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13.01.2026

Rückeroberung des Flussufers

Stadtquartier in Bydgoszcz von BBGK


In gemütlichen Schlaufen zieht sich der Fluss Brda durchs Zentrum im Städtchen Bydgoszcz mitten in Polen. Seit dem 19. Jahrhundert waren die Flussufer vor allem von industrieller Nutzung geprägt. Der „Bromberger Kanal“ hatte eine schiffbare Verbindung zwischen Weichsel und Oder geschaffen und Bydgoszcz, damals Bromberg, zu einem Knotenpunkt der Binnenschifffahrt gemacht. Nach der politischen Wende 1988/89 wurden die meisten dieser Industrien allmählich stillgelegt. 

Die Eröffnung des spektakulären Neubaus für die Opera Nova am Flussufer 2004 (nach über 40-jähriger Planungs- und Baugeschichte!) markierte den Startschuss für die Revitalisierung der Brachen. Auf einem zwei Hektar großen Grundstück unmittelbar nördlich der Oper war in den 1990er-Jahren ein Einkaufszentrum geplant gewesen, doch wurden diese Pläne nie umgesetzt. Stattdessen wechselte das Filetstück mehrfach die Besitzer und kam zuletzt ins Eigentum von AWZ Deweloper – einem lokalen und auf Wohnungsbau spezialisierten Projektentwickler. Dieser beauftragte 2018 BBGK Architekci (Warschau) mit dem Entwurf eines gemischten Stadtquartiers, von dem nun die erste Phase fertig gestellt ist.

Der Entwurf gliedert sich in drei Ebenen. Im Vordergrund stand die Erhaltung der vier verbliebenen, historischen Gebäude. Drei kleine Fabrikgebäude aus Backstein und ein Arbeiterwohnhaus wurden in Zusammenarbeit mit dem städtischen Denkmalschutz saniert. In der Mitte zwischen diesen Bauzeugnissen wird ein neuer Block implantiert, der sich mit vier Geschossen an der Höhe der historischen Gebäude orientiert. Nur an wenigen Stellen werden die Neubauten mit zwei Staffelgeschossen ergänzt, bevor dann zum Fluss hin – als drittes Element des städtebaulichen Entwurfs – vier Elfgeschosser fast 36 Metern ansteigen. 

Von diesem Gesamtplan sind nun sieben Gebäude fertiggestellt, darunter zwei der Wohnhochhäuser. Man kann gut sehen, wie der gesamte Entwurf einmal aussehen wird. Die Fassaden geben den Neubauten ein zeitgenössisches Aussehen mit großen Glasscheiben und einem Konstruktionsraster mit hellgrauem Sandstein und schwarzem Granit als Fassadenoberfläche. Eine Aufstockung auf einem historischen Gebäude zeigt sich in vorpatiniertem Stahl. Bis zu drei Meter tiefe Terrassen geben den Wohnungen auch in den Hochhäusern einen Außenbezug und bieten ein spektakuläres Panorama über den Fluss und die Stadt.  

Von den insgesamt geplanten 600 Eigentumswohnungen sind bisher 177 fertig. Die meisten umfassen ein bis drei Zimmer und 26,5 bis knapp über 90 Quadratmeter. Einige wenige sind über 150 Quadratmeter groß. Die Verkaufspreise liegen zwischen umgerechnet etwa 3.000 bis 4.700 Euro pro Quadratmeter, was mit Neubau-Preisen im 270 Kilometer entfernten Warschau durchaus mithalten kann. Dort sind die Immobilienpreise in den letzten fünf Jahren um knapp 40 Prozent gestiegen. Aktuell kostet ein Neubauquadratmeter in guter Lage um die 4.400 Euro. 

In einem Interview mit der polnischen Zeitschrift Architektura i Biznes flüchten die beiden Partner von BBGK, Wojciech Kotecki und Jan Belina-Brzozowski, erfreulicherweise nicht in übliche Phrasen. „Die Vorgaben des Investors und die Premium-Lage im Zentrum der Stadt machen das Projekt zu einem hochpreisigen Investment.“ Entsprechend sei die Architektur gestaltet. Allerdings habe man mit AWZ eine Bauherrschaft gehabt, die nicht auf maximalen Profit aus ist. Dadurch wurden sehr unterschiedliche Wohnungstypen möglich – und vor allem eine hohe Qualität der öffentlichen Räume. „Wir wollen“, so Belina-Brzozowski, „dass das ehemals eingezäunte Gelände ein Teil der Stadt wird.“ 

Das Ufer wurde entlang einer Promenade mit breiten Sitzstufen und Raum für Restaurants und Bars neu gestaltet. Eine neue Geschäftsstraße führt von Nord nach Süd durch das Gebiet, eine ruhige Verbindung von Ost nach West verknüpft zwei neue Stadtplätze. Das Projekt soll helfen, die Stadt neu mit dem Fluss zu verbinden und Qualitäten erzeugen, von denen letztlich die gesamte Stadtgesellschaft profitiert, so BBGK, auch die, die sich keine Wohnung in den Neubauten leisten können. (fh)

Fotos: Nate Cook


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