Rosa Fehler im blauen System
Institutsgebäude in Tübingen von Dannien Roller
Tübingen ist ein wichtiger Standort für die Grundlagenforschung zur Künstlichen Intelligenz. Ein neues Institutsgebäude der Eberhard Karls Universität Tübingen ist nun insbesondere dem Maschinellen Lernen gewidmet. Entworfen und umgesetzt haben es Dannien Roller Architekten + Partner mit Sitz vor Ort. Der Holzmodulbau mit fröhlich buntem Interieur steht nördlich der Innenstadt am Rande einer Einfamilienhaussiedlung.
Auf den schnellen Blick sieht der Bauplatz nach grüner Wiese aus. Tatsächlich ist das Institut aber Teil eines Technologieparks namens Obere Viehweide. Kühe grasen hier jedoch schon länger keine mehr, stattdessen wurden im benachbarten ersten Bauabschnitt bereits einige größere Vorhaben umgesetzt. Neben universitärer und institutioneller Forschung sind dort auch Privatunternehmen angesiedelt. In der Nähe befindet sich außerdem ein großes Blockheizkraftwerk der örtlichen Stadtwerke. Der Neubau von Dannien Roller steht in einer Reihe mit weiteren Einzelbauten, die als Übergang zum angrenzenden Wohnviertel konzipiert sind.
Die Architekt*innen entwerfen das neue Institut als simples Volumen aus drei Voll- und einem Attikageschoss. Hinter der Fassade in Richtung Nordring verstecken sich Loggien. Konstruktiv handelt es sich um einen Holzmodulbau, wobei die Stöße zwischen den Modulen durch vertikale Lattungen und horizontale Beplankungen kaschiert wurden. Die übrige Fassadenfläche besteht aus matten Photovoltaik-Paneelen. Beige Markisen greifen die Farbigkeit des Holzes auf.
Entgegen des zurückgenommenen äußeren Eindrucks geht es im Inneren etwas bunter zu. Als Grundpalette haben die Architekt*innen verschiedene Blautöne gewählt, die durch zufällig platzierte rosa Elemente kontrastiert werden – letzteres im Sinne eines „Glitch-Motivs“, also einer kleinen Störung in einem technischen System.
Soll schon die Gestaltung der Innenräume eine „visuelle Sinnlichkeit fern der immateriellen Datenwelt des maschinellen Lernens repräsentieren“, so können sich die Nutzer*innen dank einer kleinen Dachterrasse schließlich auch ganz konkret von der Bildschirmarbeit entspannen. (sb)
- Fertigstellung:
- 2026
- Architektur:
- Dannien Roller Architekten + Partner
- Weitere Planungsbeteiligte:
- SRM (Versorgungstechnik), FachWert Ingenieure (Brandschutz), Müller-BBM Building Solutions (Bauphysik), Unihouse (Modulbau), EPEA (Zertifizierung)
- Bauherrschaft:
- Eberhard Karls Universität Tübingen
- Fläche:
- 1.555 m² Bruttogrundfläche





