Auf sozialem Terrain
Wohnensemble in Wien von querkraft architekten
Bereits seit Jahrzehnten läuft die Transformation des einstigen Wiener Nordbahnhofs zum Wohn- und Geschäftsviertel. Ein Ende ist in Sicht: die letzten Baufelder zwischen Gleisbett und Nordbahnstraße werden befüllt. Den städtebaulichen Rahmen dafür lieferte ein Ideenwettbewerb von 2012, bei dem sich das Leitbild „Freie Mitte – Vielseitiger Rand“ durchsetzte. Wie ein Abziehbild dieser Quartiersidee wirkt das kürzlich fertiggestellte Ensemble NB1 vom Wiener Büro querkraft architekten, das Sozialangebote, Läden und gut 250 geförderte Wohnungen um einen halböffentlichen Hof gruppiert.
Innerhalb der neuen Wiener Nachbarschaft nimmt das Projekt von querkraft eine Schlüsselrolle ein: Es bildet das südliche Tor zur hochfrequentierten Nordbahnstraße. Den Auftrag für die Anlage gaben die gemeinnützigen Wohnungsgesellschaften MIGRA und WOGEM nach einem offenen Realisierungswettbewerb, den querkraft architekten 2019 gewannen. Knapp 36.000 Quadratmeter Bruttogrundfläche mit Wohnungen, Büros, Geschäften und Sozialeinrichtungen wurden realisiert.
Die Kubatur wurde nach dem städtebaulichen Leitbild von StudioVlayStreeruwitz (Wien) weiterentwickelt. Ein schwefelgelber Sockel, der drei bis fünf Geschosse aufnimmt, besetzt das Grundstück in L-Form. Im Erdgeschoss straßengrau, belegen ihn ein Supermarkt und Ladengeschäfte, darüber Büros und Sozialeinrichtungen. On top setzte man drei weiße Wohnquader mit unterschiedlicher Höhe, angehoben durch ein rückgesetztes Fugengeschoss. Auffällig ist die Vielzahl der Austritte – umlaufende, begrünte Loggien im Sockelbereich und erkerartige Betonvolumen an den aufgesetzten Quadern.
Laut Architekt*innen unterteilt die horizontale Schichtung die Gesamtkubatur in „klar lesbare, maßstäbliche Volumen“. Im halböffentlichen Hof findet das Terrassenmotiv seine Fortsetzung – mit Freitreppen, Sitzstufen und einer umlaufenden Galerie, die querkraft als „urbane Terrassen“ verstanden wissen wollen. Zu diesen öffnen sich Gemeinschaftsräume der Bewohner*innen, private Veranden sowie sämtliche Freibereiche – ein Urban Garden, Sitzgruppen genauso wie ein Spielplatz, der dem modellierten Terrain folgt. Die Landschaftsplanung kommt von YEWO Landscapes aus Wien.
Gut die Hälfte der 247 geförderten Wohnungen richtet sich entsprechend dem sogenannten Smart-Prinzip explizit an junge Menschen und Auszubildende mit Wohnsitz in Wien. Aber auch Familien sollen hier künftig wohnen. 1- bis 5-Raumwohnungen sieht der Wohnungsmix vor. Der Verein SOS-Kinderdörfer betreibt hier außerdem drei Wohngemeinschaften für Kinder und Jugendliche. Daneben bietet die Volkshilfe weitere soziale Einrichtungen an, wie zum Beispiel den „Jobtrain“, ein Reparatur-Café und den sogenannten Grätzel-Stützpunkt, an dem Bewohner*innen bei technischen Problemen geholfen wird. (tg)
Fotos: Hertha Hurnaus
- Fertigstellung:
- 2024
- Architektur:
- querkraft architekten
- Auftraggeber*in:
- MIGRA, WOGEM
- Projektteam:
- Guillermo Alvarez, Magdalena Süss, Claudia Cikanek, Fabian Partoll, Diana Perge, Kilian Schaffer, Ilinca Urziceanu, Mechthild Weber
- Tragwerksplanung:
- Dorr-Schober & Partner
- Bauphysik + Brandschutz:
- Kern + Ingenieure
- Landschaftsplanung:
- YEWO Büro für Landschaftsplanung
- Fläche:
- 36.136 m² Bruttogrundfläche
Der vielseitig bebaute Rand um die sogenannte Freie Mitte wird unter anderem gebildet durch Wohnbauten von Superblock und AllesWirdGut sowie einem Hochhaus von Franz&Sue.
, das keiner pflegt, und das nicht dauerhaft im Betrieb überleben wird, wegdenkt, dann bleiben: Hässliche Fassaden, schreckliche Grundrisse, drangeklebte Balkone,: Ghettoarchitektur mit Fluren, in denen Du den Tatort" drehen kannst: ganz furchtbar und schlimm.
Ich finde das auf jeder architektonischen Ebene zum davonrennen. Billige Materialien und Details, schleche Fassaden, drangeklebte Betonkästen als Balkone, offenliegende Fallleitungen, unnötige Auskragungskapriolen, Horrorfilmflure mit aufgeregtem Fliesenmuster etc.... Die Baukörper werden in wenigen Jahren in einen Schleier aus Sifffahnen gehüllt sein. Ich weiß ich weiß, Wohnungsbau hat eienn krassen Kostendruck, aber vielleicht sollte man in Wien mal Stefan Forster und seine Leute rann lassen, dann lebt sichs da auch in 20 Jahren noch gut...
warum die floskel "in deutschland kaum vorstellbar" ?