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04.02.2019

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Cluster am laufenden Band

Wettbewerb für modulare Grundschulen in Berlin entschieden


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Berlin braucht Schulen – und zwar schnell. Deshalb wurde 2016 – nach Jahren des Investitionsstaus – die Berliner Schulbauoffensive gestartet, in deren Rahmen 5,5 Milliarden Euro in Sanierung, Aus- und Neubau fließen sollen. Auf zehn Jahre ist das Programm angelegt, rund 65 neue Schulen sollen entstehen, größtenteils Grundschulen.

Wenn es schnell gehen soll, liegt es auf der Hand, über die Effizienz von Planungsprozessen nachzudenken. Vor zwei Jahren stellte der Senat zehn Entwürfe im Rahmen des Programms „Modellvorhaben zur Beschleunigung von Schulneubauten – MOBS“ vor, nun liegen die Ergebnisse der beiden Wettbewerbe für modulare 3- und 4-zügige Grundschulen vor. Die Jury unter Vorsitz von Jürgen Engel (Frankfurt am Main) tagte bereits am 5. und 6. Dezember, doch erst vergangene Woche wurden die Pläne aller Teilnehmer veröffentlicht.

Aufgabe der beiden unabhängig voneinander durchgeführten, nichtoffenen Realisierungswettbewerbe mit je 15 Teilnehmern war die Planung einer typisierten und modular konzipierten Grundschule mit Sporthalle. Ziel war dabei nicht nur, einen möglichst wirtschaftlichen und flexiblen Typenbau zu entwickeln, sondern neue räumliche Konzepte umzusetzen. Seit Jahren fordern progressive Pädagogen das Ende der Klassenzimmer-Flur-Schulen, in denen die Räume entlang von Korridoren aufgereiht sind. Stattdessen wünscht man sich sogenannte Cluster, in denen Klassenzimmer, flexibel bespielbare Flächen und Teambereiche als in sich zentrierte „Schule in der Schule“ organisiert werden. Räumliche Offenheit und visuelle Verbindungen zwischen den Räumen schaffen flexible Nutzungsmöglichkeiten, die dem heutigen, individualisierten Lernen angepasst sind.

Vor diesem Paradigmenwechsel im Schulbau muss man die beiden nun entschiedenen Wettbewerbe verstehen. Mit der Ausrichtung auf die Cluster-Schule folgt Berlin einem Trend, der in immer mehr Kommunen sichtbar wird. München war bei der Entwicklung von Cluster-Schulen Vorreiterin. Ganz ähnlich wie beim Projekt für vier modulare Grundschulen in München von Wulf Architekten (Stuttgart), handelt es sich nun auch in Berlin weitgehend um Standorte in locker bebauten Gebieten in Stadtrandlage. Die Büros mussten die standortspezifische Realisierbarkeit ihres Projekts nachweisen – die dreizügige soll fünf-, die vierzügige sechsmal gebaut werden. Darüber hinaus sind fünf bzw. sechs weitere Realisierungen laut Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen denkbar. Das Preisgereicht vergab jeweils drei Preise und zwei Anerkennungen:

3-zügige Grundschule und Turnhalle:

  • 1. Preis: h4a Gessert + Randecker (Stuttgart)

  • 2. Preis: HerbstKunkler Architekten / aim busse architekten ingenieure (Berlin)

  • 3. Preis: Bruno Fioretti Marquez Architekten (Berlin)

  • Anerkennung: erchinger wurfbaum architektur Müntinga + Puy (Berlin)

  • Anerkennung: PPAG architects (Wien)



4-zügige Grundschule und Turnhalle:


Am siegreichen Entwurf für die 3-zügige Grundschule von h4a Gessert + Randecker lobte die Jury die geschickte Grundrisslösung und die Anordnung der Cluster rund um die Innenhöfe. „Spiegelung und Achsenversatz des Grundmoduls“ führen zu einer „stadträumlich komplexen Figur“ und bietet im Inneren „zusätzliche Überlagerung und Durchmischung“. Die Erschließung über eine mittige Achse, an die wiederum direkt die Teambereiche der Pädagogen anschließen, überzeugte die Jury ebenso wie das ambitionierte Konstruktionssystem. Durch den Einsatz von Holz-Beton-Verbunddecken und ein primäres Holztragwerk streben die Architekten ein Haus an, das den Vorgaben der Cradle to Cradle-Prinzipien gerecht wird.

Am siegreichen Entwurf für die 4-zügige Grundschule von Bruno Fioretti Marquez gefiel dem Preisgericht die kompakte Anordnung, die zu kurzen Wegen und guter Belichtung führt. Trotz „kurzer Fassaden, die angenehm kleinteilig, aber dennoch großstädtisch“ wirken, sei das Konstruktionsprinzip „radikal klar, einfach und völlig gleich“ bei allen sechs Schulen. Die Architekten schlagen ein Raster mit dem Achsmaß 8,25 Meter vor und setzen auf Stahlbeton-Verbundstützen, die Halbfertigteil-Flachdeckenelemente tragen.

Im nächsten Schritt wird ein Verhandlunsgverfahren nach Vergabeverordnung (VgV) mit den drei Preisträgern durchgeführt. Die Architekten fungieren als Generalplaner, der Bau erfolgt in Amtshilfe durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen. Im Sommer 2022 sollen die ersten Schulen fertig sein. (gh)


Zum Thema:

Alle Wettbewerbsergebnisse sind noch bis 12. Februar 2019 im Vollgutlager (ehem. Kindl-Brauerei), Rollbergstrsße 26, 12053 Berlin zu sehen. Die Ausstellung ist täglich von 13 bis 20 Uhr geöffnet. Wer mehr über die Hintergründe des neuen Schulbaus in Deutschland wissen möchte, der sollte das Interview mit Barbara Pampe in der aktuellen Baunetzwoche#528 lesen.


Kommentare

1

R. Liebig | 04.02.2019 16:15 Uhr

Cluster am laufenden Band...

Am laufenden Band war eine sehr beliebte Samstagabendsendung in den 70zigern und sie war, zumindest damals, sehr unterhaltsam. Das kann man von den eingereichten "Clusterschulen" leider nicht behaupten. Hier herrschen Langeweile, Ordnung und Rigidität. Dem Individuum und der Vielfalt wird hier nicht viel geboten. Aber das war wohl schon im Programm angelegt. Ob so die Defizite in unserer Schulausbildung behoben werden können, bleibt die spannende Frage. Offenbar geht es eher um Quantität und weniger um Qualität... So viel Geld für so wenig Esprit. Schade.

 
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3-zügige Grundschule, 1. Preis: h4a Gessert + Randecker (Stuttgart)

3-zügige Grundschule, 1. Preis: h4a Gessert + Randecker (Stuttgart)

3-zügige Grundschule, Anerkennung: PPAG architects (Wien)

3-zügige Grundschule, Anerkennung: PPAG architects (Wien)

4-zügige Grundschule, 1. Preis: Bruno Fioretti Marquez Architekten (Berlin)

4-zügige Grundschule, 1. Preis: Bruno Fioretti Marquez Architekten (Berlin)

4-zügige Grundschule, Anerkennung: AFF architekten (Berlin)

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