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https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Verwaltungsgebaeude_in_Genf_von_Berrel_Berrel_Kraeutler_Architekten_und_Herzog_Architekten_5555910.html

03.12.2018

Waschbetonklischees weitergedacht

Verwaltungsgebäude in Genf von Berrel Berrel Kräutler Architekten und Herzog Architekten


Man sieht es von Weitem und auch der Name verrät es: Das Bâtiment du Conseiller fédéral Walther Stampfli BCFWS der Alters- und Hinterlassenenversicherung AHV in Genf ist ein klassischer Verwaltungsbau. Es geht hier um Rentenbezüge. Und auch die Geschichte des Hauses passt ins Bild. Das Gebäude entstammt den 1970ern und sieht haargenau so aus, wie man sich ein dezent brutalistisches Bürohaus vorstellt.

Auch die weiteren Schritte sind nicht ungewöhnlich: Das Haus war sanierungsbedürftig und über die Jahre zu klein geworden. Deshalb lobte das Schweizer Bundesamt für Bauten und Logistik 2010 einen Wettbewerb aus, den die ARGE Berrel Berrel Kräutler Architekten und Herzog Architekten für sich entscheiden konnte. 2013 wurde mit dem Bau begonnen, Mitte diesen Jahres war das erweiterte und rundum erneuerte Haus fertig. Den Neubau setzten die Architekten direkt an die bestehende Scheibe, so dass ein organisches Ganzes entstand. Für die beiden Zürcher Büros war das BCFWS das erste große Ausführungsprojekt. Das neue Bürohaus, das nach dem „Vater der AHV“, Walther Stampfli, benannt wurde, ist nun nahezu doppelt so groß wie bisher und bietet auf 38.000 Quadratmetern Geschossfläche Platz für rund 1.000 Arbeitsplätze.

Soweit keine Überraschungen. Auch im Inneren sieht vieles so aus, wie man sich einen sauber durchgearbeiteten Schweizer Verwaltungsbau vorstellt. Spannend scheint in erster Linie die Fassade, denn diese muss als ein kontextuell sensibles und zugleich selbstbewusstes Weiterdenken des Bestandbaus verstanden werden. Die Architekten griffen die Konstruktionsweise aus vorfabrizierten Betonelementen und die horizontale Gliederung des Altbaus auf und überführten diese im Erweiterungsbau in eine monumentale Ordnung. Statt streng gereihter Fenster gibt es nun ein axialsymmetrisches Fenstermotiv, statt Waschbetonelementen ein plastisches Rahmenwerk, das der Fassade Gravität verleiht. Indem die neue Ordnung in Erdgeschoss und Attika auch den Altbau umfasst, wird dieser klar eingebunden ohne seiner zeittypischen Optik beraubt zu werden.

Dabei verweisen die Architekten nicht zuletzt auf die lokale Baufirma Prelco, die es ermöglicht habe, „das eindrückliche Fassadenbild mit sehr wenigen Fugen und außergewöhnlich großen Betonelementen“ umzusetzen. Mit Blick auf die oft ungebliebten Verwaltungsbauten, die in ähnlicher Weise unendlich oft existieren und momentan mehr und mehr zu Sanierungsfällen werden, kann die Lösung von Berrel Berrel Kräutler Architekten und Herzog Architekten als inspirierende und respektvolle Auseinandersetzung mit dem Bestand gesehen werden. (gh)

Fotos: Tonatiuh Ambrosetti
, Adrien Barakat, Eik Frenzel


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