Teich für Vitra
Bureau Bas Smets in Weil am Rhein
Als gewöhnlicher Industriestandort in den 1950er Jahren eröffnet, wurde der Vitra Campus in Weil am Rhein erst nach einem Brand im Jahr 1981 zu jenem architektonischen Ausnahmeort, als der er heute gilt. Statt die zerstörten Gebäude einfach wieder aufzubauen, lud der Möbelhersteller internationale Architekt*innen ein, auf dem Gelände neue zu entwerfen. Über Jahrzehnte entstand so ein bemerkenswertes Ensemble aus Produktion, Verwaltung und Kultur – mit Gebäuden der Crème de la Crème der Szene.
Der Erfolg des architektonischen Experiments hatte allerdings eine Kehrseite, die man auf den ersten Blick nicht unbedingt bemerkt – die Landschaft geriet ins Hintertreffen. Der Ausbau zum Architekturcampus hinterließ einen stark versiegelten Ort, obwohl sich hier vor der Entstehung des Werks ein weitläufiger Garten mit zahlreichen Bäumen befand.
Seit einiger Zeit arbeitet der Campus an einer ausgewogeneren Balance zwischen Architektur und Natur. Bereits 2020 legte Piet Oudolf einen Garten mit Wildstauden und Gräsern an. Seit 2024 läuft die Umsetzung eines Masterplans des Brüsseler Bureau Bas Smets. Dieser sieht vor, das 25 Hektar große Areal klimaresilient weiterzuentwickeln: Versiegelte Flächen sollen reduziert, Grünräume erweitert und Hitzeinseln gemildert werden. Mit dem kürzlich fertiggestellten Water Garden fand jetzt zum erstem Mal das Element Wasser Platz auf dem Campus.
Der Teich legt sich nierenförmig um das von Frank Gehry entworfene Vitra Design Museum und fügt sich in die bestehende Wegeführung ein. Wasserpflanzen und Gehölze säumen das Ufer, die Anlage soll neue Lebensräume für Tiere schaffen. Der Teichaushub wurde vor Ort weiterverwendet und zu einer Böschung modelliert, die den Garten von der Straße abschirmt. Das Konzept ergänzend sind rund 8.000 Jungbäume vorgesehen, die langfristig kleine Waldflächen auf dem Campus bilden sollen.
Für Aufmerksamkeit dürften drei Keramikskulpturen im Wasser sorgen. Designerin Hella Jongerius schuf mit „Die drei Grazien“ einen Springbrunnen aus expressiven Haifischköpfen, die auf die Bedrohung von Tierarten verweisen sollen. Die Arbeiten sind Teil einer aktuellen Ausstellung zu Jongerius’ Gesamtwerk und bleiben anschließend als dauerhafte Installation im Teich. Der bestehende Skulpturenpfad wird durch die Neugestaltung erweitert. Gleich neben dem Water Garden stehen die „Balancing Tools“ von Claes Oldenburg und Coosje van Bruggen, die 1984 als erstes Kunstobjekt auf das Gelände kamen. Nun ergänzen eine Sitzbank des 2023 verstorbenen Balkrishna Doshi und das „Maison Démontable 4x4“ von Jean Prouvé den Rundgang um das Wasser. (gk)
- Fertigstellung:
- 2026
- Landschaftsarchitektur:
- Bureau Bas Smets
- Design Springbrunnen:
- Hella Jongerius
Interview mit Bas Smets bei BauNetz interior|design



