Sport auf vier Ebenen
karl und bremhorst architekten in Wien
Österreichs Nationalteams im Basket-, Hand- und Volleyball haben hier schon gespielt, Wettkämpfe im Ringen, Karate, Tischfußball, Turnen und in der Leichtathletik wurden abgehalten. Mit der neuen Sport Arena Wien hat die Stadt zwischen Ernst-Happel-Stadion und Donau seit 2025 eine Location für so gut wie jeden Breiten- und Spitzensport. Durch das Stapeln der Hallen gelang es dem lokal ansässigen Büro karl und bremhorst architekten, dass alles gleichzeitig stattfinden kann.
Zuvor ließ man allerdings das Ferry Dusika Hallenstadion abreißen. Das 1977 nach Plänen von Herbert Schürmann errichtete Bauwerk hatte seinerseits eine Freiluft-Radrennbahn ersetzt. Bis 2021 diente die Indoor-Sportstätte neben Leichtathletik und Ballspielarten auch dem Bahnradsport. Es war bis dato die einzige Radrennbahn Österreichs. Laut der Stadt Wien haben „Zustandsanalysen und qualitative Objektbewertungen ergeben, dass das vorhandene Stadion durch einen Neubau ersetzt werden muss“.
Eine Radrennbahn besitzt die Sport Arena Wien nun nicht mehr. Die findet man inzwischen in Linz. Im Gegenzug konnten die Planer*innen, die 2021 den für das Projekt ausgelobten EU-weiten Wettbewerb gewannen, weitaus mehr Sportangebote und Nutzfläche auf weniger versiegeltem Grund schaffen. Rund 20 Sportarten seien auf den 26.000 Quadratmetern Bruttogrundfläche möglich, die jährliche Ausnutzung sei damit um 30.000 Stunden im Vergleich zum vorherigen Stadion gestiegen, argumentiert die Stadt.
Das liege vor allem an den drei unabhängig bespielbaren Hallen. Separate Zugänge erlauben parallel stattfindende Trainings und öffentliche Veranstaltungen. Das Herzstück bildet die Ballsportarena mit bis zu 3.000 Sitzplätzen, die vom Untergeschoss über drei Etagen reicht. Direkt daneben, auf Tribünenebene lediglich durch eine verglaste Galerie getrennt, befindet sich die Kunstturnhalle. Darüber stehen im ersten Obergeschoss alle weiteren, für den Spitzensport benötigten Räume zur Verfügung – ein mit Leistungssportverbänden abgestimmter Fitnessbereich, Räume für Physiotherapie und Leistungsdiagnostik wie Kältekammer und Infrarotkabinen. Noch ein Stockwerk weiter oben sitzt die Leichtathletikhalle.
Erschlossen werden die geschichteten Bereiche über eine Funktionsspange, die sich in Richtung Vorplatz über die gesamte Längsseite zieht. Im Erdgeschoss öffnet sie sich als vollverglastes Foyer und versammelt Infopoint, Garderobe, Gastro, Pressebereich und Erschließung in einer Schicht. In den Etagen darüber und darunter finden sich Umkleiden, Gerätelager, Seminar- und Multifunktionsräume. Gen Park im Norden ordneten die Architekt*innen zudem eine, wiederum über die gesamte Gebäudebreite reichende Loggia an. Eine Treppe führt hier auf die ebenfalls für den Sport nutzbare Dachterrasse.
Konstruktiv basiert der Bau auf einem Stahlskelett mit Stützen im Raster von 13,5 Metern und Fachwerkträgern. Im Geschoss über der Kunstturnhalle hat man die Fachwerke um 90 Grad gedreht und raumhoch ausgeführt, um so eine durchlaufende Deckenhöhe von Foyer zur Kunstturnhalle zu schaffen. Auf diese Weise gelangen karl und bremhorst architekten, die innen ohnehin mit viel Transparenz arbeiteten, fließende Übergänge zwischen den einzelnen Bereichen. Sämtliche Räume profitieren dabei auch von großzügigen Glasbändern, die je nach Sportart sinnfälliger Weise auf unterschiedlichen Höhen angelegt sind – beim Turnen oben, bei der Leichtathletik unten. (mh)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- karl und bremhorst architekten
- Projektleitung:
- Stefan Jirsa, Manuel Kainz
- Landschaftsarchitektur:
- Carla Lo – Landschaftsarchitektur
- Sportplanung:
- hopi-sportplan
- Beratung Sport:
- ÖISS – Österreichisches Institut f. Schul- u. Sportstättenbau Raumkunst
- Bauherrschaft:
- Stadt Wien – Sport Wien
- Fläche:
- 26.000 m² Bruttogrundfläche
- Baukosten:
- 115.000.000 € KG 300 + 400





