Zumthors Amöbe
Neubau fürs LACMA in Los Angeles
Zumthors Amöbe
Neubau fürs LACMA in Los Angeles
Nach vielen Jahren der Diskussion und mehreren Umplanungen eröffnete gestern der Neubau für das als LACMA bekannte Los Angeles County Museum of Art. Er entstand nach Plänen von Peter Zumthor und überwindet so manche Selbstverständlichkeit. Das dürfte auch die zahlreichen Kritiker überzeugen.
Peter Zumthor ist berühmt geworden, weil er immer wieder das Gegenteil dessen plant, was man an einem Ort erwarten würde. Weil er Kontraste setzt, Gewohnheiten hinterfragt, bautechnisch herausfordert und beharrlich dranbleibt. Das ist ihm in all den Jahren auch beim LACMA gelungen. Wer Los Angeles kennt, weiß um das Gefühl der Orientierungslosigkeit, mit dem Auto einen nicht enden wollenden Häuserteppich zu durchqueren. Und was macht Zumthor?
Er trotzt dem rigiden Raster mit einer Amöbe und lässt sie über die Straße kriechen. Ach was, nicht irgendeine Straße, sondern über jenen berühmten Wilshire Boulevard, der von Santa Monica nach Downtown L.A. führt und auf 16 Meilen wie keine andere Achse die Entwicklung der Stadt aufzeigt. Auch wenn in der Nachbarschaft des LACMA weitere ambitionierte Kulturbauten zu finden sind – wie zum Beispiel die spacige Kugel von Renzo Piano Building Workshop für das Academy Museum of Motion Pictures –, hat bisher kein anderes Gebäude das Ausscheren aus dem Grundstücksraster gewagt.
Damit nicht genug. Zumthor gelang es, die gesamte Ausstellungsfläche neun Meter über der Straße in einer einzigen, fließenden Ebene anzuordnen. Keine Hierarchie der Räume, keine aufwändige Erschließung. Sondern, wie der Architekt sagt, damit alle Kunst gleich behandelt würde, niemandes Werk in der hintersten Ecke der obersten Ebene versteckt werden könne. Für die Kurator*innen, die bisher einzelne Räume konzipierten, eine Herausforderung. Und eine Riesenchance für die Besucher*innen, sich einfach mal zu verlieren und die Kunst frei auf sich wirken zu lassen. Zum Schutz der Werke vor Tageslicht hat die japanische Textildesignerin Reiko Sudo spezielle Vorhänge entworfen.
Und noch etwas fällt auf. Im glitzernden, an vielen Stellen makellosen und mit Superlativen verwöhnten Los Angeles kommt das neue LACMA bescheiden daher. Kein Schweizer Schleckbeton. Stattdessen Narben und Unperfektheiten. „Die Zeit für raffinierte, glatte Architektur ist vorbei“, sagt Zumthor im Gespräch mit der Los Angeles Times. „Corporate Architecture duldet keinerlei Fehler. Was wir brauchen, ist unverblümte Direktheit. Das ist es, was ich aus Amerika mitnehme. Es ist nicht übermäßig raffiniert. Darauf bin ich stolz …“ Ob er damit auch seine Enttäuschung über das Bauhandwerk in Kalifornien ins Positive argumentiert, muss offen bleiben.
Er trotzt dem rigiden Raster mit einer Amöbe und lässt sie über die Straße kriechen. Ach was, nicht irgendeine Straße, sondern über jenen berühmten Wilshire Boulevard, der von Santa Monica nach Downtown L.A. führt und auf 16 Meilen wie keine andere Achse die Entwicklung der Stadt aufzeigt. Auch wenn in der Nachbarschaft des LACMA weitere ambitionierte Kulturbauten zu finden sind – wie zum Beispiel die spacige Kugel von Renzo Piano Building Workshop für das Academy Museum of Motion Pictures –, hat bisher kein anderes Gebäude das Ausscheren aus dem Grundstücksraster gewagt.
Damit nicht genug. Zumthor gelang es, die gesamte Ausstellungsfläche neun Meter über der Straße in einer einzigen, fließenden Ebene anzuordnen. Keine Hierarchie der Räume, keine aufwändige Erschließung. Sondern, wie der Architekt sagt, damit alle Kunst gleich behandelt würde, niemandes Werk in der hintersten Ecke der obersten Ebene versteckt werden könne. Für die Kurator*innen, die bisher einzelne Räume konzipierten, eine Herausforderung. Und eine Riesenchance für die Besucher*innen, sich einfach mal zu verlieren und die Kunst frei auf sich wirken zu lassen. Zum Schutz der Werke vor Tageslicht hat die japanische Textildesignerin Reiko Sudo spezielle Vorhänge entworfen.
Und noch etwas fällt auf. Im glitzernden, an vielen Stellen makellosen und mit Superlativen verwöhnten Los Angeles kommt das neue LACMA bescheiden daher. Kein Schweizer Schleckbeton. Stattdessen Narben und Unperfektheiten. „Die Zeit für raffinierte, glatte Architektur ist vorbei“, sagt Zumthor im Gespräch mit der Los Angeles Times. „Corporate Architecture duldet keinerlei Fehler. Was wir brauchen, ist unverblümte Direktheit. Das ist es, was ich aus Amerika mitnehme. Es ist nicht übermäßig raffiniert. Darauf bin ich stolz …“ Ob er damit auch seine Enttäuschung über das Bauhandwerk in Kalifornien ins Positive argumentiert, muss offen bleiben.
Das jahrzehntelange Ringen um den Neubau hat aber auch tiefe Spuren hinterlassen. Das 1961 gegründete Los Angeles County Museum of Art (LACMA) gehört zu den größten Sammlungen an der US-amerikanischen Westküste. Es umfasst über 155.000 Werke aus 6.000 Jahren Weltgeschichte. Seit 1965 ist es am Wilshire Boulevard in Los Angeles zu Hause. Dort füllte es einen dreiteiligen Bau von William Pereira samt einer späteren Ergänzung von Hardy Holzman Pfeiffer Associates aus den 1980ern. Dieser Bestand musste dem Neubau weichen. Als 2020 der Abriss begann, war er von Protesten begleitet.
Kritiker*innen behaupten, der Neubau biete weniger Ausstellungs- und bespielbare Wandfläche als der Altbau, wissenschaftliche Funktionen, Büros und Bibliothek sowie Teile der Sammlung müssten auf mehrere Außenstellen aufgeteilt werden. Das LACMA wiederum spricht von „vier veralteten und grundlegend fehlerhaften Gebäuden auf dem Gelände“. Sie seien für Menschen und Kunst nicht mehr sicher gewesen. Eine unabhängige Untersuchung sei zu dem Schluss gekommen, dass die Kosten für die grundlegende Reparatur der vier Gebäude mindestens 246 Millionen US-Dollar betragen hätten und für Verbesserungen noch einmal deutlich mehr Mittel erforderlich gewesen wären.
Kritisiert wurde nicht zuletzt auch der intransparente Planungsprozess: Museumsdirektor Michael Govan hatte mit Peter Zumthor zunächst hinter verschlossenen Türen an dem Projekt gearbeitet, bevor die beiden es 2013 öffentlich machten. 2020 versuchte gar eine Initiative namens „The Citizens' Brigade to save LACMA“, mit einem Ideenwettbewerb eine Debatte über die Bedürfnisse des LACMA und seiner Besucher*innen anzuregen und zu einem neuen architektonischen Ansatz für den Neubau zu kommen. Doch wenig später begann der Bau, für dessen Planung nun offiziell Atelier Peter Zumthor & Partners und Vor-Ort-Partner Skidmore, Owings & Merrill verantwortlich zeichnen.
Die Geldgeber und die Prominenz der Stadt hat all das wenig gestört. Brad Pitt und Diane Keaton sollen sich für Zumthors Entwurf starkgemacht und für die Freigabe der 117 Millionen Dollar aus öffentlichen Mitteln plädiert haben. Der Medienmanager David Geffen, der einst Künstler wie Guns N’ Roses, Elton John, Nirvana und Bob Dylan unter Vertrag hatte, ist der Namensgeber des Neubaus. Seine 150 Millionen US-Dollar zählen als die größte Einzelspende in einer Kampagne, die dem LACMA bisher 875 Millionen einbrachte. Sie alle dürften gestern ein wunderbares Eröffnungsfest gefeiert haben. Am 8. Mai öffnen die Türen für die Besucher*innen. Dann soll auch die Metrostation der Linie D gegenüber in Betrieb gehen.
Kritiker*innen behaupten, der Neubau biete weniger Ausstellungs- und bespielbare Wandfläche als der Altbau, wissenschaftliche Funktionen, Büros und Bibliothek sowie Teile der Sammlung müssten auf mehrere Außenstellen aufgeteilt werden. Das LACMA wiederum spricht von „vier veralteten und grundlegend fehlerhaften Gebäuden auf dem Gelände“. Sie seien für Menschen und Kunst nicht mehr sicher gewesen. Eine unabhängige Untersuchung sei zu dem Schluss gekommen, dass die Kosten für die grundlegende Reparatur der vier Gebäude mindestens 246 Millionen US-Dollar betragen hätten und für Verbesserungen noch einmal deutlich mehr Mittel erforderlich gewesen wären.
Kritisiert wurde nicht zuletzt auch der intransparente Planungsprozess: Museumsdirektor Michael Govan hatte mit Peter Zumthor zunächst hinter verschlossenen Türen an dem Projekt gearbeitet, bevor die beiden es 2013 öffentlich machten. 2020 versuchte gar eine Initiative namens „The Citizens' Brigade to save LACMA“, mit einem Ideenwettbewerb eine Debatte über die Bedürfnisse des LACMA und seiner Besucher*innen anzuregen und zu einem neuen architektonischen Ansatz für den Neubau zu kommen. Doch wenig später begann der Bau, für dessen Planung nun offiziell Atelier Peter Zumthor & Partners und Vor-Ort-Partner Skidmore, Owings & Merrill verantwortlich zeichnen.
Die Geldgeber und die Prominenz der Stadt hat all das wenig gestört. Brad Pitt und Diane Keaton sollen sich für Zumthors Entwurf starkgemacht und für die Freigabe der 117 Millionen Dollar aus öffentlichen Mitteln plädiert haben. Der Medienmanager David Geffen, der einst Künstler wie Guns N’ Roses, Elton John, Nirvana und Bob Dylan unter Vertrag hatte, ist der Namensgeber des Neubaus. Seine 150 Millionen US-Dollar zählen als die größte Einzelspende in einer Kampagne, die dem LACMA bisher 875 Millionen einbrachte. Sie alle dürften gestern ein wunderbares Eröffnungsfest gefeiert haben. Am 8. Mai öffnen die Türen für die Besucher*innen. Dann soll auch die Metrostation der Linie D gegenüber in Betrieb gehen.
Bautafel
- Fertigstellung:
- April 2026
- Architektur:
- Atelier Peter Zumthor & Partners
- In Zusammenarbeit mit:
- Skidmore, Owings & Merrill
- Ausstellungsmobiliar:
- Peter Zumthor
- Tragwerksplanung:
- Skidmore, Owings & Merrill
- Technische Gebäudeausstattung, Lichtgestaltung und Nachhaltigkeit:
- Bruo Happold
- Landschaftsplanung:
- OLIN
- Bauherrschaft:
- LACMA
- Fläche:
- 32.300 m²
- Baukosten:
- 614.000.000 €
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