Wallonien und Ljubljana
Gewinner der Mies van der Rohe Awards 2026 bekanntgegeben
Die Gewinner des European Union Prize for Contemporary Architecture – Mies van der Rohe Awards 2026 (EUmies Awards) stehen fest: Aus 410 nominierten Projekten wählte die Jury zwei Projekte, die sich beide mit dem Weiterbauen im Bestand beschäftigen.
In der Hauptkategorie „Architecture“ überzeugte die Sanierung des in den 1950er Jahren errichteten Kongresszentrums Palais des Expositions in Charleroi in Wallonien, Belgien, realisiert von AgwA (Brüssel) und architecten jan de vylder inge vinck AJDVIV (Gent). Der Nachwuchspreis wurde für die Transformation eines ehemaligen Industriekomplexes in ein temporäres Theatergebäude an Vidic Grohar Arhitekti (Ljubljana) verliehen.
Auf Grundlage der 40 Projekte umfassenden Shortlist waren im Februar dieses Jahres sieben Finalisten bekanntgegeben worden. Fünf konkurrierten dabei um den mit 60.000 Euro dotierten Hauptpreis „Architecture“, zwei um den mit 30.000 Euro dotierten Nachwuchspreis „Emerging Architecture“. Das mehrstufige Auswahlverfahren beinhaltete auch den Besuch aller sieben Finalistenprojekte durch die internationale Jury unter Vorsitz von Pritzker-Preisträger Smiljan Radić.
Für das Kongress- und Ausstellungszentrum in Charleroi, das weiterhin für solche Veranstaltungen genutzt wird, habe das Architektenteam einen mutigen und einfallsreichen Ansatz entwickelt, der aus Mangel eine Chance und aus Reparatur eine wirkungsvolle Gestaltungsstrategie mache, heißt es in der Beurteilung. AgwA und AJDVIV ließen bei ihrem Umbau Reparaturen und Ergänzungen bewusst sichtbar.
Beim temporären Theatergebäude in Ljubljana lobte die Jury unter anderem „die präzisen, kostengünstigen Eingriffe“. Das Projekt definiere das Verhältnis zwischen Beständigkeit und Wiederverwendung neu und schaffe eine Abfolge flexibler und inklusiver Räume, die das kulturelle Leben der Stadt bereicherten. Vidic Grohar Arhitekti transformierten den 1960er-Jahre-Industriekomplex mittels minimaler, reversibler Maßnahmen, sodass dieser übergangsweise als Sitz des Slowenischen Nationaltheaters genutzt werden kann.
Mit den diesjährigen Preisträgern reihen sich auch die EUmies Awards in den großen Umbau-Trend ein, nachdem in der vergangenen Runde 2024 noch zwei Neubauten ausgezeichnet wurden – nämlich das Studierendenhaus in Braunschweig und die Gabriel García Márquez-Bibliothek in Barcelona. Der 1988 von der Fundació Mies van der Rohe ins Leben gerufene Preis wird alle zwei Jahre verliehen, seit 2001 in Partnerschaft mit der Europäischen Kommission.
Die Preisverleihung findet im Rahmen der EUmies Awards Days statt, die am 11. und 12. Mai 2026 im Mies-van-der-Rohe-Pavillon und im Palau Victòria Eugènia in Barcelona durchgeführt werden. Die katalanische Metropole ist die aktuelle UNESCO-Welthauptstadt der Architektur. Ende Juni folgt dort der UIA-Kongress. (dsm)











