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30.05.2013

Gebrauchsspuren erwünscht

Tchobans Museum für Architekturzeichnung in Berlin


„Gebrauchsspuren sind erwünscht“, sagt Sergei Tchoban über das kleine, feine Museum mit Galeriecharakter, das als Museum für Architekturzeichnung Berlin ab kommendem Dienstag dem Publikum offen steht. Der Entwurf stammt von Tchoban selbst in Zusammenarbeit mit Sergei Kuznetsov vom Moskauer Büro Speech.

In das Museum zieht mit der Tchoban Foundation eine hochkarätige Sammlung von Architekturzeichnungen ein. Diese Blätter sollen sowohl adäquat untergebracht als auch aus verschlossenen Archiven geholt und zugänglich gemacht werden. Das geschieht nun auf den zwei Galerieebenen des viergeschossigen Hauses. Aber auch das Archiv selbst ist zu Studienzwecken zugänglich. Die wechselnden Ausstellungen werden nicht nur aus den eigenen Beständen bestückt, sondern auch Kooperationen mit internationalen Sammlungen durchgeführt – so gleich zum Auftakt mit der Ausstellung „Piranesis Paestum“, die späte Werke des Künstlers aus dem Sir John Soane Museum London zeigt.

Der Museumsneubau fällt auf und passt sich zugleich ein: In den Proportionen schließt es an die Nachbarbebauung rechts – das vertraute Berliner Mietshaus – an. Es nimmt Attribute wie Erker und Loggia auf, die hier aber ganz neu interpretiert werden. Denn das Gebäude wirkt durch gedrehte und leicht auskragende Bauteile wie versetzt aufeinander gestapelte Papierbündel. Ausschließlich der Symbolik dürfte dieser Kniff aber nicht dienen, denn zugleich wird dadurch auf dem kleinen Grundstück in den Obergeschossen mehr Fläche hergestellt. Obenauf sitzt ein verglastes Staffelgeschoss, das an der Nordostfassade einen Meter hervorsteht und an der Unterseite mit hochpolierten Edelstahlplatten verkleidet ist.

Farbe und Beschaffenheit der Fassaden nehmen wieder eindeutig Bezug auf die Nutzung des Gebäudes: Der Beton ist sandgelb durchgefärbt, zudem wurden beim Guss mit Silikonmatrizen Reliefs abstrahierter Zeichnungen in die Außenwände geprägt. Je weiter man sich entfernt, desto erkennbarer entsteht ein Gesamtbild. Ganz zufällig geschah diese „Bemusterung“ nicht: Pro Geschoss wiederholt sich eine Sequenz – eine gute Entscheidung, da das Fassadenbild sonst allzu unruhig geworden wäre.

Irritierend sind die vielen kleinen, ganz unterschiedlich gezackten Fenster, deren Anordnung sich ohne Erklärung nicht gleich erschließt. „Die Ausschnitte folgen geeigneten Linien der jeweiligen Zeichnung, sie lösen sie durch ihre eigenen Geometrien einerseits aus ihrem Kontext, erinnern andererseits an die Fragilität historischer Blätter“, so die Architekten.

In einer Nische an der Straßenfront verbirgt sich der Haupteingang. Hier wechselt das Material zu Holz; die bündig eingelassene Tür nimmt die Kanneluren von Teilen der Fassaden auf. Im Inneren empfängt einen Bibliotheksatmosphäre, was nicht nur an den eingebauten Bücherschränken des Empfangsraums liegt. Der gesamte Raum ist bis zum eigens entworfenen Mobiliar in Brauntönen gehalten. Das Relief der Außenhaut setzt sich an den Wandverkleidungen aus Nussbaumholz fort. Die Linien sind hell abgesetzt, und so ist die Wirkung in diesem eher kleinen Raum beinahe zu dominant.

Im Treppenhaus wird es wieder nüchterner: sandgelbe Betonwände, steingrauer Beton für die Stufe und Böden sowie Messing für die Handläufe der Glasbrüstungen bestimmen den Weg nach unten zu den Toiletten und nach oben zu den beiden Galerieebenen und dem Depot im dritten Geschoss. Die Stapelung, die sich von außen ablesen lässt, mündet innen in L-förmige Räume mit leicht geknickten Wänden. Diese fensterlosen Kabinette sind für intime Ausstellungen geeignet; zur Atmosphäre trägt bei, dass aus konservatorischen Gründen das Licht sehr sparsam eingesetzt wird. Im zweiten Geschoss ist das „L“ zweigeteilt, hier öffnet sich der kurze Schenkel mit einer raumhohen Scheibe zur Straße und zum Platz, hier kann nach der Intensität der Innenräume „Luft geholt“ werden – auch sitzenderweise auf drei Betonwürfeln mit dem nun schon vertrauten Relief.

Oben schließlich wird es ganz hell – dieser Bereich ist aber nicht für die Öffentlichkeit bestimmt – der Besprechungsraum im Glaskasten gäbe mit seinen zwei Dachterrassen ein wunderbares Penthouse ab. Nach Südosten sieht man auf das Pfefferberg-Gelände und hinüber zu den Nachbarn von der Galerie Aedes. Konkurrenz übrigens befürchten die jeweiligen Betreiber nicht, viel eher Synergieeffekte. Und wie der Name des Museums schon klarstellt, widmet sich dessen Programm einer ganz eigenen Aufgabe: der klassischen Architekturzeichnung und deren Erforschung. (Christina Gräwe)

Ort: Museum für Architekturzeichnung, Christinenstraße 18a, 10119 Berlin

Öffnungszeiten: Mo-Fr 14-19 Uhr, Sa 13-17 Uhr

Eintritt: 5, ermäßigt 3 Euro

Fotos: Roland Halbe (24), Patricia Parinejad (4), Thomas Spier (2), npstv (1)




Zum Thema:

www.tchoban-foundation.de




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Zu den Architektenprofilen:

TCHOBAN VOSS Architekten


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