Mixed Use im Verwaltungszentrum
Umbaupläne von Lacaton & Vassal und Emmanuelle Delage in Vannes
Die Umnutzung von Bürogebäuden zu dringend benötigtem Wohnraum gewinnt durch den Wandel der Arbeitswelt seit der COVID-19-Pandemie zunehmend an Bedeutung. Trotz politischer Bestrebungen zur Stärkung der Innenentwicklung ist die Realisierung von Transformationsprojekten in Deutschland aufgrund der föderalen Struktur des Baurechts häufig komplex. Anders in Frankreich: Nach Reformen zur Vereinfachung von Nutzungsänderung und Bestandsentwicklung wird hier seit 2024 gezielt die Umwandlung von Büros in Wohnungen erleichtert. Auch ein ehemaliges Verwaltungszentrum in der in der Bretagne gelegenen Stadt Vannes soll nun nach einem Entwurf von Lacaton & Vasall (Montreuil) mit Emmanuelle Delage Architecte (Paris) zu Wohnen und Büros umgebaut werden.
Die markante Cité Administrative im Stadtzentrum, erbaut 1967 nach Entwürfen von Jean-Baptiste Hourlier, dem damaligen Chefarchitekten der Abteilung für öffentliche Gebäude und nationale Paläste, steht seit 2019 leer. Zwei bretonische Immobilienunternehmen, GReeStone und Grand Ouest Immobilier (als Bauherr und Investor), erwarben das Gebäude vom französischen Staat und wollen es bis 2028 in Mixed Use überführen. Das Projekt wird derzeit unter dem Namen Le Semáphore vermarktet.
Der dreistöckige Sockel soll Büros, Geschäfte und weitere Dienstleistungsangebote aufnehmen. Für die darauf ruhenden, kreuzförmig angeordneten fünf Vollgeschosse und das zurückversetzte Dachgeschoss sind verschiedene Wohnnutzungen vorgesehen: In drei Flügeln sollen 86 Eigentumswohnungen von einem bis fünf Zimmern, im vierten 90 Studio-Apartments für Studierende und junge Berufstätige entstehen. Die offene Tragstruktur des Bestands ermöglicht eine flexible Neuorganisation der Grundrisse um den Verteilerkern und die bestehenden Korridore. Prägende Bestandselemente wie der Eingangsbereich und die Treppenhäuser bleiben erhalten. Die teils asbestbelastete Fassade wird durch eine leistungsfähige Glasfassade mit vorgelagerten Balkonen ersetzt.
Der Entwurf folgt den für Lacaton & Vassal typischen Prinzipien des Weiterbauens im Bestand und der räumlichen Erweiterung. Durchgehende Balkone und großzügige Verglasungen verbessern die Belichtung, schaffen zusätzlichen Wohnraum und tragen durch Verschattung und natürliche Klimaregulierung zum thermischen Komfort bei. Begrünte Außenbereiche und Dachterrassen erhöhen die Aufenthaltsqualität, während die Kombination aus Wohnen, Arbeiten und öffentlich zugänglichen Bereichen die soziale Durchmischung stärken soll – und die erneute Einbindung des auffälligen Gebäudes in den Stadtraum. (kms)




