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22.10.2019

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Rote und gelbe Ziegel für Antwerpens Hafenviertel

Zwei Wohnhäuser von Happel Cornelisse Verhoeven Architecten


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Nördlich des Stadtzentrums von Antwerpen liegt das ehemalige Hafengebiet Cadix. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert entwickelte sich hier eine heterogene Blockstruktur aus Lagern, Kasernen und Reihenhäusern. Inzwischen kommen immer mehr Wohnhäuser hinzu. Zum Beispiel die beiden neuen Bauten mit dekorativen Klinkerfassadenmustern vom Büro Happel Cornelisse Verhoeven Architecten (HCVA) aus Rotterdam, das „gelbe Eckhaus“ und das „rote Torgebäude“.

Gemeinsam mit dem Londoner Büro Stephen Taylor Architects hatten Ninke Happel, Floris Cornelisse und Paul Verhoeven 2014 einen Wettbewerb gewonnen, der die Umstrukturierung des gesamten Blocks in Cadix vorsah. Auftraggeber ist die Wohnungsbaugesellschaft Woonhaven Antwerp. Stephen Taylor Architects schlossen eine Ecke des Blocks durch ein Wohnhaus mit ornamentalem Ziegelrelief, ihm gegenüber stehen nun die beiden Eckhäuser von HCVA. Insgesamt entstanden in den drei Häusern 60 Miet- und Eigentumswohnungen, davon 31 Sozialwohnungen.

Das gelbe, fünfgeschossige Haus mit Erkern orientiert sich an der Verkleidung der Lagerhallen im Hafen. Damals hatte man gelben Ziegelstein verwendet, weil der rote, eisenhaltige Stein als zu teuer galt. In dem L-förmigen Wohnhaus mit drei kleinen Innenhöfen entstanden ausschließlich Sozialwohnungen. Alle Wohneinheiten verfügen über einen Balkon und sind beidseitig belichtet. Das rote, viergeschossige Torgebäude hingegen bietet neben Mietwohnungen auch Raum für einen Kindergarten im Erdgeschoss, der den Innenhof mitnutzt. Die beiden Wohnhäuser haben eine Gesamtfläche von rund 7.200 Quadratmetern. Die Baukosten liegen bei acht Millionen Euro. (mg)

Fotos: Karin Borghouts


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Kommentare

16

kaptain kirk | 25.10.2019 14:18 Uhr

Matera

Unter der sengenden Sonne der Basilikata sind Höhlenwohnungen durchaus ein diskutabler Ansatz. In Antwerpen erschließt er sich mir aber nicht. Innenliegende Treppenhäuser, Flure, Bäder, und Küchen kann man machen. Allerdings sollte die Fassade dann mit entsprechenden Belichtungsflächen reagieren.
Der Kunstlichtkindergarten in freundlichem Behördengrau macht mich sprachlos.
Wenn die profane Hoffassade um Welten besser ist als die verkrampfte, unproportionierte Schaufassade zur Straße ist irgendwas schief gelaufen.

15

Moppelhuhn | 24.10.2019 16:01 Uhr

Wieviel Licht ...

... möchte man denn überhaupt? Manchmal habe ich den Eindruck, das ist so eine Architektenphantasie, daß Gebäude voller Licht sein müssen. Aber nicht jeder möchte im Glashaus sitzen, geschweige denn darin wohnen. Glasfassaden machen im Sommer Probleme mit der Hitze, im Winter fehlt die Strahlungswärme fester Wände. Und was die Erker angeht, muß man eben abwägen, ob man lieber glatte Fassaden und dafür mehr Licht oder aber plastisch strukturierte, abwechslungsreiche Fassaden haben möchte. Es gibt auch Menschen, denen sind Loggien lieber als Balkone, obwohl die Räume dahinter dunkler sind (oder sogar gerade deswegen?).

Und ein Gebäude, was seine Umgebung spiegelt, ist nicht nur eine Vogelfalle sondern zugleich auch ziemlich abweisend - es nimmt seine Umgebung nicht auf, sondern wirft sie zurück.

Glasarchitektur kann total spannend sein, aber auch die gute alte Lochfassade hat ihre Berechtigung. Schön ist, daß beides gebaut werden kann, und dieses hier ist ein schönes Beispiel für eine gut ins zeitgemäße übertragene klassische Fassadengestaltung.

Über die Grundrisse will ich nichts sagen, aber hinter dieser Fassade wären sicher auch andere Grundrisse denkbar gewesen.

14

Tine Wittler | 23.10.2019 19:15 Uhr

2D adé

Der Erker gibt dem Raum eine Dimension mehr, die Verknüpfung von Stadt, Nachbarschaft, Straßenraum, Wohnraum und Wohnqualität ist eine im heutigen Wohnungsbau/Städtebau stark vernachlässigte Komponente - doch wo Licht ist, ist auch Schatten...

13

und noch ein | 23.10.2019 15:57 Uhr

Architekt

Insbesondere das gelbe Haus wirkt mir insgesamt zu manieriert, der Sockel zu wuchtig - nicht mein Fall.

Was ich aber übersehen haben muss, sind die @7 "doch modernen" Grundrisse.
Was ich sehe sind komplett unbelichtete Flure, in den "Kamm-Wohnungen" schmal und fast schon endlos lang und dort auf eine Tür stoßend, die Räume teilweise wie an einer Schnur brav nebenan aufgereiht - also, das kann es doch nicht sein, oder? ...

Ich kann mich unter dem Strich der Begeisterung wirklich nicht anschließen.

12

STPH | 23.10.2019 15:37 Uhr

...

bereits das goldene Zeitalter in Amsterdam hat den Bewohnern mehr Licht gegönnt. Modul war hierbei das kleine, zu großen Flächen addierte Glasformat. Die sparsamen Mauerpfeiler dazwischen reduzierten, beruhigten und gliederten lediglich das ganze etwas.

sorry wegen der etwas ausufernden Zusammenhänge

11

auch ein | 23.10.2019 11:07 Uhr

architekt

@stph:

was bitte?
bitte um erläuterung.....

10

solong | 23.10.2019 10:19 Uhr

... satire ...

... angesichts der "ungekonnten ... retro cover" ... hoffe ich, dass die kommentare als satire gemeint sind

9

STPH | 23.10.2019 08:28 Uhr

...

Fassadenauflösung hin zur Kleinteiligkeit besser mit dem Baustoff Glas ggf. semitransparent oder gebrochen wie im klassischen Amsterdam. Erker verschieben leider die obere Lichtkante weiter aus der Zimmermitte, der Sturz ebenso.
Aber wie machen das die Belgier konstant über die Zeiten beste Architektur ohne Brüche und Traditionalismus?
Eine Fassade ist Glas das reduziert wird um die Wand. So rum wird ein Schuh draus.
Wie schafft man das das Haus sich nicht selbst im Weg steht.
Und Glas ist der gespiegelte Himmel, Transzendenz, ist Licht, kommt von oben

8

peter | 23.10.2019 00:43 Uhr

retropomo - danke!

zwei sehr schöne häuser mit eigenem standpunkt, wie man ihn oft bei neubauten vermisst und der es dennoch schafft, seine selbstverliebtheit zu zügeln und sich in die stadt einzureihen!
spagat voll und ganz geglückt - diese häuser werden vorbilder für viele weitere sein!

7

Genius_loci | 23.10.2019 00:26 Uhr

Alles richtig gemacht

Schön proportionierte und sorgfältig durchgearbeitete Fassade // Klare Grundrissstruktur // Klassisch und doch modern // Fügt sich wie selbstverständlich ein.
Glückwunsch nach Antwerpen bzw. Rotterdam!

6

Daniel(e) | 22.10.2019 19:12 Uhr

Ein vorbildlicher Beitrag

Vielen Dank für die Publikation dieser beiden Bauwerke.

Das kleinere Haus sagt mir persönlich sehr gut, darauf möchte ich bei aller Zufriedenheit mit Ornament und Proportion aber nicht weiter eingehen.
Das größere Gebäude überzeugt wie das Moppelhuhn bereits schrieb durch gesunde Größenverhältnisse, unaufgeregte Wiederholung der Elemente und einer insgesamt wertigen Anmutung!

Aber bei den Baukosten komme ich auf einen Quadratmeterpreis von 1111,11€ - sensationell günstig und qualitativ hochwertig?

Und ja, neben die genannte Berliner Kirche muss man keine Sondernutzungen und Scheunen setzen...

5

Lars K | 22.10.2019 17:58 Uhr

Ach, Deutschland

So etwas ist in Deutschland durchaus möglich und wird übrigens auch hier und dort gebaut. Man muss nicht gleich wieder Mundharmonika spielen, nur weil auch in anderen Ländern ab und zu schöne Häuser entstehen.

Warum so etwas nicht viel häufiger entsteht? Wahrscheinlich eine Mischung aus Bauvorschriften und Profitmaximierung. Die schlichte Box nutzt das Grundstück eben maximaler aus. Vielleicht sogar eine Frage des Geschmacks. An den Architekten liegt es jedenfalls nicht.

Vielleicht bräuchten wir sogar viel, viel mutigere Bauvorschriften, die von Investoren mehr verlangen. Schließlich müssen wir alle mit den Ergebnissen leben.

4

Moppelhuhn | 22.10.2019 17:38 Uhr

Die Fassade ...

... des gelben Eckhauses ist wirklich wunderschön und wäre auch mit weniger Aufwand (also billiger) immer noch schön gewesen, weil einfach die Proportionen stimmen.

Da wurde einfach alles richtig gemacht, was so oft falsch gemacht wird:

Der Sockel, der deutlich mit einem Gesims mit dem Fußboden des Obergeschosses abschließt und nicht irgendwo, wo es nicht paßt, die Proportionen der Fenster, die Gesimse genau an den richtigen Stellen und nicht wie so oft willkürlich und unpassend über die Fassade verteilt, die dezente Farbigkeit ...

Unter diesen Umständen würde das Gebäude auch noch gut aussehen, wenn es glatt verputzt wäre anstelle der Klinkerfassade. Allein beim (dennoch gelungenen) Staffelgeschoß wären noch Verbesserungen denkbar.

Häuser in dieser Art hätte ich mir neben der Friedrichswerderschen Kirche gewünscht ...

3

denkste | 22.10.2019 17:22 Uhr

Rote und gelbe Ziegel

Fassaden sind Ansichten.
sich nebeneinander liegende Wohnungen zu befenstern um sich so anzuschauen? Muss doch nicht sein.
Leichtigkeit in Form und Typologie sehe ich nicht

2

auch ein | 22.10.2019 17:22 Uhr

architekt

retro? oder retro-postmoderne?
charles jencks gedenk-torhaus?

was eine verfummelte ziegel-orgie

1

JH@LND | 22.10.2019 15:49 Uhr

Wieder mal...

...ein tolles Beispiel aus der Reihe "Wieso wäre so etwas in Deutschland kaum denkbar?". Weil uns die Leichtigkeit im Umgang mit tradierten Formen und Typologien fehlt? Weil wir ein zu eingeengtes Verständnis von "modern" haben? Weil niemand so eine Fassade bezahlen will? Ich find's einfach schön. Punkt.

 
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Die beiden Wohnhäuser wurden in Antwerpens Hafenviertel Cadix fertiggestellt.

Die beiden Wohnhäuser wurden in Antwerpens Hafenviertel Cadix fertiggestellt.

Das „gelbe Eckhaus“ beinhaltet Mietwohnungen und knüpft mit seiner Materialität an die Bautradition der Lagerhallen an.

Das „gelbe Eckhaus“ beinhaltet Mietwohnungen und knüpft mit seiner Materialität an die Bautradition der Lagerhallen an.

Im „roten Torgebäude“ ist neben Wohnungen ein Kindergarten untergebracht.

Im „roten Torgebäude“ ist neben Wohnungen ein Kindergarten untergebracht.

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