01.06.2022

The Laboratory of the Future

Updates zur Architekturbiennale in Venedig 2023

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Lesley Lokko und Venedig

Die Kunstbiennale in Venedig läuft gerade mal seit etwas mehr als einem Monat, aber so langsam richtet sich der Blick der Verantwortlichen schon wieder aufs nächste Jahr. Gestern wurden in Venedig von Lesley Lokko, Kuratorin der kommenden 18. Internationalen Architekturausstellung, Titel und Thema für 2023 vorgestellt. In den Giardini ebenso wie im Arsenale wird sie mit „The Laboratory of the Future“ auf den afrikanischen Kontinent fokussieren.

Bei der Pressekonferenz im Biennale-Sitz Ca' Giustinian betonte Lokko die verschiedenen Ebenen ihres Konzepts. Einmal sei Afrika tatsächlich ganz konkret ein Zukunftslabor. Nicht nur, weil hier die drängenden globalen Probleme schon jetzt sehr viel greifbarer sind als anderswo. Sondern auch, weil es sich um den hinsichtlich seiner Bevölkerung jüngsten Kontinent handelt. Ein hoher Grad an Resilienz zeichne außerdem die dortigen Menschen und Gesellschaften aus, so Lokko, was nicht zuletzt mit Blick auf die anhaltend starke, oftmals chaotische Urbanisierung von Bedeutung sei. Das Thema globale Gerechtigkeit ebenso wie antikoloniale und antirassistische Perspektiven spielen weitere wichtige Rollen.

Die zweite Ebene besteht für Lokko in der Interpretation der Biennale selbst als Labor. Lokko möchte in Venedig nicht nur exemplarische Projekte zeigen, sondern Praktiker*innen aller raumbezogenen Disziplinen in einer Werkstatt für kreativen Austausch zusammenbringen. Präsident Roberto Cicutto betonte in diesem Kontext noch die Bedeutung des Dialogs mit dem Publikum, den die Biennale in den letzten Jahren ohnehin schon mit verschiedenen Bildungsformaten deutlich ausgebaut hat. Dass nicht jeder Dialog zwischen Menschen und Kulturen vollkommen eindeutig sein muss, um sich trotzdem als fruchtbar zu erweisen, beschrieb er mit einem Zitat aus Umberto Ecos Lectio Magistralis.

Auch bezüglich der nationalen Pavillons gab es in den letzten Wochen Neuigkeiten. So werden sich für die Schweiz die Künstlerin Karin Sander und der Kunsthistoriker Philip Ursprung unter dem Titel „Neighbourhood“ mit dem benachbarten Venezolanischen Pavillon von Carlo Scarpa beschäftigen. Scarpa unterhielt enge Beziehungen zu Bruno Giacometti, dem Architekten des Schweizer Pavillons, weshalb sich hier in mehrererlei Hinsicht ein interessanter Austausch abzeichnet. Fest stehen außerdem Mária Kondor-Szilágyi für Ungarn, Jayden Ali, Sumitra Upham, Meneesha Kaur Kellay und Joseph Henry für Großbritannien sowie Josephine Michau für Dänemark – Details in der Bildgalerie.

Neuigkeiten zu den Kurator*innen des Deutschen Pavillons sind hingegen noch keine bekannt. In der Zwischenzeit gibt das Institut für Auslandsbeziehungen aber mit seinen Biennale-Stories interessante Einblicke in die Geschichte der deutschen Venedig-Präsenz. Der Fokus liegt primär auf der Kunst, in der zweiten Ausgabe „Abreißen, Aufarbeiten, Aushalten“ werden aber auch die Vergangenheit und Gegenwart des Gebäudes diskutiert. Der Beitrag stammt von Avital Greenshpon und Ferdinand Knecht, die im letzten Jahr vor Ort für die Vermittlungsarbeit des deutschen Beitrags verantwortlich waren. (sb)