Weiches Licht für dunkle Fresken
Kirchenumbau in Südtirol von delueg architekten
Kirchenumgestaltungen erfolgen heutzutage meist aufgrund eines Defizits. Die Häuser sind zu groß für schrumpfende Gemeinden, die Technik macht nicht mehr mit, oder vergangene Interventionen treffen nicht mehr den Zeitgeist. In Sterzing in Südtirol – italienisch Vipiteno, im Wipptal südlich des Brennerpasses gelegen – war das Gegenteil der Fall. Hier konnten zwei bedeutende Skulpturen dauerhaft für die Heilig-Geist-Kirche am Stadtplatz gewonnen werden. Und um diese würdig präsentieren zu können, wurde der gesamte Andachtsraum neugestaltet. Umgesetzt haben das Projekt delueg architekten mit Sitz vor Ort.
Die spätgotische Kirche wurde Ende des 14. Jahrhunderts als Teil des angrenzenden Spitals errichtet und von Erasmus von Bruneck mit Fresken reich ausgestaltet. Heute gilt sie als Hauptkirche der italienischsprachigen Einwohner*innen von Sterzing. Sie ist Teil der Bebauung des Stadtplatzes am nördlichen Rand des noch älteren historischen Kerns der Gemeinde. Von außen fügt sie sich unauffällig in die Bauflucht, primär erkennbar an massiven Strebepfeilern und einem kleinen, als Dachreiter ausgeformten Turm. Im Inneren überrascht der zweischiffige Bau mit einer hallenartigen Raumwirkung.
Bei den „neuen“ Skulpturen handelt es sich um ein Holzkreuz von Hans Harder und die Wildenburg Madonna aus der Schule Friedrich Pacher. Beide stammen aus dem 15. Jahrhundert. Das Kreuz wurde mittig über dem Altar abgehängt, die Madonna erhielt einen Platz in der linken Ecke des Hauptraums, der aus diesem Anlass rekonfiguriert wurde. Ratschinger Marmor ist nun das Material für Altar, Ambo und Priestersitz, den Tabernakel versetzten die Architekt*innen ins Seitenschiff. Zusammen mit einem gekürzten, jetzt dunkel lackierten Bankspiegel ergibt dies eine lockerere Anordnung der liturgischen Elemente. Auch mehr Platz für die Betrachtung der Fresken konnte dadurch geschaffen werden.
Neben diverser restauratorischer Maßnahmen gehören noch zahlreiche kleinere und größere Ergänzungen zum Projekt. Dazu zählen insbesondere ein großer Radleuchter über den Sitzbänken und ein kleiner Schaukasten am Eingang. Erhalten blieben hingegen Ewiges Licht, Osterkerze und Vortragekreuz aus getriebenem Kupfer von Martin Rainer, die bei der letzten Umgestaltung der Kirche im Jahre 1989 ergänzt worden waren. Ein heller Kalkestrich ersetzt die damals eingebrachten Terrakottafliesen. Das Licht, das durch die hohen Fenster fällt, wird dadurch weich reflektiert. (sb)
- Fertigstellung:
- 2024
- Architektur:
- Delueg Architekten
- Mitarbeit:
- Siegfried Delueg (Bauleitung), Michael Delueg, Luca Zacchino
- Elektroplanung:
- Conceptlicht
- Bauherrschaft:
- Stadtgemeinde Sterzing / Comune di Vipiteno
- Fläche:
- 250 m² Projektperimeter
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nur die marmor-klötze sind fehl am platze, schade.