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09.03.2018

Budapester Campus, invertiert

Universitätsneubau von O’Donnell+Tuomey


Die Bauaufgabe erinnert an die Architekturfakultät von Aires Mateus im belgischen Tournai: Auch dort galt es, eine Universität in dichten Bestand zu implementieren. Für die Realisierung eines 35.000 Quadratmeter großen Campus inmitten der auf der Weltkulturerbeliste stehenden Budapester Altstadt mussten O’Donnell + Tuomey (Dublin) diesen allerdings gewissermaßen invertieren. Fünf benachbarte, doch unabhängige Bestandsbauten nutzte die Central European University (CEU) bereits. Diese sollte das irische Büro miteinander verbinden und um zwei Neubauten ergänzen. Sein Masterplan sieht ein einem Organismus ähnelndes Gebilde aus Gängen, offenen Treppenhäusern, zwischengeschalteten Räumen und überdachten Höfen vor, das sich wie gegossen in die Freiräume des Blockes legt und innerhalb dessen sich das Campusleben und der akademische Austausch abspielen soll.

Phase eins des Plans umfasste in erster Linie ein neues Eingangsgebäude, das dieses sich nach innen rhizomatisch entwickelnde Universitätsbauwerk zur Straße hin repräsentiert. Es handelt sich um den ersten Neubau jüngerer Zeit in diesem urbanen Kontext, Ende 2016 konnte er bezogen werden. Ihn und das direkt angrenzende, radikal umgebaute Bestandsgebäude krönt eine gemeinsame Dachterrasse. Den typischen ungarischen Kalkstein aufgreifend, übersetzt die plane Steinfassade die Ornamentik der stark gegliederten Budapester Straßenzüge in ein zeitgemäßes Raster von Einschnitten. Ein Großteil der mehrfach in sich geknickten Fassade ist verglast und lässt so Einblicke in Auditorium, Seminarräume und das Lerncafé der Bibliothek zu.

Die bauliche Transparenz ist stimmig in Anbetracht des Selbstverständnisses der privat finanzierten Universität. Und auch das Erschließen von Freiräumen durch das Eingraben in Bestehendes ist durchaus programmatisch lesbar für eine Hochschule, die in der derzeitigen politischen Stimmung kein leichtes Standing hat. Gegründet kurz nach dem Zerfall des Sozialistischen Blocks, um eine aktive geistige Auseinandersetzung mit offenen Gesellschaften anzuregen, fiel die CEU im letzten Jahr beinahe der politischen Willkür Viktor Orbáns zum Opfer. Nach anhaltendem Protest von Studierenden, Angestellten und Sympathisanten ist die Universität seit Ende Februar für weitere fünf Jahre akkreditiert. Zynisch sich auszumalen, wie ihr Gebäude regimekonform nachgenutzt werden könnte, sollte sich die unter dem Ministerpräsidenten rechtskonservativ ausgerichtete ungarische Regierungskoalition nach Ablauf dieser Frist doch durchsetzen. (kms)

Fotos: Tamás Bujnovszky


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