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https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen_60_Jahre_Atombombenabwurf_auf_Hiroshima_-_60_Jahre_moderne_Architektur_in_Japan_20949.html

05.08.2005

In die Moderne

60 Jahre Atombombenabwurf auf Hiroshima - 60 Jahre moderne Architektur in Japan


Als am 6. August 1945 um 8.15 Uhr die Atombombe „Little Boy“ aus der Elona Gay auf die südjapanische Hafenstadt Hiroshima fiel, waren andere japanische Metropolen bereits durch amerikanische Brandbomben mit dem Benzin-Gel Napalm in Schutt und Asche gelegt worden. Da Holz und Papier die traditionellen japanischen Baustoffe waren, wurden die japanischen Städte ein schneller Raub des Feuers.

Als Kenzo Tange kurz nach der Kapitulation den Auftrag erhielt, an der Bombenabwurfstelle in Hiroshima einen Friedenspark zu entwerfen, übertrug er die tradierten Formen des japanischen Holzbaus in den Betonbau und erfand damit nicht weniger als die Keimzelle der japanischen Moderne.
Tange, der bis heute zu Recht als (Über-) Vater der asiatischen Moderne angesehen wird und Generationen von Architekten geprägt hat, löste damit erstmals die westlich (meist deutsch) beeinflusste Architektur ab, mit der das japanische Reich sich zuvor ironischerweise seine eigene „Kolonialarchitektur“ im Lande geschaffen hatte, ohne jemals kolonialisiert worden zu sein.
Die wilhelminische und frühmoderne Architektur exportierte Japan sogar in seine Überseegebiete wie Taiwan. Es ist abermals nicht ohne Ironie, dass so die westliche Architektur von einer östlichen Macht in andere asiatische Länder getragen wurde.

Ebenso wie der Atombombenabwurf zugleich einen totalen Untergang und eine irritierende Kontinuität darstellte (der Tenno, der im Shintoismus eine gottgleiche Stellung genoss, steht bis heute an der Spitze des Staates), so war auch Tanges Architektur zugleich ein radikaler Bruch und die Wiederholung des Immergleichen mit neuen Mitteln.
Tange adaptierte die ästhetischen Prinzipien und die industrielle Logik der Moderne, wie er sie in den 30er Jahre bei Le Corbusier kennengelernt hatte, für den japanischen Archipel - lange bevor er mit seiner olympischen Architektur für Tokio und den metabolistischen Utopien weltberühmt wurde.

Mit dem Neuanfang vor sechzig Jahren wurde nicht nur der Skelettbau der traditionellen japanischen Tempel adaptiert: Der parabelförmige Betonpavillon im Zentrum des Friedensparks in Hiroshima ist eine abstrakte Referenz an die Mausoleen über den Haniwa-Statuen, die früher im Land der aufgehenden Sonne Adelsgräber schmückten.

Ulf Meyer


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