Weißer Riese am Starnberger See
Villa von Beer Bembé Dellinger Architekten
Im Einzugsbereich des südlich von München gelegenen Starnberger Sees haben Villen schon länger eine gewisse Tradition. Bereits vor 150 Jahren wurde die Schönheit der Landschaft dort entdeckt und so ist es kein Wunder, dass in der Region so einige als Sommersitz oder permanenter Wohnsitz genutzte Gründerzeitbauten – oft in wildem Stilmix – zu finden sind. Viel erstaunlicher, als der Wunsch sich ein Villa mit See- und Alpenblick in die Gefilde einer der wohlhabendste Landkreise Deutschlands stellen zu wollen, ist aber eben dort ein freies Grundstück in der trotz der hohen Preise begehrten Lage abzubekommen.
Den Bauherren der von den Architekt*innen Beer Bembé Dellinger Haus J2 genannten Villa ist es gelungen; wenn auch im Zuge der Projektentwicklung zunächst kein gesichertes Baurecht für das Grundstück vorlag. Dieses musste erst in Verhandlung mit den Genehmigungsbehörden über Entwurfsvarianten entwickelt werden. Das ging so weit, dass „ein zunächst von der Behörde zugesicherter Entwurf dann doch nicht genehmigt und eine umfängliche Überarbeitung nötig wurde“, wie das Büro mit Sitz in Greifenberg, München und Augsburg schreibt.
Nun aber liegen der mit weißem Aluminiumblech verkleideten Stahlbetonkonstruktion Berge und See zu Füßen. Selbst die Anfahrt über eine Stichstraße sei theatralisch inszeniert, schwärmen die Auftraggeber, die über einen früheren Entwurf auf das Büro aufmerksam geworden waren. Entstanden ist „eine gelebte Bauskulptur aus hellem Sichtbeton in der Sichtbetonklasse SB3 mit fließenden Raumübergängen, Öffnungen und Durchblicken durch alle vier Geschosse“, wie die Architekt*innen schreiben. Die 950 Quadratmeter Nutzfläche bieten 650 Quadratmeter Wohnfläche samt Gästewohnung und Wellnessbereich.
Die Bauherren seien eng in den Entstehungsprozess eingebunden, ja bis in die kleinste Detailabstimmung involviert gewesen, erklärt das Büro: Ursprünglich sei eine Materialisierung in dunklen Tönen angestrebt gewesen – geräucherte Eiche, dunkles Eloxal und grauer Sichtbeton –, doch im Verlauf der Planungsarbeiten entwickelte sich der Entwurf ins absolute Gegenteil. „Eine derart enge Zusammenarbeit mit den Bauherren ist Fluch und Segen gleichermaßen, denn sie kostet Nerven und Zeit, auch wenn die Architektenarbeit von den Bauherren immer sehr wertgeschätzt wurde“, so Sebastian Dellinger. Im Pingpong mit den Bauherren habe man versucht, die Wünsche den Möglichkeiten entsprechend umzusetzen. Dellinger betont in dem Zusammenhang auch die essenzielle Arbeit der Projektarchitektin Ioana Sulea, die am Ende immer zu wenig gewürdigt werde – insofern sei sie hier besonders hervorgehoben. (tl)
Fotos: Stefan Müller-Naumann
Was hat Moria damit zu tun???
Den 911er (der IMMER schon teuer war) stellen Alle im Plan gerne in die Tiefgarage....
Es ist riesig und teuer, ist kein Sozialbau, entspricht keinem Nachhaltigkeitslabel.
Aber so schön!
Nichtsdestotrotz sind wir immer noch Vorbild und Moderne will keinem was wegnehmen und ohne Ausgrenzung auskommen. Das bleibt die Aufgabe.
Also auch aus Villen gute Konzepte extrahieren und zeigen, das es noch schöner einfacher geht. Villen zu Hütten.
Bei Bauwerken wie diesem kann es nicht einfach nur um Design-Themen und formale Dinge gehen.
Architektur ist immer auch Politik. Architektur kann nie für sich abgekoppelt von sozialpolitischen Themen gesehen werden.
Das schaffen wir evtl. bei einer Villa Rotonda, weil die gesellschaftlichen Verhältnisse, in denen sie gebaut wurde schon so lange vorbei sind und wir -eher aus Unwissenheit- nur noch die wunderbare Form sehen. Aber auch die war eigentlich ein Verbrechen.
Bei diesem Bauwerk hier stellt sich einfach die Frage, ob es noch zeitgemäss ist, dass sich irgendwo ein solcher dekadenter Reichtum auftut, wo andernorts Menschen zu tausenden in Armut ersaufen. Das ist in der Tat manchmal schwer zu ertragen und dann über Schattenfugen in einer 10 Mio Villa zu diskutieren ist so was von müssig....
Das Haus strahlt für mich einfach keinerlei Leben aus, alles ist gestellt und arrangiert. es wäre super-interessant mal die Bauherren mit am Foto zu sehen.