Geerdete Vielfalt
Wohnbauten in Wien von Gerner Gerner Plus und AllesWirdGut
Die Gegend um die Attemsgasse im 22. Bezirk im Nordosten Wiens hat sich in den letzten Jahrzehnten rasant entwickelt. In einem noch immer heterogenen Umfeld entstanden hier zahlreiche Siedlungsbauten mit teils recht unterschiedlichem Konzept, was Städtebau und öffentliche Nutzungen angeht. Die beiden Wiener Büros Gerner Gerner Plus und AllesWirdGut haben nun mit einem fünfteiligen Projekt eine Art Schlusspunkt der Quartiersentwicklung gesetzt. Sie ergänzten nicht nur Wohnungen, sondern eine ganze Bandbreite an sozialen und gemeinschaftlichen Nutzungen. Ihre Häuser gehen außerdem äußerst differenziert auf die Bedürfnisse verschiedener Gruppen ein.
Rote Emma nennt sich das Projekt, mit dem die Architekt*innen 2020 im Wettbewerb überzeugen konnten. Der Name bezieht sich auf eine Kartoffelsorte, was die Verbundenheit des Vorhabens mit der landwirtschaftlich geprägten Vergangenheit der Umgebung zum Ausdruck bringen soll. Selbst heute finden sich nur wenige hundert Meter weiter noch Felder. Alternativ kann aber auch auf den Dächern der oberirdisch achtgeschossigen Scheiben Obst und Gemüse angebaut werden. Vier von ihnen sind in einem parkartigen Setting aufgereiht, das auf ganzer Blockbreite zwischen zwei Straßen aufspannt. Das fünfte Gebäude entstand wiederum als eigenständiges Volumen in der nördlich angrenzenden Straßenflucht.
Die vier Meter hohen Sockel sind durchgehend öffentlichen Funktionen gewidmet, darunter eine Dependance der Volkshochschule, Kindergarten, Gemeinschaftsräume und Co-Working-Spaces. Mehr als zehn Vereine und Initiativen sind hier ansässig.
Von den rund 360 entstanden Wohnungen entfallen wiederum 44 auf ein Frauenwohnprojekt, 116 Einheiten sind als besonders leistbare Angebote deklariert. Darüber hinaus gibt es auch noch Apartments für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Die übrigen Wohnungen für Singles ebenso wie Familien werden regulär vermietet. Homeoffice-Situationen und wohnungsinterne Zimmerergänzungen – zusätzliche Fenster in der Fassade erlauben Abteilungen – sind in den Grundrissen bereits mitgedacht.
Errichtet wurden die Gebäude in Holzhybridbauweise, wobei Tiefgaragen und Sockel sowie das Grundskelett der Scheiben aus Stahlbeton bestehen, Fassaden und Balkongerüst aus Holz. Die Decken sind für Heizung und Kühlung aktiviert. Mit Windschutzwand und Pflanztrog versehen, können die privaten Außenbereiche als weitere gut nutzbare „Grünräume“ dienen. (sb)
- Fertigstellung:
- 2026
- Architektur:
- Gerner Gerner Plus AllesWirdGut
- Team AllesWirdGut:
- Bogdan Hămbășan, Felix Kämpfel, Irvin Levicki Ahatovic, Jan Schröder, Karl Koschek, Katarina Malinaricova, Kristina Mosor, Patrick Tinauer, Peter Jakubicek, Theresia Gruber, Ursula Pivetz
- Team Gerner Gerner Plus:
- Herta Frischenschlager, Marilies Frei, Lydia Hutter, Hanna Ernstbrunner, Daniela Podpera, Thomas Santner, Mario Bauer
- Landschaftsplanung:
- Carla Lo Landschaftsarchitektur
- Weitere Planungsbeteiligte:
- b-lab (Bauphysik & Brandschutzplanung), Dr. Ronald Mischek (Elektro- , Haustechnik-, & Tragwerksplanung), Sonja Gruber (Soziale Nachhaltigkeit), Isolde Fitzel (Leitsystem)
- Auftraggeberin:
- BWS Gemeinnützige allgemeine Bau-, Wohn- und Siedlungsgenossenschaft und MIGRA Gemeinnützige Wohnungsges.m.b.H.
- Fläche:
- 45.260 m² Bruttogrundfläche
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