Wohnungsbau für Staatsbedienstete
Fink+Jocher in München
Werkswohnungen erleben in Zeiten angespannter Wohnungsmärkte und Fachkräftemangel aktuell eine gewisse Renaissance. In München errichteten in den letzten Jahren beispielsweise die Stadtwerke oder die Stadt München Wohnraum für das eigene Personal. Dass sich dieser Trend fortsetzt, zeigt das Ende 2023 fertiggestellte Projekt Infanterie 12 des in der Landeshauptstadt ansässigen Büros Fink+Jocher.
Um Wohnraum für Bedienstete des Freistaats zu schaffen, ließ die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Stadibau einen Neubau südlich des Olympiaparks errichten. Wie der Projektname verrät, steht das Haus in der Infanteristraße, ganz im Südwesten Schwabings. Direkter Nachbar und maximaler Antipode zur Infanterie 12 ist der exklusive Wohnungsbau Van B von UNStudio (Amsterdam), der in erster Linie auf Mikroapartments mit multifunktionaler Kompaktmöblierung setzt.
Nach einer Bauzeit von nur eineinhalb Jahren löst der Neubau ein kleineres Wohngebäude ab. Entsprechend wurden hohe Ansprüche an die Nachhaltigkeit des Neubaus gestellt. Diesen begegneten die Architekt*innen unter anderem mit der Aufständerung des gesamten Hauses. Im offenen Erdgeschoss entstanden Flächen für die zehn nachzuweisenden Stellplätze, die zukünftig und bei Bedarf zu Läden oder Ateliers ausgebaut werden könnne, wie die Architekt*innen betonen.
Das Haus bietet auf fünf Voll- und einem Mansardgeschoss 1.280 Quadratmeter Wohnfläche. Vor der Südostfassade steht eine laubengangartig wirkenden Balkonanlage, die private Freisitze für jede Wohnung bietet. Diese vorgelagerte, offene und deutlich artikulierte Zone erinnert nicht zuletzt an das Betonhaus von Fink+Jocher in Neu-Ulm, das vor einigen Jahren im Rahmen des staatlichen Programms „Experimenteller Wohnungsbau“ entstand.
Das Treppenhaus liegt an der Nordwestseite des Hauses. Aus dieser Lage resultieren längliche 2- bis 5-Zimmer-Wohnungen. Horizontale Betonelemente strukturieren die in Grüntönen gehaltene Putzfassade. Die offene Parkebene im Erdgeschoss erstrahlt in einem auffällgen Orange.
Eine Konstruktion aus bis zu 60 Zentimetern starken Ziegelwänden ermöglicht den Verzicht auf ein Wärmedämmverbundsystem und isoliert durch hohe Speicherfähigkeit. Das Fernwärmenetz der Stadt München und die auf dem Dach installierte PV-Anlage versorgen das Gebäude mit Wärmeenergie. Fink+Jocher beziffern die Baukosten (Kostengruppen 200–700) des öffentlich geförderten Neubaus mit 6,3 Millionen Euro.
Text: Kjell Reiter
Fotos: Michael Heinrich
Im Übrigen erscheint es mir, als wären die Architekten in den Grundrissen dann Geiseln der maximalen Parkraumausnutzung im EG geworden. Das EG ist (im Sinne der Aufgabe) wirklich gut gelöst, aber in den Obergeschossen ergeben sich durch das Treppenhaus an der Brandwand Zwangspunkte, die zu schlauchigen Grundrissen führen. Zwei Wohnungen pro Geschoss hätten ansonsten durchgesteckt sein und damit eine bessere Nachtauskühlung gewährleisten können. Mit Balkonen zur Straße wäre der Blick von dort auch in die Blätter und nicht auf die (fast) fensterlose Nachbarwand gefallen. Nunja, jetzt ist es zu spät. Und um nicht nur negativ zu sein: Das Gebäude erscheint mir im Detail wirklich gut durchgeplant und sauber ausgeführt, sodass es hier wirklich gezeigt werden darf.
die öffntliche hand (auch wenn sie als gmbh oder ähnliches verwischt wird) sollte mit steuern bezahlte wohnungen auch für alle erreichbar machen. egal wie sie am schluss aussehen
München schafft sich selbst und seine besten Viertel ab. Vielleicht mal einen Blick in das Konzept Wiederaufbau in den 1950ern werfen? An dem Bestandsbau war nichts auszusetzen, daraus hätte man viel machen können. Münchener Bauherren und Münchener Architekten - und dann so etwas.