Deutsche Nullnummer
Shortlist Mies van der Rohe Awards 2026
Null! Das ist Deutschlands Ausbeute auf der 40 Projekte starken Shortlist der Mies van der Rohe Awards 2026. Sie wurde kürzlich von der Fundació Mies van der Rohe und der Europäischen Kommission veröffentlicht, die den Preis alle zwei Jahre vergeben. In den vergangenen Jahren avancierte diese Auswahl – mehr noch als die folgenden Finalisten – zu einer interessanten Wasserstandsmeldung für das europäische Bauen.
Von den zwölf deutschen Einreichungen, die sich noch unter den insgesamt 410 Nominierten befanden, blieb keine übrig. Das ist ernüchternd. Gerade, weil mit dem Braunschweiger Studierendenhaus von Gustav Düsing und Max Hacke ein hiesiges Projekt die EUmies Awards 2024 gewinnen konnte. Auch 2022 befand sich das Berliner Baugruppenhaus Frizz23 von Deadline zumindest unter den Finalisten. Waren die diesjährigen deutschen Vertreter qualitativ schlichtweg zu schwach, oder haben sie inhaltlich die falschen Boxen getickt?
Verantwortlich für die Auswahl der Shortlist zeichnet eine siebenköpfige Jury, bestehend aus Smiljan Radić (Vorsitz), Carl Bäckstrand, Chris Briffa, Zaiga Gaile, Tina Gregorič, Nikolaus Hirsch und Rosa Rull. Als Leitthemen der dreitägigen Preisgerichtssitzung nennt die Pressemitteilung „hochwertige Gestaltung für alle“ und „die Förderung der Klimaziele des European Green Deals“. Herauskristallisiert hat sich dabei eine knappe Mehrheit von 23 Projekten, die Sanierungen, Umbauten oder Erweiterungen betreffen. Programmatisch waren vor allem Kultur- und Bildungseinrichtungen sowie Mischnutzungen gefragt. Dass insgesamt nur vier mehrgeschossige Wohnungsbauten und demgegenüber drei Einfamilienhäuser gelistet wurden, überrascht ein wenig.
Mit Blick auf die Nationen sind Frankreich mit neun und Spanien mit sieben Projekten am stärksten vertreten. Darunter etwa ein Kraftwerk in Palencia, ein temporäres Schwimmbecken in Logroño oder eine städtebauliche Transformation in Paris. Neben der ein oder anderen Überraschung – allen voran eine Brunnensanierung in der tunesischen Sahara – finden sich natürlich auch Projekte, die man auf dieser Liste durchaus erwartet hat. Gute Chancen für die Finalrunde ausrechnen dürften sich etwa das Thoravej 29 in Kopenhagen von pihlmann architects, ein Sozialwohnungsbau von Peris+Toral in Barcelona oder der Umbau von Assemble und BC für Luma Arles.
Unter den deutschen Nominierungen waren beispielsweise das Berliner Café Leo von sophie & hans, das Haus für Menschen ohne Obdach von Hild und K oder das Wabenhaus von Peter Haimerl . Architektur (beide in München). Berechtigt zur Auswahl der nationalen Nominierungen sind die nationalen Berufsorganisationen, die Mitglieder im Architect’s Council of Europe ACE sind. In Deutschland zählen dazu die Architektenkammern der Länder, der BDA, der BDB und die VfA.
Deutschland, Frankreich, Italien, Polen, Spanien und die Ukraine dürfen sieben Einreichungen festlegen, die übrigen Staaten fünf. Hinzu kommen maximal 20 Vorschläge vom Beirat des Preises (in dem zahlreiche europäische Architekturinstitutionen vertreten sind) und Vorschläge mehrerer unabhängiger Expert*innen. Seit 2001 gilt der mit 60.000 Euro dotierte Mies van der Rohe Award als offizieller Architekturpreis der Europäischen Union. Dass Länder wie Tunesien, Armenien, Norwegen und andere auf der Liste zu finden sind, liegt an deren Teilnahme am „Creative Europe Programme“.
Die Finalisten der EUmies Awards, zu denen auch der Nachwuchspreis Emerging Award gehört, werden im Februar bekannt gegeben, die Sieger im April. (mh)
Hier geht es zur Shortlist der EUmies Awards 2026 und hier zu allen zwölf deutschen Nominierten.
eumiesawards.com












zweitens: wenn man als architekt in deutschland etwas bewegen will, stößt man an allen ecken und enden an, schlimmer noch - man kommt gar nicht erst vom fleck. wieder einmal zeigt der blick ins baunetz: das wettbewerbswesen in dentschland ist tot! 90-95% der auslobungen kommen aus dem europäischen ausland, hierzulande gibt es fast nur noch schreckliche verfahren mit absurden, völlig unangemessenen zugangshürden und bauherrenvorstellungen. da, wo es sie noch gibt, wählen preisgerichte seit langem die immergleichen, kleingeistigen, biederen entwürfe zur realisierung aus. dieselben leute unterrichten an den hochschulen. deutschland ist nicht unfähig, dumm oder per se schlecht - aber es ist dauerängstlich, engstirnig, zwanghaft und depressiv. von daher erstmal kein wunder. bleibt für den moment nur der blick ins ausland. hoffnungsschimmer: es kann eigentlich nur besser werden.
Und wenn ich mir die drei im Text genannten Projekte (Mini-Sozialcafe in Berlin, Riesen-Obdachlosenzentrale in München, das Wabenhaus in München) anschaue, dann finde ich auch nicht, dass die jetzt zwingend in die Finalrunde gehört hätten. Zum Glück gibt es keine Quote pro Land, die beim Mies Award erfüllt werden müsste....! Habt einen guten Tag, liebe Kollegen