Picknick statt Parken
European Prize for Urban Public Space 2026 geht nach Antwerpen
Picknick statt Parken
European Prize for Urban Public Space 2026 geht nach Antwerpen
Seit über 25 Jahren zeigt der vom Centre de Cultura Contemporània de Barcelona (CCCB) verliehene European Prize for Urban Public Space eindrucksvoll, welch großen Einfluss öffentliche Räume auf die Lebensqualität der Städte haben. In diesem Jahr ging er an den Zuidpark in Antwerpen. Auch das Roundabout Baths im spanischen Logroño wurde ausgezeichnet. BauNetz war zur Preisverleihung dabei.
Antwerpen, drei Fotografien desselben Areals: Eindrücklich illustrieren sie, wie wandlungsfähig eine Stadt sein kann: Seit dem 19. Jahrhundert befand sich zwischen Vlaamse- und Waalsekaai ein industriell genutztes Hafenbecken. In den 1960er Jahren wurde es aufgeschüttet und asphaltiert, Autos parkten in langen Reihen. Seit 2024 ist der nunmehr entsiegelte Platz ein Park zum flanieren, spielen und picknicken. Am vergangenen Donnerstag wurde der Zuidpark mit dem European Prize for Urban Public Space 2026 ausgezeichnet.
Tractebel (Brüssel), atelier adr (Genf) und der Schweizer Landschaftsarchitekt Georges Descombes haben die Transformation einer zubetonierten Hitzeinsel in eine grüne Lunge für das umgebende Quartier geplant. Die Jury unter Vorsitz von Eva Prats hatte das Projekt aus 381 Einreichungen aus 38 Ländern ausgewählt. Im September war die Shortlist veröffentlicht worden.
Tractebel (Brüssel), atelier adr (Genf) und der Schweizer Landschaftsarchitekt Georges Descombes haben die Transformation einer zubetonierten Hitzeinsel in eine grüne Lunge für das umgebende Quartier geplant. Die Jury unter Vorsitz von Eva Prats hatte das Projekt aus 381 Einreichungen aus 38 Ländern ausgewählt. Im September war die Shortlist veröffentlicht worden.
Landschaftsgestaltung sei eine Kunst des Überlebens, erklärte der 87-jährige George Descombes bei seiner Dankesrede sichtlich bewegt: „Und wir stehen am Punkt des Überlebens.“ Keine zwei Tage später schrillte in Barcelona eine Katastrophenwarnung vor schwerem Unwetter auf allen Handys – nur knapp zwei Wochen nach einem Starkregen mit außergewöhnlichen Wassermassen, der die Region Anfang Oktober hart getroffen hatte.
Regenwassermanagement und Hitzeschutz stehen mittlerweile ganz oben auf der Freiraum-Agenda vieler europäischer Städte, eng gefolgt von Umweltschutz, Mobilitätswende und sozialer Inklusion. Die inzwischen 13 Ausgaben des European Prize for Urban Public Space zeigen anschaulich, wie die Gestaltung des öffentlichen Raumes diesen multiplen Herausforderungen mit Mehrwert für die ganze Stadtgesellschaft begegnet.
Regenwassermanagement und Hitzeschutz stehen mittlerweile ganz oben auf der Freiraum-Agenda vieler europäischer Städte, eng gefolgt von Umweltschutz, Mobilitätswende und sozialer Inklusion. Die inzwischen 13 Ausgaben des European Prize for Urban Public Space zeigen anschaulich, wie die Gestaltung des öffentlichen Raumes diesen multiplen Herausforderungen mit Mehrwert für die ganze Stadtgesellschaft begegnet.
Und wir stehen am Punkt des Überlebens.George Descombes
Das diesjährige Gewinnerprojekt Zuidpark verwandelte einen leblosen Parkplatz, dessen Asphaltdecke Hitze speicherte und aufgrund der Undurchlässigkeit die Kanalisation belastete, in einen öffentlichen Park: Eine große Wiese, durchsetzt mit drei kleinen Plätzen, Wasserflächen, Sport- und Spielbereichen wird von breiten Wegen und Baumreihen flankiert. Diese Anordnung baut auf der Organisation der ehemaligen Docks auf und verweist auf die Geschichte des Areals. Das Projekt zeige, dass Wassermanagement, historisches Erbe und Landschaftsgestaltung vereint werden können, um einen bleibenden Gewinn für die Stadt zu schaffen, urteilte die Jury.
Außerdem vergab sie in diesem Jahr eine besondere Anerkennung an die Intervention Roundabout Baths in Logroño. Leopold Banchini Architects (Genf) 2025 hatten sie für das Kunstfestival „Concentrico“ entworfen, für nur sechs heiße Sommertage einen Brunnen auf einem Kreisverkehr mit Holzlatten und -paneelen in ein öffentliches Bad verwandelt, in dem sich Menschen erfrischen konnten.
Außerdem vergab sie in diesem Jahr eine besondere Anerkennung an die Intervention Roundabout Baths in Logroño. Leopold Banchini Architects (Genf) 2025 hatten sie für das Kunstfestival „Concentrico“ entworfen, für nur sechs heiße Sommertage einen Brunnen auf einem Kreisverkehr mit Holzlatten und -paneelen in ein öffentliches Bad verwandelt, in dem sich Menschen erfrischen konnten.
Dass das Projekt auch ein Modell für andere Städte sein könnte, betonte Maria Buhigas, Chefarchitektin der Stadt Barcelona, auf der Preisverleihung. Sie habe darüber nachgedacht, welche Brunnen man in Barcelona auf diese Weise umnutzen könnte. In solch einfachen und schnellen Adaptionen des Vorhandenen an neue Bedürfnisse sehe sie ein enormes Potenzial für die urbane Freiraumplanung europäischer Städte. Einmal mehr verwies sie auf die wichtige Rolle öffentlicher Räume für Identität, Verständigung und gelebte Demokratie. „Gut gestaltete Freiräume sind keineswegs eine Selbstverständlichkeit, sondern Resultat stadtpolitischer Prioritätensetzung.“, so Buhigas. Es gelte dabei, auch mal etwas zu wagen und Risiken einzugehen.
Gut gestaltete Freiräume sind keineswegs eine Selbstverständlichkeit, sondern Resultat stadtpolitischer Prioritätensetzung.Maria Buhigas
Das lässt sich gerade an scheinbar „fertig“ gebauten Metropolen wie Barcelona – auch die Neugestaltung der hiesigen Plaça de les Glòries war unter den Finalisten – oder Paris gut beobachten. Unter Führung progressiver Stadtregierungen liefern sie mit teils radikalen Umbauten prominenter Plätze und Straßen, mit Entsiegelung, Begrünung und der konsequenten Verringerung des motorisierten Verkehrs den Beweis, dass sich Klimaanpassung umsetzen lässt, ohne dass dabei Funktionsfähigkeit oder Stadtbildcharakter beeinträchtigt werden.
Zum Thema
publicspace.org
Transparenzhinweis: Die Reise der Autorin wurde unterstützt von CCCB.
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