Balance in der Architektur
Neuer Entwurf für deutschen Expo-Pavillon
Das Büro Schmidhuber + Kaindl (München) hat eine aktuelle Fassung seines Entwurfs für den deutschen Expo-Pavillon für Shanghai 2010 veröffentlicht. Lennart Wiechell, Architekt und Geschäftsführer in diesem Büro, berichtet: „Nach einem Jahr Planungszeit ist das Projekt fortgeschritten und mittlerweile in der Ausführung. Das Konzept wurde ausführlich überarbeitet und stimmt mit den Darstellungen aus dem April 2008 nicht mehr überein“ (siehe dazu BauNetz-Meldung vom 16. April 2008).
In der Tat hat der jetzt gezeigte, ambitionierte Entwurf keine Ähnlichkeit mit dem Projekt, das die Auswahlkommission im Jahr 2008 gekürt hatte. Damals hatte die Bundesarchitektenkammer das Verfahren scharf kritisiert.
Getreu dem Motto „Balancity“ des deutschen Beitrags betonen die Architekten die „Balance in der Architektur“ ihres Entwurfs mit diesen Stichworten:
- Ausstellungskörper, die scheinbar frei über einer Landschaft balancieren
- Raumkörper, die gleichzeitig stabil und schwebend erscheinen
- Zusammenspiel von Körpern, die ein stabiles Gleichgewicht erzeugen
- Formen, die Vielfalt und Polaritäten betonen
- Komposition, die Lebendigkeit und Abwechslung ausstrahlt
Weitere Länder-Pavillons im BauNetz:
- Chilenischer Pavillon von Sabbagh Arquitectos
- Schweizer Pavillon von Buchner Bründler Architekten
- UAE Pavillon der Vereinigten Arabischen Emirate von Foster + Partners
- Dänischer Pavillon von BIG Bjarke Ingels Group
- Polnischer Pavillon von Wojciech Kakowski, Natalia Paszkowska und Marcin Mostafa
- Britischer Pavillon von Heatherwick Studio, Casson Mann und Adams Kara Taylor & Atelier Ten
- Italienischer Pavillon von Iodice Architetti
Dieser Entwurf zeigt in die richtige Richtung! Ohne ein Mindestmaß Loyalität werden die deutschen Architekten sich immer gegenseitig blockieren und auf der internationalen Bühne den Anschluß verpassen. Wann werden wir endlich lernen, die deutsche Architektenschaft als ein ressourcenreiches Netzwerk zu verstehen und davon zu profitieren?
Ich bin wirklich stolz, durch einen so dynamischen und eleganten Pavillion auf der Expo in Shanghai vertreten zu werden! Dankeschön!
Warum nicht gleich einfach nach Koolhaas'scher Manier die in Wettbewerben prämierten Kisten einach "hochstapeln".
Das entspricht nicht nur deutscher Planungsrealität, sondern der tatsächlichen zukünftigen Ästethik urbaner Landschaften Deutschlands.
Ich lege Euch allen den gutgemeinten Rat des Pinguins ans Herz...
www.youtube.com/watch?v=j8uefBUOfgA
Eine weitere Frage drängt sich mir auf: wieso nennt sich so ein Riesengebäude Pavillon?
Zum eigentlichen Entwurf ist noch zu sagen, dass er sicherlich besser ist als der "Gewinnerentwurf" tatsächlich wird aber dieses ständig Schräge langsam ermüdend. Es gibt nur wenige Könner, deren Schrägen nicht
langweilen. Manchmal sollte man zum guten alten: "weniger ist mehr" zurückkehren, um dem Geist wieder etwas Luft zu lassen. Danach kann man sich wieder an das Experiment Schräge wagen... aber vorsichtig, mit viel Bedacht und dem, aus der Mode gekommenen, Skizzenpapier. Da kann man sich der guten Form besser annähern. Probierts doch mal wieder, man kann es noch kaufen und es macht Spaß. Können muß man es natürlich schon, aber davon gehen wir ja aus.