es ist allerdings gleichzeitig anzumerken, dass dieses Projekt immerhin mehr Mumm hat, als die klinischen Innenräume der Hockenheimer Berufsschule. Sicher werden letztere von den Nutzern leichter akzeptiert werden, jedoch drängt sich beim Betrachten das Bild einer Zahnarztpraxis, und nicht einer schule auf. Grundsätzlich empfand ich die Kritik an der Hockenheimer Schule durchaus berechtigt. Es muss darüber diskutiert werden, wie die propagierten Plus-Energie-Häuser(Schulen) am Ende wirklich aufgebaut sind und funktionieren. Die Architektur droht in diesem Zusammenhang vollständig zum bloßen design abgekapselt und endgültig marginalisiert zu werden. Statt über tatsächlich ressourcenschonende Bauweisen nachzudenken, bedient man sich der Haustechnik als vermeintlich nachhaltigen Ablasshandel. Die Industrie freut sich, und das eigene Gehirn träumt von der Toskana. Die Architektur muss hier gegenüber der Haustechnik wieder Boden gutmachen und Alternativen vorschlagen.
Die Nutzer eines Gebäudes sind in der Regel nunmal nicht Fachleute die ein Gebäude nach Form und Funktion bewerten. Die Oberfläche Beton wird unbewußt mit ganz anderen Emotionen verknüpft, wie das beim geschulten Fachmann der Fall ist. Solange Architekten dies immer noch arrogant ignorieren, und weiterhin ganze Lebensräume grau in grau gestalten, muss sich der Berufstand auch zurecht Kritik wie "Bunker- oder Knastarchitektur" gefallen lassen.