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07.02.2018

Camouflage zwischen Zypressen

Pflegeheim in der Toskana von LDA_iMdA


Grün gilt in der Farbpsychologie als beruhigend und regenerierend, es soll die Kreativität fördern und den Geist anregen – eine gute Farbe also für ein Gebäude, das der Therapie und Pflege dient. Die Casa Verde, eine therapeutische Einrichtung für geistig behinderte junge Frauen in San Miniato in der toskanischen Provinz Pisa, trägt das sie charakterisierende Grün konsequenterweise bereits im Namen. Das psychiatrische Zentrum in idyllischer Lage auf einem bewaldeten Hügel unweit des historischen Stadtzentrums von San Miniato entstand auf dem Gelände eines ehemaligen Waisenhauses. Dessen Gebäudebestand wurde nach Plänen des im Ort ansässigen Büros LDA_iMdA um- und ausgebaut.

Dem ursprünglichen Heim waren in der Vergangenheit bereits mehrere An- und Ausbauten hinzugefügt worden, was in einem zuletzt wenig ansprechenden baulichen Patchwork resultierte. Die Erweiterung von LDA_iMdA ordnet nun die Anlage mittels eines vorgelagerten, quaderförmigen Volumens und macht den Bestand so fast unsichtbar – lediglich im Osten dominiert er noch die Fassade. Ein kleiner, von außen nicht erkennbarer Innenhof markiert im Inneren den Übergang zwischen alt und neu.

Um die Stabilität des Hanges nicht zu gefährden, kam eine Leichtbauweise basierend auf einer Stahlstruktur in Kombination mit einem Trockenbausystem zum Einsatz. Der neue Baukörper unterteilt sich in ein Erdgeschoss mit bodentiefem, umlaufendem Fensterband und ein voluminös wirkendes, leicht auskragendes Obergeschoss. Wie eine große grüne Box sitzt es auf einem transparenten Sockel, umhüllt von einer hinterlüfteten Vorhangfassade aus perforiertem Metall. Diese ist von tief liegenden Fensteröffnungen durchbrochen, die teils als Reihe von Quadraten, teils als Gruppierung mit unterschiedlichen Größen und Formen ausgeführt wurden.

Die aus zwei übereinanderliegenden Lagen von Metallplatten in leicht changierenden Grünnuancen bestehende Gebäudehülle greift die verschiedenen Grüntöne der direkten Umgebung auf und präsentiert sich je nach Lichteinfall mal heller, mal dunkler in der Farbgebung. Sie spielt zugleich mit Transparenz: Von Weitem lässt sie das Volumen geschlossen-massiv erscheinen, aus der Nähe offenbart sich eine feine Durchlässigkeit – fast so, als läge ein Tarnnetz über dem Baukörper. Tatsächlich fügt er sich farblich in den Wald aus alten Zypressen und Steineichen so gut ein, dass er aus der Ferne betrachtet kaum auszumachen ist.

Von innen wirkt die Fassade dagegen wie ein abschirmender Filter, dessen unterschiedliche Perforierungen und Öffnungen heimelig anmutende Muster aus Licht und Schatten auf die Wände der Flure und Treppenaufgänge zeichnen. Hier dominiert ein neutrales Grau. Farbakzente in Grün, Blau und Orange markieren die verschiedenen Zonen, in denen die Patientinnen untergebracht sind. Zusätzlich kennzeichnen farbige Icons auf Wänden und Türen die Raumfunktionen und erleichtern so die Orientierung für die Frauen.

Grundlegendes Konzept des Entwurfs von LDA_iMdA war die Suche nach und das Herstellen von Bezügen, um das Gebäude kontextuell einzubetten: Bezüge zur umgebenden Landschaft, Bezüge zum Bestand – und auch Bezüge zu den Gästen des Hauses: Einige ihrer Landschaftszeichnungen dienen im Erdgeschoss als Fensterschmuck und an den Wänden im Foyer verweist eine Auswahl an Portraits auf sie. (da)

Fotos: MEDULLA studio, Simone Bossi


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