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07.02.2023

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Für die Gemeinschaft

Sportzentrum in Brüssel von Bogdan & Van Broeck


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Das Viertel Molenbeek in Brüssel hatte schon vor 2015 keinen besonders guten Ruf, und dann folgten die Terroranschläge im November in Paris. Zwei der Haupttäter stammen aus Molenbeek, der Vater eines Dritten betrieb hier einen Laden. Zudem versteckte sich einer der Flüchtigen in Molenbeek und wurde dort erst im März 2016 dramatisch verhaftet. Seitdem wird verstärkt in die sozialen Strukturen und Angebote des Viertels investiert. Eines der angestoßenen Projekte konnte nun fertig gestellt werden: das Sport- und Gemeinschaftszentrum „Amal Amjahid“. Namensgeberin ist eine erfolgreiche belgische Kampfkunst-Sportlerin, die in Molenbeek geboren wurde und bereits mehrere Goldmedaillen für ihr Land Belgien gewinnen konnte.

Der Entwurf stammt von Bogdan & Van Broeck (Brüssel). Der Neubau steht direkt am Charleroi-Kanal, der Molenbeek von der Brüsseler Altstadt trennt. Bis zur Grand Place sind es kaum 400 Meter, aber die Bebauung am Kanal besteht überwiegend aus einem Flickenteppich von Büro-, Gewerbe- und Industriebauten. Das Sportzentrum setzt in diesem Umfeld ein architektonisches Ausrufezeichen. Gleichzeitig orientieren sich die Materialien der Fassaden an der Umgebung: Braune Metalloberflächen wechseln sich ab mit dem Grau der Betonfertigteile. Die ruhige Sachlichkeit dieser Materialien wird von den auffälligen Einschnitten im Volumen des Gebäudes unterbrochen sowie von den parabelförmigen Ausschnitten einiger betonter Türen und Fenstern in der Fassade.

Drinnen sind die Nutzungen gemischt: Die untersten beiden Geschosse nehmen eine Sporthalle und ein Café zur Straßenseite auf, darüber liegen Räume für verschiedene Kampfsportarten, in der obersten Etage eine Krippe für 84 Kinder sowie die Hausmeisterwohnung. Das Team von Oana Bogdan und Leo Van Broeck schreibt, dass die Sporthalle, wäre man alleine einer sinnvollen Lastenverteilung gefolgt, als größtes und leeres Volumen eigentlich in den obersten Etagen hätte liegen müssen. Man wollte aber gerade dieser Funktion die größte Sichtbarkeit zur Straße geben, und so habe man das Prinzip umgekehrt. Konstruktiv wurde das gelöst, indem vier zweigeschossige Stahlfachwerkträger quer auf den beiden Mauerwänden der Untergeschosse liegen.

Diese Fachwerkträger strukturieren als Wandscheiben die beiden Obergeschosse. So konnte das Gebäude nach oben hin poröser werden: Die Kampfsporträume liegen um einen Innenhof, den Patio des Costauds, um die Räume der Krippe verteilen sich kleine Terrassen, die Jardins des Juniors. Im Erdgeschoss öffnet sich die Turnhalle mit großen Fensterfronten sowohl zum Kanal als auch zur Stadtseite. Und im Norden, wo künftig ein Nachbargebäude anschließen wird, bietet der Neubau eine kleine öffentliche Passage, die Galerie des Géants, die eine innere Verbindung von der Stadt zum Kanal schafft. Diese Vielfalt an Zwischen-, Frei- und Erschließungsräumen ermöglicht einerseits die flexible, temporäre Ausweitung der Aktivitäten im Gebäude und stellt andererseits Orte zum Treffen und Kennenlernen für die unterschiedlichen Nutzer*innen bereit.

So entstand auf einem schmalen Grundstück von nur 1.213 Quadratmetern eine dichte Nutzungsmischung mit gut 4.000 Quadratmetern Nutzfläche. Das Gebäude ist zudem Ergebnis eines partizipativen Prozesses, in dem die Gestaltung mehrfach mit den verschiedenen Nutzergruppen, den Nachbarn und Vereinen abgestimmt wurde. (fh)

Fotos: Jeroen Verrecht, Laurian Ghinitoiu


Kommentare

1

auch ein | 09.02.2023 16:10 Uhr

architekt

belgien ist ja bekannt durch recht seltsame und besonders hässliche gebäude und viele bücher , oft satirische , dazu .
rein damit in band 2 , hats verdiennt!

und es hat sogar gedenkbögen aus beton glatt wie leder als remineszenz an schwäbische vorbilder

 
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