Uni-Bib im Bad
Zwei erste Preise beim Wettbewerb Viktoriakarree in Bonn
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Zwei erste Preise beim Wettbewerb Viktoriakarree in Bonn
Schon lange wird über die Zukunft des Viktoriakarrees in der Innenstadt Bonns diskutiert. Anfang des Jahres kaufte das Land Nordrhein-Westfalen die Grundstücke um das Viktoriabad aus dem Jahr 1970. Die Universität Bonn soll hier eine Erweiterung bekommen. Vom Bestand bleibt nur die Fassade mit ihrem großen, denkmalgeschützten Kunstharzfenster erhalten. Kürzlich wurde der Wettbewerb mit zwei ersten Preisen entschieden.
Es kommt Bewegung in die Bonner Innenstadt. Lange ausstehende Entscheidungen wurden endlich getroffen, weil die Universität ihr Hauptgebäude, das Kurfürstliche Schloss am Hofgarten, für eine umfangreiche Sanierung und Restrukturierung geräumt hat. Neben Interimslösungen für die Verwaltung in früheren Versicherungsbüros und Hörsälen im verlassenen Karstadt ist nun ein innerstädtischer Neubau geplant. Im barocken Rahmen zwischen Altem Rathaus und Ostflügel des Hauptgebäudes lag fast ein gesamter Block ein Jahrzehnt lang brach.
Den Plänen der Signa Holding, an dieser Stelle ein Einkaufszentrum zu errichten, setzte die Initiative Viva Viktoria! ein erfolgreiches Bürgerbegehren entgegen. In einer Bürgerwerkstatt mit anschließender Mehrfachbeauftragung wurde die städtebauliche Entwicklung der 1,5 Hektar großen Fläche weitergedacht und 2025 ein neuer Bebauungsplan basierend auf dem Entwurf des Bonner Büros skt aufgestellt. Eine autofreie Gasse soll zukünftig durch den Block führen und den Innenraum erschließen, der bisher als Parkplatz diente. Westlich der Gasse liegen die früheren Signa Immobilien mit Wohnungen, Gastronomie- und Gewerbeflächen, die inzwischen eine Kölner Entwicklerin gekauft, saniert und teils weiterveräußert hat.
Den Plänen der Signa Holding, an dieser Stelle ein Einkaufszentrum zu errichten, setzte die Initiative Viva Viktoria! ein erfolgreiches Bürgerbegehren entgegen. In einer Bürgerwerkstatt mit anschließender Mehrfachbeauftragung wurde die städtebauliche Entwicklung der 1,5 Hektar großen Fläche weitergedacht und 2025 ein neuer Bebauungsplan basierend auf dem Entwurf des Bonner Büros skt aufgestellt. Eine autofreie Gasse soll zukünftig durch den Block führen und den Innenraum erschließen, der bisher als Parkplatz diente. Westlich der Gasse liegen die früheren Signa Immobilien mit Wohnungen, Gastronomie- und Gewerbeflächen, die inzwischen eine Kölner Entwicklerin gekauft, saniert und teils weiterveräußert hat.
Deutlich problematischer gestaltete sich der Umgang mit den städtischen Liegenschaften östlich der Gasse, dem 2010 geschlossenen Viktoriabad-Komplex. Wie viele seiner Zeitgenossen verlor das 1971 eröffnete Hallenbad mit kleiner und großer Schwimmhalle, Heilbädertrakt, Saunen und Milchbar in der großzügigen Eingangshalle gegenüber den neuen Spaßbädern an Attraktivität, es wurde unrentabel und nach jahrelanger Vernachlässigung baufällig. Mitbetroffen von der Schließung und der Abrissdebatte waren auch das StadtMuseum sowie die Gedenkstätte und das NS-Dokumentationszentrum Bonn, die 1998 in den sanierten Heilbädertrakt gezogen waren.
Während es der Stadt an Ideen und Mut für praktische Umbaukultur mangelte, nutzen verschiedene Akteure das Potenzial der großen Schwimmhalle. Vor der Kulisse der abstrakten Geysirlandschaft auf dem 240 Quadratmeter großen Kunstharzfenster von Wilhelm Junghans (1970) fanden Ausstellungen, Konzerte und Theater statt, das Café Blau hielt die Stellung. Anfang 2026 kaufte das Land Nordrhein-Westfalen die 3.600 Quadratmeter städtischer Grundstücksfläche. Bis auf die Fassade mit dem denkmalgeschützten Fenster soll der Schwimmbadkomplex oberirdisch zurückgebaut werden, um Platz für das Forum des Wissens zu machen.
Die Vorgaben des Denkmalschutzes formulierte man bewusst offen. Städtebaulich herausfordernd ist die Integration eines neuen Baukörpers mit Freiflächen und Erschließung in den Blockinnenraum, der an der Nordflanke und der südöstlichen Ecke von Bestandsbauten gefasst wird. Das neue Gebäude soll mit den Bibliotheken der philologischen Fächer sowie Kommunikations- und Lernbereichen (über 6.550 Quadratmetern) dauerhaft Funktionen aus dem Hauptgebäude der Universität Bonn übernehmen und ergänzen. Mit Räumen für ein neues städtisches Kulturforum (608 Quadratmeter) und einem Café (300 Quadratmeter) sollen Wissenschaft, Kultur und Stadtgesellschaft an diesem zentralen Ort nachhaltig, wirtschaftlich und funktional flexibel zusammengeführt werden.
Während es der Stadt an Ideen und Mut für praktische Umbaukultur mangelte, nutzen verschiedene Akteure das Potenzial der großen Schwimmhalle. Vor der Kulisse der abstrakten Geysirlandschaft auf dem 240 Quadratmeter großen Kunstharzfenster von Wilhelm Junghans (1970) fanden Ausstellungen, Konzerte und Theater statt, das Café Blau hielt die Stellung. Anfang 2026 kaufte das Land Nordrhein-Westfalen die 3.600 Quadratmeter städtischer Grundstücksfläche. Bis auf die Fassade mit dem denkmalgeschützten Fenster soll der Schwimmbadkomplex oberirdisch zurückgebaut werden, um Platz für das Forum des Wissens zu machen.
Die Vorgaben des Denkmalschutzes formulierte man bewusst offen. Städtebaulich herausfordernd ist die Integration eines neuen Baukörpers mit Freiflächen und Erschließung in den Blockinnenraum, der an der Nordflanke und der südöstlichen Ecke von Bestandsbauten gefasst wird. Das neue Gebäude soll mit den Bibliotheken der philologischen Fächer sowie Kommunikations- und Lernbereichen (über 6.550 Quadratmetern) dauerhaft Funktionen aus dem Hauptgebäude der Universität Bonn übernehmen und ergänzen. Mit Räumen für ein neues städtisches Kulturforum (608 Quadratmeter) und einem Café (300 Quadratmeter) sollen Wissenschaft, Kultur und Stadtgesellschaft an diesem zentralen Ort nachhaltig, wirtschaftlich und funktional flexibel zusammengeführt werden.
Mitte März fiel die Entscheidung in dem vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes Nordrhein-Westfalen Köln (BLB NRW) ausgelobten einstufigen, nichtoffenen, hochbaulichen Realisierungswettbewerb (nach RPW 2013), ein Verhandlungsverfahren schließt sich an. Den Wettbewerb betreuten Hille Tesch Architekten + Stadtplaner (Ingelheim). Die Jury mit Vorsitz von Jens Wittfoht (Stuttgart) vergab unter den eingereichten 18 Arbeiten zwei erste Preise.
Ein 1. Preis (60.000 Euro Preisgeld) geht an Kleihues + Kleihues (Münster). Mit einem kopfstehenden h entwickelt das Büro eine nachvollziehbare städtebauliche Figur. Der Viktoria-Garten ist als die geforderte „Grüne Mitte“ von drei Seiten aus einsehbar. Das Café liegt in dem schmalen der Universität zugewandten Kopf, die Zugänge zu Bibliotheken und Kulturforum an der zum Vorplatz aufgeweiteten „Grünen Gasse“. In die frühere Schwimmhalle wollen die Architekt*innen zwei Bibliotheksgeschosse einziehen, ein weiteres als Staffelgeschoss aufsetzen. Eine neue Verglasung auf der Innenseite soll die denkmalgeschützte Fassade schützen und energetisch ertüchtigen.
Die offen geplante Gebäudestruktur von Kleihues + Kleihues erlaubt Durchblicke auf die bunte Geysirlandschaft, auch von den Lesebalkonen in der Bibliothek sind Ausschnitte erlebbar. Die in Anlehnung an den Bestand gewählte „klassisch-konservative“ Travertin-Lamellenfassade diskutierte die Jury hinsichtlich ihrer Dominanz und fehlender Identitätsstiftung für die Nutzung Bibliothek kontrovers. Als einladende Geste nahm sie hingegen die großen Schaufenster im Bereich des Kulturforums und Cafés wahr.
DGI Bauwerk (Berlin) mit GINA Barcelona Architects (Barcelona), die ebenfalls einen 1. Preis erhielten, passen den Baukörper als gleichschenkligen Winkel präzise in den Blockinnenraum ein. Die Jury überzeugten sie mit „einem großzügigen, atmosphärisch differenzierten Raumangebot, das dem Anspruch einer modernen Bibliothek entspricht“. Der Innenhofgarten zur Belichtung und Belüftung soll auch als „öffentlicher Raum mit hohem Wiedererkennungswert“ zur Verfügung stehen. Das Richtung Schwimmhalle abfallende Gelände inszenieren die Architekt*innen mit Sitztreppen, sodass es ein tiefergelegenes Gartengeschoss ermöglicht.
Unterirdisch bleibt im Vorschlag von DGI und GINA viel Bestand erhalten. Aus diesem Grund betrachtete die Jury die geringe Flächeneffizienz des offenen adaptiven Raumkonzepts weniger kritisch. Auf dem massiven Sockel zeigen die Pläne zwei Holzbaugeschosse. Die hybride Fassade mit Natursteinelementen bildet mit ihren Öffnungen die Lichtanforderung der jeweiligen Nutzungen ab und erzeugt damit vergleichsweise bewegte Ansichten. Die denkmalgeschützte Fassade verrät von außen nichts über die dahinter vollzogene Transformation.
- Ein 1. Preis: DGI Bauwerk (Berlin) mit GINA Barcelona Architects (Barcelona)
- Ein 1. Preis: Kleihues + Kleihues (Berlin/Münster)
- 2. Preis: Rohwareimstudio (München)
- Anerkennung: HHS Planer + Architekten (Kassel)
- Anerkennung: Schenker Salvi Weber Architekten (Wien)
Ein 1. Preis (60.000 Euro Preisgeld) geht an Kleihues + Kleihues (Münster). Mit einem kopfstehenden h entwickelt das Büro eine nachvollziehbare städtebauliche Figur. Der Viktoria-Garten ist als die geforderte „Grüne Mitte“ von drei Seiten aus einsehbar. Das Café liegt in dem schmalen der Universität zugewandten Kopf, die Zugänge zu Bibliotheken und Kulturforum an der zum Vorplatz aufgeweiteten „Grünen Gasse“. In die frühere Schwimmhalle wollen die Architekt*innen zwei Bibliotheksgeschosse einziehen, ein weiteres als Staffelgeschoss aufsetzen. Eine neue Verglasung auf der Innenseite soll die denkmalgeschützte Fassade schützen und energetisch ertüchtigen.
Die offen geplante Gebäudestruktur von Kleihues + Kleihues erlaubt Durchblicke auf die bunte Geysirlandschaft, auch von den Lesebalkonen in der Bibliothek sind Ausschnitte erlebbar. Die in Anlehnung an den Bestand gewählte „klassisch-konservative“ Travertin-Lamellenfassade diskutierte die Jury hinsichtlich ihrer Dominanz und fehlender Identitätsstiftung für die Nutzung Bibliothek kontrovers. Als einladende Geste nahm sie hingegen die großen Schaufenster im Bereich des Kulturforums und Cafés wahr.
DGI Bauwerk (Berlin) mit GINA Barcelona Architects (Barcelona), die ebenfalls einen 1. Preis erhielten, passen den Baukörper als gleichschenkligen Winkel präzise in den Blockinnenraum ein. Die Jury überzeugten sie mit „einem großzügigen, atmosphärisch differenzierten Raumangebot, das dem Anspruch einer modernen Bibliothek entspricht“. Der Innenhofgarten zur Belichtung und Belüftung soll auch als „öffentlicher Raum mit hohem Wiedererkennungswert“ zur Verfügung stehen. Das Richtung Schwimmhalle abfallende Gelände inszenieren die Architekt*innen mit Sitztreppen, sodass es ein tiefergelegenes Gartengeschoss ermöglicht.
Unterirdisch bleibt im Vorschlag von DGI und GINA viel Bestand erhalten. Aus diesem Grund betrachtete die Jury die geringe Flächeneffizienz des offenen adaptiven Raumkonzepts weniger kritisch. Auf dem massiven Sockel zeigen die Pläne zwei Holzbaugeschosse. Die hybride Fassade mit Natursteinelementen bildet mit ihren Öffnungen die Lichtanforderung der jeweiligen Nutzungen ab und erzeugt damit vergleichsweise bewegte Ansichten. Die denkmalgeschützte Fassade verrät von außen nichts über die dahinter vollzogene Transformation.
Der 2. Preis (42.000 €) von Rohwareimstudio (München) interpretiert die Bibliothek als Maschine der Vielfalt. Entsprechend industriell wirken die Sheddächer und die starke Betonung des Rasters, das sich überraschend mit einer kreisrunden grünen Mitte öffnet und mit einer Klimapufferzone Abstand von der Fensterkunst nimmt.
Schenker Salvi Weber Architekten (Wien) erhalten eine von zwei Anerkennungen (20.000 €). Mit zwei halbkreisförmigen Einschnitten, einem Hof und einer Terrasse belichten und gliedern sie ihren in grüne Alu-Lamellen gehüllten, dreischenkligen Neubau. Der Gewinn der Raumqualität geht jedoch zu Lasten vieler Sondersituationen im Tragwerk. HHS Planer + Architekten AG (Kassel) schlagen die Transformation der früheren Schwimmhalle in einen öffentlich nutzbaren Bibliotheksgarten vor. Das Schwimmbecken soll zum Pflanzbecken werden, der Innenraum zum Außenraum, der aus den Musikräumen und der Malsaal des Kulturforums sowie die darüberliegenden Lesesälen einsehbar ist.
Schenker Salvi Weber Architekten (Wien) erhalten eine von zwei Anerkennungen (20.000 €). Mit zwei halbkreisförmigen Einschnitten, einem Hof und einer Terrasse belichten und gliedern sie ihren in grüne Alu-Lamellen gehüllten, dreischenkligen Neubau. Der Gewinn der Raumqualität geht jedoch zu Lasten vieler Sondersituationen im Tragwerk. HHS Planer + Architekten AG (Kassel) schlagen die Transformation der früheren Schwimmhalle in einen öffentlich nutzbaren Bibliotheksgarten vor. Das Schwimmbecken soll zum Pflanzbecken werden, der Innenraum zum Außenraum, der aus den Musikräumen und der Malsaal des Kulturforums sowie die darüberliegenden Lesesälen einsehbar ist.




