Die Wohnmaschine von Florasdorf
StudioVlayStreeruwitz und Freimüller Söllinger in Wien
Bei der Entwicklung des Areals Florasdorf am Anger im Wiener Stadtviertel Florisdorf stand die Verbindung von alt und neu unter dem Motto „Stadt trifft Dorf“ im Vordergrund. Zwischen zwei lauten Verkehrsachsen im Norden der Stadt verortet, stellte es die beteiligten Architekturbüros vor eine fast unlösbare Aufgabe, die StudioVlayStreeruwitz und Freimüller Söllinger Architekten aber mit beispielhaftem Erfindergeist bewältigten. Das spitz zulaufende Grundstück im 21. Wiener Gemeindebezirk gehörte einst der ÖBB, die darauf befindliche Strecke wurde schon vor Jahren aufgelassen. Darauf hatte sich eine Kleingartenanlage entwickelt, wo die Ex-Eisenbahner ihrer Gartenbaulust fröhnten. Ein kleiner Teil dieser Anlage ist bis heute erhalten.
Das Projekt Florasdorf am Anger hebt das gemeinsame Gärtnern nun auf ein neues Level. Es soll den sozialen Kitt in der Siedlung herstellen. Diese besteht aus fünf Punkthäusern, entworfen von Freimüller Söllinger Architekten und einem langgestreckten Gebäude, dem sogennanten „Riegel“ entlang der viel befahrenen Donauautobahn A22, von StudioVlayStreeruwitz, der optisch in bester Le Corbusier-Wohnmaschinentradition daherkommt.
Dieser „Riegel“ ist nur durch einen schmalen Freiraum vom Lärm der aufgestelzten Autobahn A22 getrennt, die ausgerechnet gegenüber dem Gebäude auch noch eine Auffahrtsrampe besitzt. Die Wohnungen auf der Autobahnseite liegen deswegen unterhalb des Lärmkegels, also in den unteren beiden Etagen, darüber sind sie nach Westen ins Zentrum des Quartiers ausgerichtet und werden vom sogenannten Gartenregal vorm Lärm der A22 abgeschirmt. Das Gartenregal sorgt neben der eindrücklichen Sichtbetonfassade für zusätzliche Grünflächen auf Balkonen und in Loggien und dämpft den Lärm der Autobahn wirkungsvoll, wie Messungen ergeben haben.
Unterschiedliche Wohnungstypen mit individuellen, begrünten Freiräumen sollen im Haus für Durchmischung sorgen. Auf Ebene fünf findet sich eine für alle Bewohner*innen zugängliche Terrasse, die fast die Hälfte der Etage einnimmt. Sie bildet eine Art Dorfplatz, auf dem gemeinsam gegärtnert und geplaudert werden kann. Auf derselben Etage sind Einheiten untergebracht, die als Wohngemeinschaft oder Clusterwohnungen ausgeformt sind. Sogenannte „Jokerwohnungen“ bieten Platz für Familienzuwachs, Jugendliche oder Großeltern. Im Erdgeschoss sind ein durchgesteckter Kindergarten und Mehrzweckräume untergebracht.
Die Punkthochhäuser von Freimüller Söllinger Architekten sind im Inneren der Anlage in eine Gartenlandschaft eingebettet und bieten unterschiedliche Wohnungstypen. Alle Wohnungen haben Loggien, die auf den Innenhof ausgerichtet sind. Die Grundrisse sind auf der Hälfte der Etagen leicht gedreht und sorgen so für unterschiedliche Ausblicke und Sichtachsen je nach Haus und Stockwerk. Die Dächer sind begrünt und frei von Dachaufbauten und Haustechnik.
Eine Besonderheit von Florasdorf am Anger ist, dass die Grünflächen im Viertel landwirtschaftlich bestellt werden. In Zusammenarbeit mit dem Verein GIN, der Menschen mit Behinderung unterstützt und beschäftigt, werden Flächen mit Nutzpflanzen kultiviert. Neben dem Gärtnern wird auch die soziale Nachhaltigkeit in Florasdorf großgeschrieben. Das Nachbarschaftszentrum „Flora“ soll die Generationen durch ein vielfältiges und kostenloses Freizeitangebot verbinden. Weiterhin bietet das Projekt kostengünstige Möglichkeiten zum generationenübergreifendem Wohnen an. Soziale Träger sollen Wohnpartnerschaften zur Hilfe beim Einkaufen oder bei der Kinderbetreuung bilden helfen. (tl)
Fotos: Bruno Klomfar, Lukas Gächter und Andrea Ehrenreich
Vielleicht sogar mit den gescholtenen Architektinnen? In Wien wäre definitiv mehr zu lernen, als aus den Baunetz-Kommentaren. Und dann ein Glaserl Veltliner zur nüchterneren Sicht auf die Welt...
Von der strasse möglichst glatt, vielleicht komplett schallschutzglas, ggf mit umgekehrten Sichtschutzlamellen nach oben für das Licht. Straße als der lichtgebende Raum. die frage ist, wie kultiviert man die Reduktion um luft und blick? oder kann man sogar die megabewegung optisch einhegen, den Genius loci, der so großartig ist wie etwa eine Brandung. Vielleicht einfach Milchglas mit nachts led und Bildschirm als vermittelte Hinwendung zur Realität, ein neuer Genius loci. Eine sensible Wand
Unabhängig von diesem haarsträubenden Unfug würde es mich noch interessieren, welchen gedanklichen Handstand Herr Yikes vollführt, um Zaha Hadids Brand-Architecture mit der europäischen Stadt in übereinstimmung zu bringen. Zum Projekt: Ich denke nicht, dass die Architekten die Entscheidung getroffen haben das Grundstück in dieser Lage zu bebauen, sondern diese eher einem immobilienwirtschaftlichen Verwertungsdruck entsprungen ist. Auf die spezifischen Anforderungen mit einer Lärmschutzbebauung zu reagieren ist nur konsequent.
Merken Sie selbst, Yikes, oder? Ach ja, und Patrik Schumacher vertritt nicht etwa katastrophal dumme. selbstverliebte und jedes gesellschaftliches Miteinander kaputtwalzende Schwatzmeinungen, die auch Zaha im Grabe rotieren lassen, sondern das bekannteste Büro der Welt (!), das mit seiner wunderbaren Architektur die Menschen glücklich macht. Wunderbar. Wirklich ganz ganz großes Kino.