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10.06.2022

Kanadischer Hybrid

Flexibles Parkhaus in Calgary von Kasian und 5468796


Der Ansatz, Parkhäuser mittels eines erweiterten Programms zu etwas angenehmeren städtischen Nachbarn zu machen, gehört spätestens seit Herzog & de Meurons Gebäude in Miami zum Repertoire der gehobenen Architektur. Insofern hat die kürzlich fertiggestellte neue Autogarage von Kasian (Sitz u.a. in Calgary) und 5468796 Architecture (Winnipeg) in Calgary auf den ersten Blick wenig Neues zu bieten. Neben 26.500 Quadratmetern für Pkws gibt es hier eben auch noch ein bisschen Platz für Büros und einige öffentliche Angebote.

Man täte dem Gebäude mit dieser Sichtweise jedoch unrecht. Hinter seiner typischen Parkhausfassade – helle Stäbchen kaschieren eine eher robuste Betonstruktur – versteckt sich tatsächlich mehr. Mitten in Calgary, unweit der Zentralbibliothek von Snøhetta und des National Music Center von Allied Works gelegen, ließ die Stadtverwaltung hier nämlich mit einer interessanten Hybridtypologie experimentieren. Als Grund für den Neubau wird angegeben, dass andere, bisher fürs Parken genutzte Flächen dringend benötigt wurden. Doch weil eine Obsoleszenz solcher rein automobiler Infrastrukturen – zumindest in kanadischen Großstädten – längst absehbar ist, war eine Nachnutzung von den Architekt*innen gleich mitzudenken.

Entstanden ist darum ein Gebäude, das sich mit vergleichsweise geringem Aufwand auch als regulärer Büro- und Gewerbebau umnutzen ließe. Eine ortsspezifische Herausforderung, der sich die Architekt*innen dabei stellen mussten, war die unterirdische Stadtbahn-Trasse, die schräg über das Gelände verläuft. Die Lösung besteht aus einer elliptischen Helix, mit der sich der Tunnel an entscheidender Stelle überbrücken lässt. Auch der langgezogene Innenhof sorgt in dieser Hinsicht für Entspannung. Letzterer ließe sich bei künftigem Bedarf auch gut zu einem geschlossenen Atrium umfunktionieren. Großzügige Geschosshöhen und stützenfreie Querschnitte erlauben eine ganze Bandbreite von anderen Nutzungen.

Ebenfalls mit Blick auf den späteren Gebrauch wurde auf traditionelle Zufahrtsrampen zugunsten von kontinuierlich leicht ansteigenden Geschossdecken verzichtet. Lediglich der Weg vom Erd- ins erste Parkgeschoss muss bis auf weiteres mittels einer temporären Rampe überwunden werden. Nach Beginn der Planung beschlossen die Auftraggeber*innen nämlich, in den unteren beiden Geschossen schon mal ein Innovationszentrum anzusiedeln – quasi als erster Test der versprochenen Flexibilität. Über 4.500 Quadratmeter hinweg finden seither junge Startups verschiedener Größe Platz auf der sanft ansteigenden Spirale. Auch ein Café und allgemein zugängliche Coworking-Bereiche gibt es hier bereits. Für Leben auf Straßenniveau sorgt außerdem noch ein Basketballplatz. (sb)

Fotos: James Brittain


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