Elphi des Ostens
Umbau des Dresdner Kulturpalasts von gmp
Dort die silbrige Wolke, die kühn über einem alten Hafenspeicher schwebt, hier ein denkmalgeschützter, sachlicher Bau aus den Sechzigerjahren, der in historisierender Umgebung einen deutlichen Kontrapunkt setzt: Die Hamburger Elbphilharmonie und der nun zum Konzerthaus umgebaute Kulturpalast in Dresden scheinen zunächst nicht viel zu verbinden. Ja, beide Gebäude dienen einem Symphonieorchester als Spielort und beide Städte liegen sogar am gleichen Fluss. Aber sonst?
Es genügt ein Blick in den neuen Saal des Kulturpalastes, um auch architektonische Parallelen zutage zu fördern. Wie der große Saal in Hamburg ist nämlich auch der Dresdner Spielort in einer ovalen, weinbergartigen Konfiguration ausgeführt, die an Hans Scharouns berühmte Berliner Philharmonie denken lässt. Und die Gestaltung mit ihrem Kontrast zwischen dunklen Rängen und hellen Wänden folgt bei beiden Projekten ebenfalls diesem Vorbild. Dass der von gmp · Architekten von Gerkan, Marg und Partner umgestaltete Kulturpalast mit seiner Nutzungsmischung außerdem als ein Ort der zwanglosen, bürgerschaftlichen Begegnung beschrieben wird, lässt ebenfalls an die stolzen Bewohner der Hansestadt und ihren neuen Lieblingsbau denken.
Soweit zu den Parallelen zwischen den Projekten, die aber in Dresden angesichts der konkreten architektonischen Umstände natürlich schnell verblassen müssen. Der Umbau des 1969 vom 2013 verstorbenen Dresdner Architekten Wolfgang Hänsch errichteten Kulturpalastes geht auf einen Wettbewerb zurück, den Meinhard von Gerkan, Stephan Schütz und Nicolas Pomränke bereits 2009 für sich entscheiden konnten. Erhalten blieb die äußere Erscheinung des nun energetisch sanierten Gebäudes und die grundsätzliche räumliche Organisation mit dem großen Südfoyer. Auch die Gestaltung aller unmittelbar öffentlich zugänglichen Innenräume verblieb weitestgehend im – nun ebenfalls gründlich sanierten – Originalzustand. So viel Wertschätzung für die Moderne war in Dresden lange nicht, was insbesondere der historischen Komplexität der Stadt äußerst gut tun dürfte.
Grundlegend verändert hat sich aber – neben dem vollkommen neu gestalteten zentralen Saal mit seinen 1.750 Plätzen – die Nutzung des Gebäudes, das dank seiner räumlichen und konzeptionellen Offenheit einen spannenden Gegenpol zur kleinteiligen Umgebung bildet. Unter dem Konzertsaal wurde beispielsweise ein multifunktionaler Kabarettsaal mit 250 Plätzen integriert, der das Gebäude auch für populärere Formate öffnet. Und rings um den Konzertsaal legt sich in den beiden oberen Geschossen auf knapp 5.500 Quadratmetern die neue Zentralbibliothek der Stadt. Deren Gestaltung durch gmp folgt mit ihren roten Akzenten den Leitmotiven der ursprünglichen Architektur. Das Foyer dient dabei als „hochfrequentierte Erschließung“ aller Nutzungen des quadratischen Volumens, das zusätzlich noch aus zwei weiteren Himmelsrichtungen direkt zugänglich ist.
Explizit erwähnt wird in der Presseerklärung zur Wiedereröffnung des alten, neuen Kulturpalastes am kommenden Wochenende selbstverständlich auch die Akustik des Saals, die nicht nur in enger Abstimmung mit dem Orchester entwickelt wurde, sondern die auch deutlich den „traditionell etwas dunkleren Klang der Dresdner Philharmonie“ unterstützen soll. Das klingt nach einem Grad der Anpassung, wie sie nicht mal flussabwärts der Hamburger Wunderbau zu bieten hat. (sb)
Fotos: Christian Gahl
Dem Kulturpalast und seiner Geschichte ist aktuell außerdem noch eine Ausstellung im Stadtmuseum gewidmet.
schließe mich max an. typischer gmp-(um)bau - blutleer, langweilig, unambitioniert und nichtmal denkmalgerecht - trotz rotem teppichboden. mir als nicht-dresdner und wessi erschließt sich das ddr-architektur-bashing nicht. wenn wir so argumentieren, dann müssten wir alle mittelalterlichen kirchen abreißen, schließlich war der klerus damals alles andere als zimperlich, und wie viele menschen mussten für kirchenideen ihr leben lassen oder ihre freiheit einbüßen. sorry, aber der alte saal war gestalterisch um längen besser, meine persönliche meinung. klanglich keine ahnung, aber optisch schon.
In anderen Städten geht man mit sozialistischen Kulturgebäuden anders um und baut dafür neues Altes. Ich bin gespannt wie es klingt!
Jeder der dort jetzt sein musikalisches "Unwesen" treibt kann damit den alten Genossen den Mittelfinger zeigen. Ätsch, nach dem Untergang klingt`s besser. @max Es ist eben ein sozialistisch, pragmatischer Charme der auch, wie oben schon geschrieben, als Mahnmal gegen Unterdrückung zu sehen ist. Ein Teil unserer Geschichte.