Dom/Römer-Bebauung
Wettbewerb in Frankfurt entschieden
Die Stadt Frankfurt schreitet unbeirrt voran bei dem Vorhaben, zwischen Dom und Römer eine neu-alte Altstadt zu simulieren, die durch den 2010 erfolgten Abriss des Technischen Rathauses möglich wurde. Nach einem Masterplan, den eine Planungswerkstatt aufgestellt und ein Gestaltungsbeirat begleitet hat, sollen auf historischem Stadtgrundriss und historischen Parzellen – allerdings über einem gemeinsamen Tiefgaragensockel – Neubauten errichtet werden, eine Reihe davon als Rekonstruktion der verlorenen Vorgängerbauten.
Dazu wurde jetzt ein Architekturwettbewerb durchgeführt. Dafür waren aus 170 Bewerbungen 38 Büros ausgewählt worden; zusätzlich wurden 18 gesetzt. Nach einer zweitägigen Preisgerichtssitzung wurden die Ergebnisse des Wettbewerbs gestern veröffentlicht. Dazu sichtete die Jury unter Vorsitz von Christoph Mäckler insgesamt rund 190 Vorschläge und vergab parzellenweise 24 erste und zwölf zweite Preise sowie 13 Anerkennungen:
Hühnermarkt 22 (optionale Rekonstruktion)
1. Preis: Prof. Hans Kollhoff Generalplanungs GmbH, Berlin
Hühnermarkt 24 (optionale Rekonstruktion)
1. Preis: Eckert Negwer Suselbeek ENS Architekten, Berlin
2. Preis: Karsten K. Krebs Architekten, Hannover
Anerkennung: Klaus Theo Brenner Stadtarchitektur, Berlin.
Markt 26 (optionale Rekonstruktion)
1. Preis: Eingartner Khorrami Architekten, Leipzig
Anerkennung: jessenvollenweider, Basel
Anerkennung: Johannes Götz und Guido Lohmann, Köln
Markt 28 (optionale Rekonstruktion)
1. Preis: Helmut Riemann Architekten GmbH, Lübeck
Anerkennung: Jourdan & Müller Projektgruppe Architektur und Städtebau, Frankfurt am Main
Markt 30
1. Preis: Morger + Dettli Architekten, Basel
Anerkennung: Eckert Negwer Suselbeek ENS Architekten, Berlin
Markt 32
1. Preis: Tillmann Wagner Architekten, Berlin
2. Preis: Helmut Riemann Architekten GmbH, Lübeck
Markt 34
2. Preis: Francesco Colloti Architetto, Mailand
2. Preis: von Ey Architektur, Berlin
Markt 36
1. Preis: dreibund architekten, ballerstedt, helms, koblank,
Bochum
Markt 38
1. Preis: Michael A. Landes Architekt, Frankfurt am Main
Markt 40
Kein Preis vergeben
Braubachstraße 29
1. Preis: knerer und lang Architekten GmbH, Dresden
2. Preis: Meurer Architekten Stadtplaner Ingenieure, Frankfurt am Main
Anerkennung: Prof. Hans Kollhoff Generalplanungs GmbH, Berlin
Braubachstraße 27 (optionale Rekonstruktion):
1. Preis: Bernd Albers, Berlin
2. Preis: Michael A. Landes Architekt, Frankfurt am Main
2. Preis: Van den Valentyn Architektur, Köln
Braubachstraße 25
1. Preis: Eckert Negwer Suselbeek ENS Architekten, Berlin
Braubachstraße 23
1. Preis: Eingartner Khorrami Architekten, Leipzig
Rebstock-Hof 2
1. Preis: Meurer Architekten Stadtplaner Ingenieure, Frankfurt am Main
2. Preis: Prof. Hans Kollhoff Generalplanungs GmbH, Berlin
Markt 8
1. Preis: Jordi & Keller Architekten, Berlin
2. Preis: Helmut Riemann Architekten GmbH, Lübeck
Markt 10
1. Preis: von Ey Architektur, Berlin
Markt 12
1. Preis: dreibund architekten, ballerstedt, helms, koblank, Bochum
Anerkennung: Winking Froh Architekten, Berlin
Markt 14
1. Preis: Eingartner Khorrami Architekten, Leipzig
1. Preis: Johannes Götz und Guido Lohmann, Köln
2. Preis: jessenvollenweider, Basel
Hühnermarkt 16
1. Preis: Van den Valentyn Architektur, Köln
Anerkennung: Michael A. Landes Architekt, Frankfurt am Main
Hühnermarkt 18 (optionale Rekonstruktion)
1. Preis: dreibund architekten, ballerstedt, helms, koblank, Bochum
2. Preis: Winking Froh Architekten, Berlin
Hühnermarkt 20 (optionale Rekonstruktion)
1. Preis: von Ey Architektur, Berlin
Neugasse 4
2. Preis: Bernd Albers, Berlin
Markt 7
Anerkennung: Eckert Negwer Suselbeek ENS Architekten, Berlin
Anerkennung: Morger + Dettli Architekten, Basel
Markt 9
1. Preis: dreibund architekten, ballerstedt, helms, koblank, Bochum
Anerkennung: Winking Froh Architekten, Berlin
Markt 11 (optionale Rekonstruktion)
1. Preis: von Ey Architektur, Berlin
Markt 13 (optionale Rekonstruktion):
1. Preis: Walter A. Noebel, Berlin
Anerkennung: Christoph Kohl Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin
Anerkennung: Helmut Riemann Architekten GmbH, Lübeck
Das Preisgericht kam zu dem Ergebnis: „Die in die engere Wahl genommenen Arbeiten zeichnen sich durch eine städtebaulich vermittelte besondere architektonische Qualität aus. Diese gründet in der typologischen Beziehung auf den parzellenbezogenen Hauszuschnitt, in der thematischen Spannweite der Interpretationsmöglichkeiten des historischen Kontexts, sowie in einer bis ins Konkrete gebaute Detail nachvollziehbaren plausiblen Gestaltungsabsicht.
Es handelt sich um individuelle Häuser, die in Zuschnitt, Gliederung, Materialität und kleinmaßstäblicher Durchbildung ein differenziertes Ensemble erzeugen und der neuen Stadttextur zu einer in Relief und Oberfläche plastisch und räumlich erlebbaren Erscheinung verhelfen.
Denjenigen Arbeiten, die diese Bedingungen durch ein in allen Maßstabs- und Bedeutungsebenen stimmiges Gestaltungskonzept übersetzen und mit selbstverständlicher Souveränität städtebaulich und architektonisch konkretisieren, wurde der erste Preisrang zuerkannt.“
Für das benachbarte Gelände „Stadthaus am Markt“ und „Archäologischer Garten“ ist ebenfalls ein Wettbewerb durchgeführt worden (siehe BauNetz-Meldung vom 11. Januar 2010), den Bernhard Winking gewonnen hat. Beauftragt wurde aber mittlerweile das im Wettbewerb viertplatzierte Büro Meurer Architekten + Stadtplaner (Frankfurt).
Ich bin echt platt. Soviel Engagement würde man sich vor dem Brunnenfall des Kindes wünschen... Frohe Lebenszeit! Otto
Das habe ich nie gemacht. Die meisten Architekten wissen doch ganz genau, was sie tun - und warum sie es tun. Nicht fehlende Kompetenzen sind das Problem, sondern ideologische Verblendung. Hatte ich aber eigentlich ausführlich beschrieben. Ich habe mir von mehreren angehenden Architekten berichten lassen, wie die Gehirnwäsche im Architekturstudium verläuft - in diesen Wahnsinn werde ich mich mit Sicherheit nicht hineinbegeben. Ebenso werde ich nun Akkis Ratschlag folgen und mich aus der fruchtlosen Diskussion zurückziehen, die stichhaltige Argumentation eines "Laien" ist hier ja nicht erwünscht. Arroganter gehts nimmer.
wenn wir zwei uns wenigstens ein bisschen versöhnlich am schluss zeigen, hat die diskussion vieleicht doch etwas gebracht! ;) ich denke, sie wie ich auch, mögen den ehrlichen schlagabtausch. ich bin mir sicher, dass sowohl in ihrer meinung etwas von der anderen seite mitschwingt, wie in meiner. und so lange, wie wir uns fair streiten, sollten wir das auch tun. ich mache das mit vergnügen. nicht, um anderen ihre meinung abstreitig machen, sondern weil ich überzeugt bin, alleine aus aneinander reiben kann was neues entstehen! also: auch ich kann die enttäuschung vieler menschen verstehen, die sich nach bedeutung in dem ausdruck ihrer gebauten umwelt sehnen. allzuoft ist die realität, die, das unter unmenschlichen kostendruck und scheuklappigen blick ein derartiger mittelmaß unsere städte verunstaltet, dass man sich nach der qualität und sorgsamkeit von traditionellem bauen sehnt. (nichts anderes macht sich ja auch an dem erfolg von firmen manufactum fest.) inwieweit wir an tradierten formen des bauens anknüpfen können, liegt sicher auch in der hand von unserer generation. das das ausgedörrte fahrwasser der pseudo-modernisten oder das formalismus-gehampel eines jürgen meyer h. dies nicht sein kann, darüber sind wir uns einig. vielleicht ist das stück dichte, sorgsam gestaltete stadt, dass ein solcher wettbewerb liefert, also genau der ansatzpunkt, den sich unsere architekten-generation stellen sollte. ich bin offen für alle gute wege. (und suche selbst auch nach einem solchen.) ich revidiere also tatsächlich meine anfangs etwas polemischen worte und frage nach dem weg. wie sollen wir bauen in der zukunft? bestimmt nicht, da gebe ich ihnen recht, einfach so weiter wie mies und corbusier. aber, m.e. auch nicht wie krier. wir sollten, anstatt zu streiten, überlegen, wie wir wieder eine menschengerechte (menschenakzeptierte!) form der baukultur schaffen, die ihren anklang in "dem volk" findet, genauso wie in der fachwelt. ich glaube, andere, verwandte, disziplinen sind da tatsächlich (etwas) weiter. ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass wir es schaffen können, in der formsprache und mit der technik von heute, etwas zu schaffen, dass den leuten wieder so etwas wie heimat gibt. sehe das allerdings momentan weder bei JMH noch bei nöfer (tatsächlich am ehesten noch bei kollhoff und mäckler, aber auch bei HdeM und chipperfield, z.B.). eine einfache resignation vor dem 20. jhdt und eine rückkehr ins 19. kann es nicht sein, ebenso wenig wir blindes vertrauen in eine utilitäre haltung a la foster, d`accore! also, auf zu neuen ufer! ich selbst kenne mäckler, nöfer, von ey, dudler, kleihues aus persönlicher erfahrung. und gerade deshalb nehme ich mir heraus, etwas zu überspitzen, dann und wann. wir sollten den spass an der sache nicht vergessen, bei allem ernst, den die gebaute umwelt gebietet! lasst uns weiter streiten, aber das neue stehts im blick! gruß die rauke der diese diskussion -trotz allem- seit langem mal wieder großen spass bereitet
Etwas Versöhnliches zum Schluß, nur an Sie gerichtet: Sie schreiben doch absolut vernünftige Sätze zwischendurch: nicht auch die gedanken getippt zu haben, die "pro" der gezeigten fassadenlösungen sind. vielleicht hätte sich so auch das ein oder andere auf der anderen seite bewegt. Bestimmt hätte es das ! Es ist ja nicht so, dass man die Entwürfe nicht kritisieren dürfte. Dazu muss man jedoch erstmal generell einen zumind. grob gestrickten Konsens finden, und nicht mit Plumpsklo-Zuckerbäcker-Weltkriegverleugnen-Argumenten einen Entwurfsansatz sofort totschlagen, der schliesslich (hier) nur ein kleines Eckchen Frankfurt betreffen wird. In 97% moderner Stadt einmal 3 % Traditionelles zulassen, oder wie auch immer die prozentuale Verteilung aussehen mag. Wenn man diesen Konsens hat, darf man sicher fragen, ob der Kollhoff-Entwurf für den Hühnermarkt 22 an dieser Stelle richtig ist, welches Zeitfenster der Bestandsbebauung der Betrachtung zugrunde liegen sollte, ob es am Römer-Berg evt. besser ist, komplett zu Rekonstruieren, oder, wenn Abstrahierung erlaubt ist, in welchem Masse man diese freigibt, ob dies dann für alle Parzellen gelten muss, oder gemischt werden darf, usw. Ihr Ausblick auf eine komplett restaurierte, und sodann evt. nicht mehr strahlende Vergangenheit wäre sicher ebenfalls eine Diskussion wert, auch wenn ich in diesem Punkte ebenfalls anderer Meinung bin. Kaum einer von uns bösen Traditionalisten ist so geboren, wie er sich nun gibt. Schauen Sie mal, welche Thesen Kollhoff, Noebel usw. früher (als es jedoch die Schriften/Entwürfe von Krier längst gab) in aller Rigorosität vertreten haben. Jeder darf sich ändern, in die eine oder andere Richtung, sollte die eigene Vergangenheit nicht verleugnen und sich berechtigter Kritik stellen. Deshalb ist mir Ihr an die eigene Nase fassen so sympathisch. Aber bitte erst, nachdem ein grober Rahmen aus Toleranz Grundlage ist. Dies kann in dieser Diskussionsrunde nicht mehr geschehen.