Angenehm tektonisch
Schule und Kindergarten in Chambéry von Brenas Doucerain mit Doucerain Lièvre Delziani
Zwischen Wohnzeilen der Nachkriegsmoderne und dichtem Wald liegt dieses Projekt am Stadtrand Chambérys, nördlich von Grenoble. Eigentlich noch Teil des urbanen Gefüges, wirkt es atmosphärisch bereits entrückt – wie eine kleine Lichtung mit Bergpanorama im Hintergrund. Entworfen wurde der Ersatzbau von Brenas Doucerain Architectes (Grenoble) gemeinsam mit Doucerain Lièvre Delziani (Lyon).
Das Umfeld geht auf ein Wohnquartier der 1960er Jahre zurück, geplant von Jean Dubuisson. Sozialwohnungsbauten und vereinzelte öffentliche Einrichtungen prägen die Struktur bis heute. Die frühere Schule lag auf einem künstlich modellierten Plateau. Ihr Abriss war, so die Architekt*innen, weniger eine Frage des Wollens als des Müssens: technisch überholt, räumlich unflexibel. 2020 schrieb die Stadt einen Wettbewerb für den Ersatzneubau aus.
Der realisierte Entwurf bleibt niedrig und zurückhaltend. Als zweigeschossiger Baukörper in L-Form legt er sich flach ins Gelände. Charakteristisch sind die gestapelten, gegeneinander geneigten Pultdächer, die im Obergeschoss fast wie überdimensionierte Gauben wirken. Weit auskragende Traufen verleihen dem Bau nicht nur Robustheit, sondern bieten auch geschützte Außenbereiche. Gleichzeitig machen sie – mit sichtbar geführten Sparren – das konstruktive Prinzip des Holzbaus lesbar.
Lärche und Fichte aus regionaler Herkunft prägen das Tragwerk, organisiert in einem Konstruktionsraster von zwei Metern. Ergänzend kommen punktuell Betonwände sowie Holz-Beton-Verbunddecken zum Einsatz. Die Massivholzwände bleiben teils roh, teils verkleidet. Zusammen mit den großformatigen, nahezu bodentiefen Öffnungen entsteht ein durchgängiger, angenehm tektonischer Ausdruck.
Im Erdgeschoss reihen sich die Einheiten des Kindergartens aneinander – jeweils aus Gruppenraum, Garderobe, Sanitär und Werkstatt bestehend. Darüber liegen die Klassenräume der Grundschule. Deren Erschließung erfolgt vergleichsweise konventionell über Flure entlang der innenliegenden Kante des Baukörpers, mit Fluchtpunkten in Richtung Norden und Osten.
Ein zentraler Baustein des räumlichen Konzepts ist schließlich ein von Atelier Takt (Grenoble) gestalteter „Biodiversitätspark“. Von der L-Form gefasst, markiert er den Eingang und bindet das Schulgelände an den Wald an. Insgesamt umfasst der Neubau 3.700 Quadratmeter Bruttogrundfläche. Dafür investierte die Stadt netto 11,7 Millionen Euro. (gk)
- Architektur:
- Brenas Doucerain Architectes
- Partner:
- Doucerain Lièvre Delziani
- Landschaftsarchitektur:
- Atelier Takt Paysagiste
- Bauherrschaft:
- Stadt Chambéry
- Fläche:
- 3.721 m² Bruttogrundfläche
- Baukosten:
- 11.700.000 € netto




