Autark im Kraichgau
Ferienhaus von Schneider Hoffmann Architekten
Gerade einmal 50 Quadratmeter Grundfläche und 61 Quadratmeter Wohnfläche misst dieses Ferienhaus im Kraichgau. In der hügeligen Landschaft im Nordwesten Baden-Württembergs gelegen, entwarfen Schneider Hoffmann Architekten (Karlsruhe) einen Bau, der sich nicht nur formal, sondern auch technisch eigensinnig zeigt: Er funktioniert autark, ohne Anschluss an Strom- und Wasserversorgung. Die private Bauherrschaft wünschte sich zudem ein räumlich vielseitiges Haus, auch diesen Anspruch erfüllt der Entwurf.
Die Architekt*innen nutzten die Hanglage dabei konsequent aus. Drei kleine Ebenen staffeln sich entlang des Geländes, verbunden über eine einläufige, viertelgewendelte Treppe an der Nordseite. Dazwischen öffnen sich immer wieder kleine Lufträume. Im Untergeschoss liegen zwei Schlafzimmer und ein Bad, darüber der Wohn-, Koch- und Essbereich mit Kamin sowie ein weiteres Bad. Die oberste Ebene ist dem Elternschlafzimmer vorbehalten.
Schon in den Grundrissen deutet sich an, dass hier kaum eine Wand einfach nur Wand sein will. Abgerundete Ecken treffen auf schräge Einschnitte, einzelne Wände kippen aus der Orthogonalität. Konsequenterweise entwickelten die Architekt*innen auch die Einbaumöbel selbst.
Die Fotos veranschaulichen die eigentliche Qualität des Hauses: Der Baukörper erscheint wie aus unterschiedlichen Fragmenten zusammengefügt, mit kleinen Dachflächen, Einschnitten, Überständen und präzise gesetzten Fensteröffnungen. Trotz dieser formalen Unruhe wirkt das Haus nicht beliebig. Dazu trägt auch der helle graublaue Kalkputz bei, dessen vertikale Struktur eine gewisse Ruhe schafft.
Konstruktiv ist der Bau massiv. Das Untergeschoss besteht aus Stahlbeton, darüber folgt eine Konstruktion aus Brettsperrholz mit außenliegender Holzfaserdämmung. Im Innenraum kam Lehmputz zum Einsatz, teilweise aus dem Aushub des eigenen Grundstücks gewonnen. Die technische Autarkie lösten die Architekt*innen über eine flächenbündig in die Dachhaut integrierte Photovoltaikanlage und eine Wasseraufbereitungsanlage, die Trinkwasser aus einer Zisterne gewinnt. Das Ferienhaus zählt zu den ersten realisierten Projekten des jungen Büros – und brachte ihm bereits eine Anerkennung beim BDA-Preis max40 ein. (gk)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- Schneider Hoffmann Architekten
- Mitarbeit Architektur:
- Lisa Schneider, Peter Hoffmann (Projektleitung), Ruth Bartelmann, Lina Hadamovsky
- Tragwerksplanung:
- ZRS Ingenieure
- Haustechnik:
- Walter Ingenieure
- Bauherrschaft:
- privat
- Fläche:
- 61 m² Wohnfläche
- Auszeichnungen:
- Anerkennung max40






der Gedanke verdient, dass ich wage,
die These, dass dort Fragmente gefügt
worden seien, zu stellen in Frage:
Denn: Ist es nicht vielmehr so,
dass jede körperhafte Form,
wurd’ offenbar ganz bewusst negiert,
durch eine dazu doch schon eher enorm
beliebig erscheinende Fragmentierung, ohne erkennbare Komposition,
so dass der Gebrauch des Kompositum dem nicht erteilen sollt’ Absolution?
Ich bitte um Nachsicht, sollte der Grund
vermeintlichen Missverstehens allein
meinem mangelnden Verständnis
des Entwurfsgedankens geschuldet sein!
Ich nähme - mit passend kleinem Geist - im Haus dann freiwillig das obere Bett,
und hätte es dort, dank Klein-Geist-Statur,
selbst unter der sehr flachen Schräge noch nett.
Einstweilen bevorzugte ich jedoch,
im Erd(-nahen)Geschoss zu schlafen,
wo Bettstatt und Bad (grundlos fensterlos!?)
im Entwurf sich barrierefrei trafen.
Manch schöne Idee will ich sicher nicht leugnen,
auch Mühe ist deutlich zu sehen,
doch mehr überzeugt hätt‘s mich, könnt’ ich dabei
die „formale Unruhe“ verstehen!
Ohne Not werden hier die Wände über das Dach gezogen. In Briol macht es irgendwie gestalterisch Sinn, nach drei Seiten ein Flachdach zu suggerieren.
Das ist das Ergebnis eines Fokus auf Grafikdesign, gepaart mit der Lust am Provozieren und der Faszination für alles, was von der Norm abweicht. Ein Bullaugenfenster fehlt noch.
Eine der hochgezogenen Mauerkronen verschattet zudem die „flächenbündige“ Photovoltaik. Rudolf Olgiati hätte vermutlich eher eine plastische Lösung für den Kamin entwickelt, anstatt ein Edelstahlrohr notdürftig zu kaschieren.
Auch weitere unpraktische Aspekte wurden bereits zurecht kritisch erwähnt. Den Kleiderschrank bedient man auf der Treppe stehend; vom vermutlich meistgenutzten Ess- und Sitzplatz aus sieht man das Feuer nicht einmal. Direkt neben der Feuerstelle reicht die Verglasung bis auf den Boden. Selbst der Heizungskeller ist größer als die Zimmer.
Alles in allem irgendwie dystopisch – hineinpassen würde noch das Kunstwerk aus „Uhrwerk Apfelsine“.
Aber Bestrebungen nach Schönheit sind ja allgemein verkümmert oder degeneriert, blickt man aktuell nach Venedig.
Leider ist es das, was vielfach gefeiert und gelehrt wird.