Schule als Wohnzimmer
White Arkitekter in Enköping
Dem Anspruch, einer Schule den Charakter eines öffentlichen Wohnzimmers zu verleihen, begegnet man oft. Im Fall der Westerlundska Upper Secondary School in Enköping gelang das White Arkitekter (Göteborg u.a.) im Auftrag der Gemeinde durchaus. Vor allem im Inneren strahlt das Gymnasium am Rand der schwedischen Mittelstadt eine einladende und zugleich behagliche Atmosphäre aus – auch wenn man hin und wieder an die Showrooms eines bekannten schwedischen Möbelhauses denken muss.
Der Neubau ersetzt die alte Schule aus den 1970er Jahren, deren Sanierung laut Gemeinde nicht wirtschaftlich tragbar gewesen wäre. Für die rund 1.600 Schüler*innen und gut 200 Mitarbeitenden, die hier seit 2024 lernen und arbeiten, entwarfen White ein recht verzweigtes Gebäude. Auch das ist unter dem Stichwort Lernlandschaft wohlbekannt. Die Anlage über 18.300 Quadratmeter Bruttogrundfläche besteht aus drei verbundenen Baukörpern, die durch ihre Vor- und Rücksprünge zu allen Seiten Eingangssituationen bilden. Richtung Stadt wurde so ein kleiner Vorplatz möglich. Auf der rückwärtigen Südostseite öffnet sich der Bau zu einem Schulpark, der zugleich als Ankunftsort für die Schüler*innen dient.
Von drei Seiten ist auch das gebäudehohe und glasgedeckte Foyer in der Mitte zu erreichen. Hier gelangt man in das Haupthaus sowie die beiden Teamhäuser, wie White die Baukörper beschreiben. Im Erdgeschoss des Haupthauses liegen die Bibliothek – diese direkt am Vorplatz –, die Aula mit gefalteter Decke und ein kleiner, ans Foyer angeschlossener Kiosk. Daneben befinden sich in den ebenerdigen Bereichen der Teamhäuser, zoniert durch zwei große Innenhöfe, ein Makerspace zusammen mit Räumen für Medien, Kunst und weiteren Fachbereichen sowie auf der anderen Seite die Schulküche samt Mensa. Der helle Speise- und Pausensaal dürfte ein Highlight im Alltag der Schüler*innen sein.
Was auf den Fotos als abwechslungsreiche Landschaft daherkommt, wirkt in den Grundrissen etwas unaufgeräumt. So tummeln sich in den Obergeschossen zahlreiche unterschiedliche Lernbereiche: klassische Klassenzimmer (die etwas nüchterner als der Rest geraten sind), kleinere Gruppenräume und offene Zonen. Gegliedert sind sie durch etliche Gänge und Abzweigungen. Um aber die langen, geschlossenen Korridore der alten Schule zu überwinden, so die Architekt*innen, fügten sie über das gesamte Gebäude verteilte „Hangout Spots“ ein.
Entwickelt habe man das Raumkonzept ebenso wie Materialien und Innenausstattung gemeinsam mit Lehrer*innen und Schülerräten, schreiben Kinnarps, die Einrichtungslösungen für Büros, Lernumgebungen und Pflegeeinrichtungen anbieten. Dazu habe man in der alten Schule Ideen etwa in Form von Test-Klassenzimmern ausprobiert. Neben vielen Holzoberflächen – oft ist das hölzerne Tragwerk selbst sichtbar – und sanften Farben kamen Naturstein in der Eingangshalle und Klinkerschindeln innen wie an der Fassade zum Einsatz.
Eine Schule als städtisches Wohnzimmer muss sich natürlich auch effektiv nach außen öffnen. Entsprechend dient die Aula ebenso dem Gemeinderat oder für externe Veranstaltungen. Gleiches gilt für Makerspace und die drei größten Klassenzimmer, die extern angemietet werden können. Die Kantine sei während der Essensausgabe durch eine faltbare Wand abtrennbar, stehe ansonsten aber als offener Raum zur Verfügung – etwa wenn während der Schulferien Sportmannschaften bei großen Turnieren zu Gast sind. In solchen Fällen ist freilich auch die Schulküche gefragt, die zudem nahegelegene Kindergärten und Pflegeheime versorge. (mh)
- Fertigstellung:
- 2024
- Architektur:
- White Arkitekter
- Innenausstattung:
- Kinnarps
- Bauherrschaft:
- Gemeinde Enköping
- Fläche:
- 18.300 m² Bruttogrundfläche