Ich schwör’ auf Rütli
Schulcampus in Berlin von Schulz und Schulz
Dass eine Schule mitten in Berlin-Neukölln nach einer Wiese über dem Vierwaldstättersee benannt ist, verwundert vielleicht. In räumlicher Hinsicht könnten diese beiden Orte gegensätzlicher jedenfalls nicht sein. Zumindest aber stehen sie beide für den Versuch, sich gegen widrige Mächte zur Wehr zu setzen. In der Schweiz ging es beim berühmten Rütlischwur um den Aufstand gegen die Habsburger, in Berlin um die verfehlte Bildungspolitik. Die wurde 2006 im oft zitierten „Brandbrief“ durch das damalige Kollegium der Schule kritisiert, was einen bis heute andauernden Reformprozess der Institution angestoßen hat. In architektonischer Hinsicht wurde dieser Prozess vor allem durch Schulz und Schulz (Leipzig) begleitet, die 2011 zusammen mit Stefan Bernard Landschaftsarchitekten (damals: Bernard und Sattler Landschaftsarchitekten, Berlin) einen entsprechenden Realisierungswettbewerb gewinnen konnten.
Ausgangspunkt der baulichen Maßnahmen war die Umwandlung der einstigen Rütli-Hauptschule in eine Gemeinschaftsschule unter Einbeziehung der benachbarten Franz-Schubert-Grundschule und der Heinrich-Heine-Realschule. Seit 2011 gibt es außerdem eine gymnasiale Oberstufe. Unter dem Projekttitel „Campus Rütli CR2“ wurden weitere nachbarschaftsbezogene Einrichtungen von der Kita über ein Stadtteilzentrum bis hin zu Gesundheitsdiensten und berufsorientierten Angeboten auf dem Gelände zusammengefasst. Einen ersten städtebaulichen Ideenwettbewerb gewann 2009 das Berliner Büro Plus 4930, das schließlich auch 2012 mit einer Sporthalle den ersten Ergänzungsbau auf dem Campus errichten konnte.
Die in diesem Sommer offiziell eingeweihten neuen Gebäude von Schulz und Schulz schreiben diese Vorgeschichte fort, indem sie sich zur Rütli-Straße als zentraler Achse der Anlage orientieren. War diese noch bis 2003 öffentlicher Straßenraum, ist sie inzwischen Teil des Schulgeländes. Die Architekt*innen lassen hier nun mittels einer L-förmigen Erweiterung des Altbaus einen zentralen Platz entstehen. Auch das zweigeschossige Stadteilzentrum, ebenfalls von Schulz und Schulz, befindet sich hier. Ansonst bleibt aber auch noch viel Freifläche für eine ordentliche Begrünung des Geländes.
Alle Gebäude folgen einer ähnlichen Formensprache, basierend auf einer Verkleidung mit Betonfertigteilen. Nur die oberen Geschosse des Schulneubaus, wo nach einer Übergangszeit die Grundstufe beheimatet sein wird, ist verputzt. Jeweils zwei Einheiten aus Klassenzimmern, Gruppenräumen und Teambereichen für die Lehrkräfte teilen sich einen Flur, die einzelnen Räume sind aber auch direkt miteinander verbunden. Milchglaswände treffen auf weißen Putz und farbige Akustikflächen, Beton in den Fluren auf Parkett in den Klassenzimmern.
Die Erschließungsachsen sind dabei mit dem Altbau verzahnt, der Haupteingang der Schule führt über die Erweiterung. Im Erdgeschoss der beiden Gebäude befinden sich außerdem übergreifende Einrichtungen wie Mensa, Bibliothek und Freizeiträume. Ein achteckiger Speisesaal befindet sich gerade noch in der Fertigstellung. Insgesamt umfassen die Maßnahmen eine Bruttogrundfläche von rund 10.000 Quadratmetern, von denen 5.700 auf den Erweiterungsbau entfallen. Auch ein eigenes Werkstattgebäude gibt es.
Durch die Maßnahmen ist an der Rütli-Schule nun Platz für 1.150 Schüler*innen. Dass sich die einstige Problemeinrichtung langsam in ein Erfolgsmodell verwandelt, ist aber nicht nur auf die Reformen und Investitionen der letzten anderthalb Jahrzehnte zurückzuführen. Auch der zugehörige Kiez hat sich seither fundamental gewandelt. Die Zeiten, in denen Kinder aus privilegierteren Familien zur Einschulung in benachbarte Bezirke gekarrt wurde, scheinen langsam vorbei zu sein. (sb)
Fotos: Gustav Willeit
Werter Kollege Peter jetzt bleiben Sie mal schön auf dem Teppich und fangen nicht an Unsinn zu reden.
Mittelmässige Architektur gibt es auf der ganzen Welt, das hat nichts mir "reinrassig" zu tun.
das hier ist das werk eines ingenieurs, der es sicher gut gemeint hat und alles richtig machen wollte - der aber als architekt auf der ganzen linie versagt hat. hier fehlen die kleinigkeiten, die dem haus leben einhauchen, und man muss vermuten, dass diese kleinigkeiten nicht zufällig fehlen, sondern in voller absicht vermieden wurden - in der hoffnung, so "reinrassige" architektur zu erschaffen. das kann so nur krachend scheitern - heraus kommt ein völlig totes bauwerk ohne jeden rest von esprit, ausgelaugt und deprimierend. schmackhaft wie destilliertes wasser, das dem, der es trinkt, noch die lebenswichtigen mineralstoffe entzieht.
die kunst des architekten ist, einem gebäude, totem material, leben einzuhauchen, räume zu schaffen, in denen leben stattfindet und freude macht. insofern ist der architekt nicht in erster linie dem bauherrn oder seiner eigenen haftpflichtversicherung am meisten verpflichtet, sondern den nutzern und der allgemeinheit, die sich einem bauwerk in den wenigsten fällen ganz entziehen kann.
"Ich spekuliere auch, dass es hier und da einige Schüler*innen im Haus geben wird, die Farbe ins Gebäude bringen, wenn die Kommentatoren hier den RAL-fächer nicht genügend in Benutzung gesehen haben"
Seit knapp 30 Jahren zweimal-um-die-Ecke-Nachbar dieses gewandelten Ortes kann ich nicht glauben, das dort nicht ein einziges Graffito dran ist. Alles in Photoshop weggestempelt?
Ein weiterer der tausenden Berliner Klötzchen-mit-Lochmuster-Zweckbauten, der den Proof of Time eher schlecht als recht bestehen wird ...
;-)
also ich wünsch mir manchmal den Behnisch zurück....
allerdings sollte man solche Riesenklötze (die ja aus DREI vollwertigen Schulen besteht...) lieber mal nach drei Jahren fotografieren, dann ist es in Besitz genommen, das Grün vielleicht mal gewachsen, die Fassade vielleicht bischen beschmiert.
Dann siehts doch gleich ganz anders aus.
Es stört mich bei JEDER Darstellung, dass meist noch nicht mal die Kleber von den Scheiben sind bevor der Fotograph kommt.
Deswegen @baunetz:
Wann gibt es eine RUbrik "Wiederbesucht" ?
Ich glaube da sieht die Welt ganz anders (und Wirklich) aus...
Oberflächlichkeit und Farbe sind für mich damit aber nicht ausgeschlossen. Es gibt auch Material, dass nach Behandlung durch Farbe verlangt.
Das Thema Farbe fristet momentan ein Schattendasein. Berührungsängste von Seiten der Planer als auch Bauherren.
"Farbe" heißt heute ja fast überwiegend: Sie bekommen alles, solange es DB703 ist.
Für mich sehr schade. Woran das liegt habe ich immer noch nicht begriffen.