Klinker mit Kniff
Verbundschule von K9 in Rottenburg am Neckar
Josef Eberle hat als Schriftsteller sowie Mitbegründer und langjähriger Herausgeber der Stuttgarter Zeitung die mediale Öffentlichkeit im bundesdeutschen Südwesten der Nachkriegszeit maßgeblich geprägt. Ursprünglich stammte er aus Rottenburg am Neckar, wo heute eine Real- und Werkrealschule nach ihm benannt ist. Seit vergangenem Jahr ist die Josef-Eberle-Schule in einem Neubau im Norden der Stadt ansässig. Dieser wurde von K9 Architekten aus Freiburg im Breisgau entworfen und geplant.
Rottenburg am Neckar liegt westlich von Tübingen. Schon vor ein paar Wochen warfen wir dort einen Blick auf ein neues Bildungshaus von Bez+Kock. Aus der Altstadt geht es nun in die Peripherie der schwäbischen Mittelstadt. Dort ist das sogenannte Hohenberggelände zu finden, das als Campus mehrere Schulen umfasst. Die schon länger hier befindliche Werkrealschule wurde im Rahmen des Neubaus um einen reinen Realschulzweig zu einer Verbundschule erweitert, das alte Schulhaus dabei abgerissen. Werkrealschulen bieten in Baden-Württemberg die Möglichkeit, nach dem Hauptschulabschluss über ein optionales weiteres Jahr den mittleren Bildungsabschluss zu erwerben.
Die Architekt*innen positionierten einen dreigeschossigen Baukörper am Eingang des leicht erhöht liegenden Schulareals. Die Bildungseinrichtung ist in zwei Flügeln organisiert, wobei der eine kammartig ausgreift. Zwei gleichberechtigte Eingänge integrieren die Schule in ihre Umgebung. Beide führen in eine zentrale Halle mit offener Treppe und umlaufender Erschließung.
Sechs Lerncluster strukturieren das Gebäude. Sie fassen jeweils drei Klassenräume mit offenem Lernbereich, Differenzierungsraum und Stufenlehrerzimmer zu pädagogischen Einheiten zusammen. Hinzu kommen Ganztagsbereich, Schulküche, Musiksaal, Mediathek, diverse Fach- und Werkräume und ein Schülercafé am südlichen Eingang. Die Grundrisse bieten großzügige, flexibel nutzbare Begegnungs- und Aufenthaltsflächen.
Umgesetzt wurde die Schule als Stahlbetonkonstruktion mit einer Fassade aus Klinkerriemchen. Letztere wurden als besonderer Kniff teils mit sichtiger Rückseite verbaut. Im Inneren dominiert Beton und in den offenen Lernbereichen Einbauten aus Seekiefer-Sperrholz. Akzente in der Eingangshalle und den Verkehrsflächen setzt ein terracottafarbener Betonwerkstein als Bodenbelag. (sb)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- K9 Architekten
- Weitere Planungsbeteiligte:
- ERNST² Architekten (Bauleitung), Werner Sobek AG (Statik), WPW Rhein-Neckar (Heizung, Lüftung, Sanitär), Raible + Partner (Elektro)
- Freiraumplanung:
- KMB Plan Werk Stadt
- Bauherr:
- Stadt Rottenburg am Neckar
- Fläche:
- 6.630 m² Bruttogrundfläche








