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30.06.2017

Segel und Freitreppen

Musiktheater in Paris von Shigeru Ban


2014 erhielt Shigeru Ban den Pritzker-Preis – nicht zuletzt auch für kleine, temporäre Bauten und Konstruktionen wie das Paper Log House in Kobe von 1995. Es geht aber auch größer: Schon für die Expo 2000 in Hannover schuf der japanische Architekt eine beeindruckende Holzgitterkonstruktion, die im Inneren des Pavillons seines Heimatlandes eine große, helle und stützenfreie Halle entstehen ließ. Aufbauend auf die weltbekannte, japanische Holzbautradition, exportiert Ban seine Architektur in alle Welt: 2011 entstanden mit dem Centre Pompidou in Metz und einem Golf Club House in Korea gleich zwei komplizierte Großformen aus Holzgittern. Nun gibt es auch im Westen von Paris eine markante Form, die den selben Konstruktionsprinzipien folgt. Das La Seine Musicale von Shigeru Ban Architects auf einer Insel mitten in der Seine wurde kürzlich eröffnet.

Das gläserne Ei mit seinem hölzernen Tragwerk ist hier jedoch nur die Spitze des Eisberges. Als weithin sichtbares Zeichen sitzt es auf einem massiven steinernen Sockel, dessen Position nach Angaben der Architekten einem Masterplan von Jean Nouvel folgt. Nachdem 1992 das Renaultwerk auf dem Gelände geschlossen hatte, war zunächst ein Museum der Foundation Pinault nach Plänen von Tadao Ando für den Standort vorgesehen. Nachdem daraus nichts wurde, gab es 2013 einen Wettbewerb für ein Musiktheater, den Shigeru Ban Architects für sich entscheiden konnten. Gemeinsam mit Jean de Gastines Architectes (Paris), die auch schon am Centre Pompidou in Metz mitgewirkt hatten, entstand daraufhin der 36.500 Quadratmeter umfassende Neubau.

Zur Stadt zeigt das Gebäude eine großzügige Willkommensgeste. Eine riesige Leinwand, gerahmt von zwei Baukörpern, die einen Vorplatz bilden, empfängt die Besucher. Nun heißt es Treppen steigen. Freitreppen führen über das begrünte Dach, auf dem sich der Mehrzwecksaal mit bis zu 6.000 Sitzplätzen als Hügel abzeichnet. Geht man weiter, gelangt man zum gläsernen Ei, der Laterne oder Perle – welche Assoziation man auch immer haben mag –, in dem sich ein klassischer Konzertsaal für 1.150 Personen befindet. Hinter diesem spektakulären Höhepunkt treppt sich der Baukomplex wieder ab bis zur Spitze der Insel, wo man auf breiten Treppenstufen sitzen und die Aussicht genießen kann.

Wie Bordwände ragen die Betonmauern am Ufer auf, und über das Ei wurde ein geschwungenes „Segel“ aus Sonnenkollektoren gesetzt. Auf Schienen gelagert, kann es dem Verlauf der Sonne folgen und das Innere des Gebäudes verschatten.

Nach dem verbindenden Gedanken hinter dem Entwurf suchend könnte man meinen, dass vielleicht ein paar Ideen zu viel in den Koloss eingeflossen sind. Eine vielseitige Erlebnislandschaft ist jedoch sicherlich entstanden. 180 Millionen soll der Bau gekostet haben – immerhin ein ganzes Stück günstiger als die Elbphilharmonie. (dd)

Fotos: Didier Boy de la Tour


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