Modulare Struktur weitergedacht
Umbau der Architekturschule in Nanterre von IT'S
Seit 2004 stand das ikonische Gebäude der École d'Architecture in Nanterre, einem Vorort westlich von Paris, leer. Nun hat sich ein Investor gefunden, der dem Haus von 1972 ein zweites Leben gibt: Der Projektentwickler Eiffage Immobilier gewann 2018 die staatliche Ausschreibung zur Revitalisierung des Komplexes, die Entwürfe stammen von IT'S Architettura (Rom). Beim Umbau blieben 80 Prozent der Bausubstanz erhalten, vor allem die innovative modulare Metallstruktur. Im September 2026 wurde der Komplex neu eröffnet.
Die ursprünglichen Entwürfe für die Architekturhochschule stammten von Jacques Kalisz und Roger Salem. Sie waren unmittelbar nach den Studentenprotesten im Mai 1968 entstanden und spiegelten radikal neue pädagogische Ansätze. Trennwände im Inneren sollten ebenso leicht versetzt werden können wie die Fassadenpaneele in einem System aus geschlossenen oder offenen Elementen. Zudem ging es um eine Öffnung zum Viertel sowie Verbindungen zum angrenzenden Parc André Malraux. Große Freiflächen und öffentliche Passagen durch den Komplex sollten Barrieren zwischen Studierenden und Anwohner*innen vermeiden. Das Haus war zudem Teil eines größeren Kultur-Campus mit dem Théâtre Nanterre-Amandiers und der Pariser Opern- und Ballettschule.
Schon vor der Schließung hatte es Klagen über Bauschäden und mangelhafte Standards gegeben. Die Nationale Hochschulreform 2001, bei der die gesamte Architekturausbildung in der Region Île-de-France neu sortiert wurde, besiegelten das Aus der Hochschule in Nanterre, die anschließend über 20 Jahre lang Verfall und Vandalismus preisgegeben blieb. Die Fotos vom Zustand des Hauses vor Beginn der jetzt abgeschlossenen Sanierung sind beeindruckend.
Die Architekt*innen von IT'S sprechen von einer „urbanen Amnesie“, die den Bau aus dem kollektiven Bewusstsein ausgeblendet habe, während sich seine Umgebung seit der Entwicklung von La Défense erheblich veränderte. Nun fand sich endlich eine neue Nutzung: der „Campus du Parc“ ist Teil der 1995 gegründeten, privaten Hochschulorganisation De Vinci Higher Education, deren Hauptcampus im drei Kilometer entfernten Courbevoie liegt. In Nanterre werden nun 4.500 Studierende in den Fächern Ingenieurwesen, Wirtschaft und Digitales unterrichtet.
Der Entwurf greift zentrale Aspekte des ursprünglichen Gebäudes auf. Da geht es zunächst um die Verzahnung mit dem Park und den öffentlichen Räumen. Die gepflasterten Flächen um den Campus nehmen dessen Wege und Eingänge auf, gehen dann aber ringsum immer mehr in bepflanzte und naturbelassene Flächen über. Der Bau soll ohne Mauern oder Zäune wieder zum Teil des Parks werden. Die Freiflächenplanung stammt von Base Paysage et Urbanisme (Paris).
Auch die Architektur bleibt dem Original treu, entwickelt dieses aber weiter. Der Teil für die Verwaltung wurde strukturell wiederhergestellt und erhielt eine neue Hülle aus spiegelndem Aluminium, Glas und weiß gestrichenen Stahlbauteilen. Die Unterrichtsgebäude bekamen neue Fassadenelemente aus Bambus, womit die „Wärme und die Farben des Parks“ ins Gebäude geholt werden sollen.
In der „Agora“ genannten, großen Halle zwischen den beiden Teilen blieb die alte Stahlstruktur sichtbar, überspannt von einem transparenten Dach aus ETFE-Elementen. Heizung und Kühlung erfolgen über den Fußboden in Kombination mit natürlicher Belüftung, sodass „ideale Temperaturen auch bei Hitzewellen“ erwartet werden.
Die meisten Räume werden natürlich belüftet, die Innenhöfe, Terrassen und Dachflächen in verschiedenen Intensitäten begrünt. PV-Elemente unterstützen die Energieversorgung. Alle neu eingefügten Teile wurden – wie beim Original – vorfabriziert und orientieren sich am ursprünglichen modularen Raster.
Auch das pädagogische Konzept findet seine zeitgenössische Fortsetzung in einer Struktur, die möglichst viele Verbindungen zwischen den Fachbereichen schafft. Von der Agora als Treffpunkt geht es zur Mensa und den größeren Vorlesungs- und Seminarsälen, die sich alle teilen. In der ersten Etage liegen die Büros der Mitarbeitenden, darüber drei Neubauten aus Holz mit Seminar- und Klassenräumen. Diese sind durch doppelte Erschließungskerne und außenliegende Gänge flexibel einteilbar. (fh)
- Architektur:
- IT'S
- Bauherrschaft:
- Eiffage Immobilier
- Nutzer:
- Da Vinci Higher Education
- Landschaftsarchitektur:
- Base
- Tragwerk und Fassadenplanung:
- RFR
- Akustik:
- Lasa
- Lichtplanung und Infrastruktur:
- Betom
- TGA, Klima und Nachhaltigkeit:
- Artelia
- Fläche:
- 18.000 m² Gross Floor Area




