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14.06.2019

Wissensspeicher in Hanglage

Bibliotheksdepot von Link-Arc in Shenzhen


Die Sonderwirtschaftszone Shenzhen in Südchina ist laut den Vereinten Nationen eine der am schnellsten wachsenden Stadtregionen der Menschheitsgeschichte. Mitte des 20. Jahrhunderts lebten in dem Dorf ca. 3.000 Einwohner, im Jahr 2000 offiziell gut 7 Millionen, inzwischen über 12 Millionen. Die architektonische Qualität konnte mit dieser Entwicklung allerdings nicht so ganz Schritt halten. Doch seit einiger Zeit macht die Metropole der Superlative auch mit anspruchsvolleren Projekten auf sich aufmerksam, so das Kulturzentrum von Mecanoo, eine Bibliothek von MLA+ oder die geplanten Hochhäuser von Foster + Partners oder Adrian Smith + Gordon Gill Architecture.

Aktueller Neuzugang ist das Bibliotheksdepot der privaten China Resources University, die vom chinesisch-US-amerikanischen Studio Link-Arc (New York) stammt. Erst kürzlich hatten die Architekten in der Stadt schon eine gigantische Schule realisiert. Das Gebäude mit 9.000 Quadratmetern Grundfläche dient der Lagerung der physischen und digitalen Bestände, will aber mehr sein als ein schlichtes Depot: Mit Galerien und Begegnungsräumen möchten die Architekten kulturelle Veranstaltungen fördern sowie Platz schaffen für das gesellschaftliche Zusammenleben auf dem Universitätscampus.

Das Bibliotheksdepot erstreckt sich über acht Etagen entlang der im Osten stark abfallenden Topografie. Auf dem Gipfel des Hügels präsentiert sie sich aber zunächst als moderater, zweistöckiger Bau. Die Fassaden sind mit grauen Ziegeln verkleidet und in drei gestalterischen Varianten ausgeführt: Als solide Wand, als durch herausragende Backsteine strukturierte Fläche sowie als teilweise durchlässige Wand. Letztere bringt nicht nur Licht ins Innere, sondern lässt das Gebäude abends diffus erstrahlen. Die auf der Straßenfassade stärker geschlossene Kubatur des Baus wird auf der Hangseite durch diagonale Einschnitte und große Fensterflächen aufgelöst. Mit einer prägnanten öffentlichen Außenrampe verbindet der Bau den Campus mit dem Wohnquartier am Fuße des Hügels.

Im kühl-minimalistisch gestalteten Innenraum befinden sich in der Hauptetage im 6. Obergeschoss neben den Verwaltungsbüros zwei große Ausstellungshallen und eine Terrasse mit spektakulärem Ausblick. Das offene Foyer besitzt eine Lounge, die den Studierenden als Treffpunkt dienen soll, in der obersten Etage gibt es weitere Ausstellungs- und Konferenzräume. Und die in den Hang gebauten, fensterlosen Etagen bieten schließlich die bestmöglichen klimatischen Bedingungen für die Lagerung der Bücher und Dokumente. (stu)

Fotos: Shengliang Su


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