Exklusives Möbelrücken
UNStudio planen Wohnungsbau in München
„Flexibilität ist den Menschen heute wichtiger geworden als schiere Größe,“ schreiben UNStudio über ihr eben vorgestelltes Wohnbauprojekt, das sie in München für die Projektentwickler Bauwerk planen. Der Satz ist nicht nur eine etwas gewagte Behauptung angesichts der Realität des heutigen Immobilienmarktes. In ihm spiegelt sich vor allem ein Designkonzept wider, das die Amsterdamer für das Haus konzipiert haben.
Die circa 40 Quadratmeter kleinen Einzimmerwohnungen in dem Haus mit dem etwas albernen Namen Van B (in Anspielung an Bürogründer Ben van Berkel) sollen nämlich durch verschiebbare Möbelmodule unterschiedlich bespielt werden können. Neun sogenannte Plug-Ins haben die Architekt*innen entworfen, in denen sich nicht nur alltägliche Notwendigkeiten wie (Klapp-)Bett und (Klapp-)Schreibtisch verbergen, sondern auch speziellere Nutzungen wie das Equipment für das tägliche Workout.
Die vorliegenden Visualisierungen zeigen verschiedene Wohnszenarien, in denen jeweils drei ausgewählte Module in einer Reihe hintereinander geschaltet und über Schienen in der Decke geführt werden. Je nach Tageszeit oder Tätigkeit werden die Module aktiviert oder zusammengeschoben. Die unterschiedlichen Settings sollen aus den 40 Quadratmetern gefühlte 60 Quadratmeter machen, hoffen die Architekt*innen. Ein kleiner Balkon und ein Bay Window mit raumhoher Verglasung sollen zusätzlich für eine offene Atmosphäre sorgen.
Das Haus umfasst nicht nur die 90 Einzimmerwohnungen mit ihren Plug-Ins, doch diese dürfen getrost als eigentlicher Clou des Projekts gelten. Die Architekt*innen sprechen von einer wahren Bandbreite an Wohnformen, darunter 28 reguläre Wohnungen mit bis zu knapp 160 Quadratmetern Wohnfläche, 13 Dachwohnungen mit bis zu 172 Quadratmetern Fläche sowie einige dreigeschossige Wohnungen mit Gartenfläche zum Innenhof.
Günstig wird das alles selbstverständlich nicht werden, auch wenn der Standort des Hauses in der Infanteriestraße trotz Nähe zu City und Kreativquartier sicherlich nicht zu den Top-Lagen Münchens zählt. Das Projektvolumen gibt der Bauträger mit 140 Millionen Euro an. Dafür sollen bis 2023 auf dem 2.400 Quadratmetern großen Grundstück insgesamt 142 Eigentumswohnungen entstehen, die zu Preisen zwischen knapp 9.000 und knapp 25.000 Euro pro Quadratmeter verkauft werden, schreibt die Süddeutsche Zeitung.
Wichtiger als die Frage, inwiefern ein solches Haus zur Entlastung des überspannten Wohnungsmarktes beiträgt ist eventuell die Herausforderung, der sich die Early Adopters mit ihren Plug-Ins stellen werden. Denn klingt es nicht unpraktisch, den gesamten Schreibtisch aufräumen und einklappen zu müssen, damit das Multimedia-, Schlaf- oder Fitness-Plug-In aktiviert werden kann? Vielleicht verbirgt sich dahinter jedoch auch das sanft disziplinierende Moment und der möbelgewordene Appell an die digitalen Nomad*innen, endlich Arbeit und Freizeit präziser zu trennen und die viel beschworene Achtsamkeit tatsächlich zu leben. (gh)
Die sind dann froh, dass sie keine Möbel umziehen müssen, dass alles schon da ist. In diesem Lifestyle braucht man dann auch irgendwann keinen Besitz, keine eigene Wohnung und keine "Heimat" mehr.
Und das kann man gleichermaßen sehr kritisch, wie auch positiv sehen.
Als satirisches Projekt sollte es aber auch eindeutig als solches gekennzeichnet werden, damit nicht noch jemand auf die Idee kommt, dass das wirklich gebaut werden könnte.
leidet kann UN-studio auch keinen adäquaten Beitrag zur Wohnbaudiskussion (sofern es die überhaupt gibt) liefern.. dabei gibt es doch im Europäischen Raum einige gute und zeitgemässe Beispiele die nicht nur den Hochglanz-Investorenmarkt bedienen
wie spannend sind doch die alten Projekte aus diesem Büro...
aber Bürogrösse kostet eben Geld.. und da braucht man solche Aufträge für viel "Schein" und wenig "Sein"...
und Van B muß auch Rechnungen bezahlen...
ich frage mich bei dem Projekt schon, ob sich wirklich irgendwer vorstellen kann, so zu wohnen. Vor allem bei Personen, die 9.000-25.000/qm bezahlen können, wage ich das zu bezweifeln. Für mich wirkt das dystopisch.. Ich kann nur hoffen, dass solche Ideen keine Schule machen und womöglich im sozialen Wohnungsbau angewandt werden, wenn sich die Leute nicht wirklich aussuchen können, wie sie leben möchten. Besonders flächeneffizient sind diese Wohnungen außerdem trotzdem nicht mit ihren 40qm... Viel Schein, wenig Sein. Das Problem mit der städtischen Wohnungsknappheit lässt sich mit diesen Rollregalen nicht lösen. Schade auch für die Bewohner, dass man sich nicht ein wenig Individualität über die Einrichtung in die Wohnung bringen kann, wenn so vieles schon vom Architekten festgelegt ist- (wie bei "vom armen reichen Mann" von Loos)
Wenn dem wirklich so sein sollte dann ist das Grundstück wirklich bestens ausgenutzt...