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11.10.2018

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Datierbare Zeitlosigkeit

Dom-Römer-Haus in Frankfurt von Morger Partner Architekten


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Ist es nach all den vielschichtigen und weitreichenden Diskussionen um das Dom-Römer-Projekt in Frankfurt überhaupt möglich, den Blick einfach nur auf ein einzelnes Gebäude zu richten? Unter den Neubauten gibt es mit dem „Alten Kaufhaus“ von Morger Partner Architekten jedenfalls ein Projekt, das souverän mit der zwiespältigen Bauaufgabe umgeht. Die Basler möchten mit strukturellen Bezügen an die Geschichte des Viertels anknüpfen, anstatt einfach nur mit dekorativen Mitteln zu arbeiten. Schon in den über 100 Kommentaren zum Wettbewerb 2011 hatte das Vorhaben viel positive Zustimmung bekommen.

Der Entwurfsansatz zeichne sich durch eine Architektursprache der datierbaren Zeitlosigkeit aus, wie es in der Beschreibung heißt. Zeitlos vermutlich, weil hier abstrahiert die typischen Fassadenvorsprünge der alten Fachwerkhäuser aufgegriffen werden. Und datierbar, weil trotzdem von der Fenstersetzung über die Materialität der Fassade bis zu den konstruktiven Details klar ist, aus welchem Jahrzehnt die Architektur stammt. Dass das Ergebnis dieses gestalterischen Spagats am Ende trotzdem ein wenig den 80ern aussieht, darf wohl als Ironie der Geschichte gelten.

Ziemlich retro-postmodern wirkt auch die zweite Fassade im Norden, bei der im Erdgeschoss eine Spolie aus dem 18. Jahrhundert integriert wurde. Die hatte man 1906 bei den Abrissen von Teilen des Viertels zugunsten der neuen Braubachstraße sichergestellt. Mit dem Erdgeschoss aus rotem Sandstein und dem dunklen Schieferdach folgt die Architektur ansonsten den Gestaltungsvorschriften, der rote Kratzputz der Obergeschosse ist eine Setzung der Architekten. Konstruktiv besteht das Haus aus einem 49 Zentimeter starken Einsteinmauerwerk, was man auch an den speziell entwickelten tiefen Kastenfenstern sehen kann.

Hinsichtlich seiner Nutzung bietet das Gebäude, dessen Name „Altes Kaufhaus“ sich auf den historischen Vorgänger bezieht, die für das neue Viertel typische Mischung aus Ladenlokalen im Erdgeschoss und Wohnungen in den oberen Stockwerken. Die Geschäfte geben sich dabei ziemlich verschlossen, am Markt wird nicht mal ein Schaufenster geboten und im Norden versteckt sich der Raum hinter der Spolie. Es dürfte interessant werden, welche Nutzungen sich in den kleinen Räumen fast ohne Lagerfläche auf Dauer etablieren. Ein Untergeschoss gibt es übrigens nicht, dort liegt die alte Tiefgarage aus Zeiten des Technischen Rathauses.

Den oberen Teil des Volumens über der schmalen und langgezogenen Parzelle organisieren die Architekten um einen Innenhof herum. Die beiden kleinen Wohnungen erstrecken sich jeweils auf einer der beiden unteren Etagen, die beiden oberen Geschosse sind einer großzügigen Maisonettenwohnung zugeschlagen. Die Grundrisse mit den tiefen Fenstern verleihen dem Haus dabei einen leicht hermetischen Charakter, aber zumindest lassen sich so vermutlich die Touristenhorden vor der Tür besser ertragen. (sb)

Fotos: Steffen Kunkel


Zum Thema:

Mittelalter auf Stahlbeton: mehr zur neuen Altstadt in Frankfurt auch in der Baunetzwoche#519


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