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13.01.2026

Leise Landmarke

Leuchtturm am Genfer See von Bureau


Die Typologie „Leuchtturm“ taucht bei BauNetz so gut wie nie auf. Das hat Gründe: Erstens werden Leuchttürme heute kaum noch neu gebaut. Zweitens handelt es sich meist um Zweckbauten, rot-weiß gestreift, massiv, fern jeder architektonischen Ambition. Ein Positivbeispiel steht seit Kurzem am Genfer See, genauer gesagt in Genf an der Grenze zur Gemeinde Cologny. Dort realisierte Bureau (Genf/Lissabon) mit dem Leuchtturm Ylliam einen Neubau, der sich bewusst von gängigen Bildern löst.

Auftraggeberin ist die Société Nautique de Genève (SNG), mit rund 4.500 Mitgliedern der größte Yachtclub der Schweiz. Um die Nordmole des Clubhafens mit etwa 1.000 Liegeplätzen besser zu markieren, lobte die SNG 2021 einen Wettbewerb aus. Übrigens: Wie alle Grundstücke am Seeufer in Genf gehört auch dieses der Stadt und wird lediglich vom Club gepachtet. Der Standort am Ende der Mole liegt rund 500 Meter von der öffentlichen Promenade entfernt und ist nur für Vereinsmitglieder zugänglich.

Der Entwurf von Bureau umfasst rund 160 Quadratmeter Bruttogrundfläche und gliedert sich in drei Schichten, die sich von transparent zu massiv steigern. Den oberen Abschluss bildet eine rund 15 Meter hohe, filigrane Struktur aus Chromstahl und einem feinen Stahlseiltragwerk. An ihrer Spitze sitzt das Leuchtfeuer. Die Architekt*innen verweisen auf die hyperboloiden Tragwerke von Wladimir Schuchow. Formale Parallelen zum Stanislaw-Adschihol-Leuchtturm an der ukrainischen Dnepr-Mündung sind kaum zu übersehen.

In unmittelbarer Nähe zum Neubau befindet sich mit dem Phare des Pâquis ein historischer Leuchtturm aus dem späten 19. Jahrhundert, der die Einfahrt in die Rhône markiert. Nachts übernehmen beide Bauwerke gemeinsam die Navigationsfunktion. Tagsüber hingegen gibt sich der Neubau als zurückhaltende Landmarke. 

Unterhalb der Stahlfigur liegt eine rundum verglaste, achteckige Wettfahrtkabine. Von hier aus überwachen Wasserschiedsrichter*innen bei Regatten das Geschehen auf dem See. Der Sockel darunter nimmt Technik- und Lagerräume auf – und überraschenderweise auch zwei Doppelstockbetten. Wer hier übernachtet, tut dies mit hervorragender Aussicht: Zum Wasser hin ist der Sockel verglast, zu den übrigen Seiten von großformatigen Natursteinen umschlossen, wie man sie vom Seeufer kennt. 

Die exponierte Lage auf der Mole bestimmte auch die Bauweise. Nahezu alle Bauteile wurden in der Werkhalle gefertigt und vormontiert. Umgerechnet rund 1,9 Millionen Euro investierte die SNG in den Turm – ein vergleichsweise hoher Aufwand für ein Bauwerk, das sich auf elegante Weise zurücknimmt. (gk)

Fotos: Dylan Perrenoud


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