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08.05.2024

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Wohnungsbau für Staatsbedienstete

Fink+Jocher in München


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Werkswohnungen erleben in Zeiten angespannter Wohnungsmärkte und Fachkräftemangel aktuell eine gewisse Renaissance. In München errichteten in den letzten Jahren beispielsweise die Stadtwerke oder die Stadt München Wohnraum für das eigene Personal. Dass sich dieser Trend fortsetzt, zeigt das Ende 2023 fertiggestellte Projekt Infanterie 12 des in der Landeshauptstadt ansässigen Büros Fink+Jocher.

Um Wohnraum für Bedienstete des Freistaats zu schaffen, ließ die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Stadibau einen Neubau südlich des Olympiaparks errichten. Wie der Projektname verrät, steht das Haus in der Infanteristraße, ganz im Südwesten Schwabings. Direkter Nachbar und maximaler Antipode zur Infanterie 12 ist der exklusive Wohnungsbau Van B von UNStudio (Amsterdam), der in erster Linie auf Mikroapartments mit multifunktionaler Kompaktmöblierung setzt.

Nach einer Bauzeit von nur eineinhalb Jahren löst der Neubau ein kleineres Wohngebäude ab. Entsprechend wurden hohe Ansprüche an die Nachhaltigkeit des Neubaus gestellt. Diesen begegneten die Architekt*innen unter anderem mit der Aufständerung des gesamten Hauses. Im offenen Erdgeschoss entstanden Flächen für die zehn nachzuweisenden Stellplätze, die zukünftig und bei Bedarf zu Läden oder Ateliers ausgebaut werden könnne, wie die Architekt*innen betonen.

Das Haus bietet auf fünf Voll- und einem Mansardgeschoss 1.280 Quadratmeter Wohnfläche. Vor der Südostfassade steht eine laubengangartig wirkenden Balkonanlage, die private Freisitze für jede Wohnung bietet. Diese vorgelagerte, offene und deutlich artikulierte Zone erinnert nicht zuletzt an das Betonhaus von Fink+Jocher in Neu-Ulm, das vor einigen Jahren im Rahmen des staatlichen Programms „Experimenteller Wohnungsbau“ entstand.

Das Treppenhaus liegt an der Nordwestseite des Hauses. Aus dieser Lage resultieren längliche 2- bis 5-Zimmer-Wohnungen. Horizontale Betonelemente strukturieren die in Grüntönen gehaltene Putzfassade. Die offene Parkebene im Erdgeschoss erstrahlt in einem auffällgen Orange.

Eine Konstruktion aus bis zu 60 Zentimetern starken Ziegelwänden ermöglicht den Verzicht auf ein Wärmedämmverbundsystem und isoliert durch hohe Speicherfähigkeit. Das Fernwärmenetz der Stadt München und die auf dem Dach installierte PV-Anlage versorgen das Gebäude mit Wärmeenergie. Fink+Jocher beziffern die Baukosten (Kostengruppen 200–700) des öffentlich geförderten Neubaus mit 6,3 Millionen Euro.

Text: Kjell Reiter
Fotos:
Michael Heinrich


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Kommentare

13

Max | 14.05.2024 10:07 Uhr

@Frank

Genau da beißt sich die Katze doch in den Schwanz, Frank. Wenn im EG eine Kita eingezogen wäre, müssten die Bewohner ihre Kleinen jetzt nicht irgendwo mit dem Auto hinkutschieren. Wenn die Stadt kompakt und erlaufbar geplant ist, dann ist der Verzicht aufs Auto möglich (und München ist nun wahrlich keine Riesenstadt mit sonderlich weiten Wegen). Aber vermutlich baut die Stadt lieber an anderer Stelle eine freistehende eingeschossige Kita, weil das ja so "besser" für die Kinder ist und es keine Konflikte mit anderen Nutzern gibt...
Im Übrigen erscheint es mir, als wären die Architekten in den Grundrissen dann Geiseln der maximalen Parkraumausnutzung im EG geworden. Das EG ist (im Sinne der Aufgabe) wirklich gut gelöst, aber in den Obergeschossen ergeben sich durch das Treppenhaus an der Brandwand Zwangspunkte, die zu schlauchigen Grundrissen führen. Zwei Wohnungen pro Geschoss hätten ansonsten durchgesteckt sein und damit eine bessere Nachtauskühlung gewährleisten können. Mit Balkonen zur Straße wäre der Blick von dort auch in die Blätter und nicht auf die (fast) fensterlose Nachbarwand gefallen. Nunja, jetzt ist es zu spät.
Und um nicht nur negativ zu sein: Das Gebäude erscheint mir im Detail wirklich gut durchgeplant und sauber ausgeführt, sodass es hier wirklich gezeigt werden darf.

12

FrankTank | 13.05.2024 13:25 Uhr

Stellplatz-Dillema

Ich finde das mit den Stellplätzen im EG auch nicht attraktiv, aber bevor man die Stellplatzsatzung total verdammt (was ja aktuell auch politisch sehr in Mode ist) sollte man sich doch an der Realität orientieren und die lautet nun mal: Selbst in Großstädten mit teils bester und optimalster ÖPNV-Anbindung buchstäblich direkt vor der Haustüre bleibt die PKW-Zahl pro 1000 Einwohner auf hohem Niveau. Das kann man jetzt verurteilen und darüber diskutieren aber die meisten haben dafür halbwegs nachvollziehbare Gründe. Ich hab 10 Jahre lang nur ein ÖPNV-Abo gehabt und wenn nötig ab und zu Carsharing genutzt ( das war so ziemlich durchwachsen) aber dann hat man den KiTa-Platz leider nicht im Stadtteil bekommen und mit dem ÖPNV war das halt kaum darstellbar, also wurde wieder ein Kleinwagen reaktiviert. Hier in Nürnberg wurde letztes Jahr ein zentrales Autofreies Quartier mit fast 400 Wohnungen und nur 30 Parkplätzen fertiggestellt, jeder der da hinzog wusste, dass es da nix zu Parken gibt, wer da aktuell mal hinfährt kann wirklich Realsatire betrachten, da wird verzweifelt jeder Grünstreifen und Gehsteig widerrechtlich zugeparkt, also der Bedarf ist faktisch einfach da.

11

auch ein | 13.05.2024 08:58 Uhr

architekt

die idee der "werkswohnung" ist ja nicht schlecht. aber nur bei privatwirtschaftlichen firmen als "ad-on" für ihre privat angestellten mitarbeiter.

die öffntliche hand (auch wenn sie als gmbh oder ähnliches verwischt wird) sollte mit steuern bezahlte wohnungen auch für alle erreichbar machen.

egal wie sie am schluss aussehen

10

Ein Jammertal | 11.05.2024 12:17 Uhr

diese Bauherren und Architekten

Von Elisabethmarkt bis Infanteriestraße 12,
München schafft sich selbst und seine besten Viertel ab.

Vielleicht mal einen Blick in das Konzept Wiederaufbau in den 1950ern werfen?

An dem Bestandsbau war nichts auszusetzen, daraus hätte man viel machen können.

Münchener Bauherren und Münchener Architekten - und dann so etwas.

9

tobias | 10.05.2024 09:49 Uhr

ich mag keine autos

...

8

peter | 09.05.2024 18:37 Uhr

@ #4

wenn man sich den vorgägerbau auf google und dagegen den neubau anschaut, könnte die frage schnell beantwortet sein. aufstockung des vorgängers wäre angesichts der üppigen mauerstärken mutmaßlich möglich gewesen, aber für eine entsprechende baugenehmigung hätte man vermutlich pkw-stellplätze nachweisen müssen, was unmöglich gewesen wäre.

die stellplatzsatzungen hierzulande waren vielleicht irgendwann mal gut gedacht, aber sie funktionieren nicht, sind in jeder hinsicht schädlich für die stadt und gehören daher abgeschafft. bei einem gut ausgebauten öpnv- und carsharingnetz braucht man diese satzungen einfach nicht mehr. die straßen sind so oder so bis auf den letzten platz zugeparkt, weniger autos tun der stadt nur gut.

7

M. | 09.05.2024 12:32 Uhr

das Gute ist:

Wohnungen gehen in Münlein immer

Und Bedienstete der öffentlichen Hand sind ansonsten auch ganz normale Menschen, die möglicherweise geringfügig schon über größere Vertrautheit mit langen (Amts-) Fluren verfügen.

6

Moppelhuhn | 08.05.2024 18:53 Uhr

Das mit den Autostellplätzen ...

... im Erdgeschoß wird im Text doch angesprochen. Klar ist das unsinnig und das sehen die Beteiligten offenbar auch selber so, deswegen ja der Hinweis darauf, daß ein späterer Umbau zu anderen Nutzungen vorgesehen ist. Aber die Stellplatzablöse ist eben auch eine Einnahmequelle für den Staat ... m.W. gibt es auch Kommunen, die genehmigen keine Stellplätze und kassieren lieber das Geld, aber das will die öffentliche Hand halt bei sich selber nicht machen ...

5

anonym | 08.05.2024 18:32 Uhr

Und das zu dem Preis!

Das sind Baupreise ohne Grundstück von weit über 5000 €/qm WF - beim öffentlich geförderten Bauen! Was war denn da so teuer? Man sieht es nirgends. Das ist nicht abwertend in Bezug auf die Gestaltung gemeint, man fragt sich nur wo das Geld hin ist. Im privaten Bereich ginge das niemals durch. Haben sich die ängstlichen öffentlich bediensteten Bauherren hier fur jede Einzelentscheidung hinter einem teuren Gutachter verstecken müssen? Oder sind doch goldene Wasserhähne verbaut, die hier nicht gezeigt werden?

4

Abriss | 08.05.2024 17:46 Uhr

Wir haben wirklich verloren

Dem Kommentar von 1 kann ich mich nur anschließen- der Blick auf Maps lohnt und lässt einen mit offenem Mund zurück. Von außen betrachtet ist es so garnicht nachvollziehbar, wie man anstelle einer Aufstockung lieber den Neubau (mit Parkplätzen) errichtet hat. Wirtschaftlich kann das nebenbei bemerkt auch nicht sein..

3

schlawuki | 08.05.2024 17:43 Uhr

@1.

na, wer die führungsriege der stadibau kennt und die politischen grabenkämpfe mit der bayernheim, weiß warum es so ist wie es ist.
da nützt auch der gute planername nichts mehr.
und @1 hat es sowas von auf den punkt gebracht.
danke dafür.

2

Sperling | 08.05.2024 16:51 Uhr

Quo Vadis ?

Im Erdgeschoss Autostellplätze ?
Ernsthaft ?

1

Christian Richter | 08.05.2024 16:04 Uhr

Wir haben verloren

Der Abriss eines gar nicht schlechten Bestandsgebäudes (auf Google Maps noch zu sehen) für ein Haus, das sein komplettes Erdgeschoss dem Auto opfert (war da nicht was mit lebenswerten Straßenräumen, Belebung der Stadt, oder so?) ist bei aller fröhlicher Farbe eine absolute Bankrotterkläerung des Bauherrn: der öffentlichen Hand. Wenn diejenigen, die das Bauen zum Wohl der Öffentlichkeit lenken und regulieren sollten, so völlig abgehoben und kontaktlos mit der Wirklichkeit sind, dass statt Sanierung eines würdigen Bestandes eine Parkgarage auf Fußgängerhöhe herauskommt, ist eigentlich alles verloren.

 
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