Wohnen in vier Zeitschichten
Revitalisiertes Ensemble in Wien von Schenker Salvi Weber Architekten
Ein Mietshaus aus der Gründerzeit, dahinter ein ehemaliger Wirtschaftshof samt Fabrikgebäude aus dem Jahr 1899, ihm gegenüber ein niedriger Bürotrakt aus den 1950er Jahren – das heterogene Ensemble in der Apostelgasse im 3. Wiener Stadtbezirk erzählt von den diversen Nutzungen, darunter ein Walzwerk und ein Saatgutlager, die hier im Laufe eines Jahrhunderts kamen und gingen. Nachdem Schenker Salvi Weber Architekten (Wien) den in die Jahre gekommenen Bestand saniert, umgebaut und erweitert haben, wird auf dem Apostelhof hauptsächlich gewohnt. Seine Geschichte bleibt aber weiterhin am Erscheinungsbild ablesbar.
Für die Realisierung des Projekts, das eine Bruttogrundfläche von rund 6.300 Quadratmetern umfasst, kooperierten die beiden Immobilienentwickler GPH Real Estate und Nadland Development Group. Die Architekt*innen betrauten sie per Direktauftrag mit der Planung. Deren Ziel war eine „sanfte Sanierung“: Der individuelle Charakter der drei unterschiedlichen Bestandsbauten sollte erhalten bleiben. Ein besonderer Fokus lag daher auf der Fassadengestaltung.
An der schon lange entstuckten Straßenfront des ehemaligen Mietshauses schufen die Architekt*innen subtile Verweise auf das verloren gegangene bauzeitliche Fassadenbild. Das so hervorgehobene, original erhaltene Relief über dem Eingangstor dient der Adressbildung. Hofseitig erweitert ein vorgelagertes Balkongerüst mit vertikaler Begrünung die Wohnungen nach außen.
Im von rajek barosch landschaftsarchitektur (Wien) gestalteten Hof setzt das typische Ziegelrot des früheren Fabrikbaus einen prägenden Akzent. Auch neue Elemente wie die weit ausladenden Balkone greifen den Farbton auf. Vis-à-vis steht das dreigeschossige ehemalige Bürogebäude aus der Nachkriegszeit, der sich in seiner Kleinmaßstäblichkeit von der umgebenden Bebauung abhebt. Der Kontrast wird unterstützt durch einen mit dunkelblauer Keramik verkleideten Sockel. Vierter im Bunde ist ein kompakter Neubau, der östlich an das Ziegelgebäude anschließt. Die mit großen Fassadenöffnungen horizontal strukturierte Stahlbetonkonstruktion vervollständigt das Ensemble als zeitgenössisches Pendant.
Entstanden sind im Zuge des Projekts 48 Eigentumswohnungen mit Flächen zwischen 35 und 152 Quadratmetern. Durch die Unterschiedlichkeit der vier Baukörper ergibt sich eine große Vielfalt an Grundrissen und Raumqualitäten: offene, flexible Varianten im alten Fabrikbau, ost-west-orientierte Wohnungen im Gründerzeithaus, großzügige Raumweiten im Neubau, Townhouse-Atmosphäre im Nachkriegsgebäude. Auf dessen Sockel sitzen drei Maisonettes mit vorgelagerten Terrassen, die Raumeinheiten im Erdgeschoss mit starkem Außenbezug werden als Künstlerateliers oder Büros angeboten. (da)
- Fertigstellung:
- 2023
- Architektur:
- Schenker Salvi Weber
- Team Architektur:
- Stefan Dygruber, Tina Tobisch, Stefania Catania, Patrick Gläßner, Christoph Buchta, Christoph Frantes, Andreas Grasser, Thomas Morgner, Isabella Merz, Jana Sack, Mario Scheinecker, Andreea Suteu, Marie-Theres Schwaighofer, Thomas Weber
- Statik:
- G&G Ingenieure ZT GmbH
- Bauphysik:
- Österreichisches Institut für Bauen und Ökologie
- Landschaftsarchitektur:
- rajek barosch landschaftsarchitektur
- Brandschutz:
- IMS Brandrat GmbH
- Bauherrschaft:
- Apostelhof Entwicklung GmbH
- Fläche:
- 6.305 m² Bruttogrundfläche
- Baukosten:
- 18.700.000 €




